Besondere UnterkünfteMagische Refugien am Meer

Morten Strauch

 · 03.01.2023

Gischtumtost: das alte Leuchtturmwärterhaus an Norwegens Vestkapp. Hier kann man übernachten – und an zehn anderen spektakulären Orten in dieser Galerie ebenfalls!
Foto: Thomas Bickhardt/ BickFoto

Manchen Segler überfällt dieser Tage der Winterblues. Höchste Zeit für eine Auszeit am Wasser. YACHT zeigt Orte, an denen Sie auftanken können

Die Boote stehen hoch an Land, der Winter an der Küste ist kalt, nass und lang. Trotzdem kein Grund, Trübsal zu blasen! Stürme und frostige Temperaturen, dazu klare Luft und vielerorts eine während des Sommers ungekannte Ruhe lassen sich gezielt nutzen, um neue Kraft zu schöpfen. Warum also nicht die eiskalten Winde als eine Art Frischzellenkur für Körper und Geist wirken lassen, um sich anschließend hinter geschützten Panoramafenstern wieder aufzuwärmen, während draußen die Wellen tosen und die Böen orgeln? Gerade im Winter bietet die Natur oft spektakuläre Wetterschauspiele, untermalt von einer prächtigen Geräusch- und Farbkulisse. Wenn sich das Urlaubsrefugium dann noch in einem maritimen Kulturgut befindet, sich ästhetisch in die Landschaft einfügt oder mit Annehmlichkeiten wie Sauna und Kamin ausgestattet ist, darf der Frühling ruhig noch auf sich warten lassen. Wir haben eine Auswahl besonderer Unterkünfte erstellt, in denen sich die dunkle Jahreszeit nicht nur überbrücken, sondern genießen lässt.

Verlagssonderveröffentlichung

In diesem Artikel:

Kråkenes Fyr, Westnorwegen

Das Vestkapp ist eines der berüchtigsten Seegebiete weltweit. Schiffe aller Größen fürchten das notorisch unruhige Kap, das nicht nur für gewaltige Brecher, sondern auch für Wind­rekorde mit Spitzen von bis zu 64 Metern/Sekunde bekannt ist – das entspricht doppelter Orkanstärke! Dementsprechend spektakulär ist die Aussicht vom Leuchtturm Kråkenes, der 42,5 Meter über dem Meeresspiegel gebaut wurde. Die weiß getünchten Gebäude, zu denen auch das Sturmhaus gehört, in dem früher die Familie des Leuchtturmwärters wohnte, strahlen Zuversicht in der schroffen Felsenlandschaft aus. 1994 übernahm ein ­deutscher Auswanderer die Pacht des bereits automatisierten Leuchtturms und begann, die Häuser liebevoll zu renovieren und für Gäste herzurichten. Der Abgeschiedenheit geschuldet sind neben der Selbstversorgung einige Hausregeln zu beachten, und Strom gibt es auch nur in begrenzter Menge. Dafür aber kann man sich ungestört auf ein atemberaubendes Naturspektakel in vorderster Reihe freuen.

Preis pro Zimmer und Nacht für maximal 4 Personen: 95 bis 190 Euro.


Pfahlhaus-Suiten, Rügen

Direkt neben den Stegen des Yachthafens Lauterbach stehen die Pfahlhäuser, inspiriert von den maledivischen Feriendomizilen, im Wasser des Greifswalder Boddens. Die modern ausgestatteten Einzimmerhäuser bieten neben Panoramablick und überdachter Terrasse auch einen kleinen Steg, der für ein eiskaltes Bad im Bodden genutzt werden könnte. Wer sich das nicht antun mag, kann stattdessen ein winterliches Waldbad in der Goor gleich nebenan nehmen oder mit dem Auto den nahe gelegenen Nationalpark Jasmund ansteuern, um in aller Ruhe nach Fossilien zu suchen.

Preis ab 117 Euro für 1 bis 2 Personen.


Belle Tout Lighthouse, Südengland

Der Leuchtturm Belle Tout thront auf einem Kreidefelsen an der englischen KanalküsteFoto: Rob Wassel
Der Leuchtturm Belle Tout thront auf einem Kreidefelsen an der englischen Kanalküste

Der Leuchtturm auf den Kreidefelsen bei Beachy Head an der Kanalküste hat eine bewegte Geschichte. 1832 erbaut, wurde er bereits 1902 aufgrund von Erosionsgefahr und schlechter Sichtbarkeit bei Nebel wieder außer Betrieb genommen. Später diente der Turm als Teestube, bevor er im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört wurde. Wieder aufgebaut, gelangte er in den Besitz der BBC und war Drehort einer britischen Buchverfilmung. 1999 wurde der Leuchtturm sogar landeinwärts verschoben, um ihn vor dem Absturz zu bewahren. Heute ist Belle Tout ein uriges Bed and Breakfast, dessen Highlight der 360-Grad-Panoramablick aus dem ausgebauten Lampenhaus ist. Spaziergänger können sich der wellenförmigen Klippenlandschaft der Seven Sisters erfreuen oder über den Leuchtturm Beachy Head staunen, der direkt vor die Kreideküste ins Wasser gebaut wurde.

Preise bei 250 bis 320 Euro/Nacht für ein DZ mit Frühstück.


„Cap San Diego“, Hamburg

Eine Suite in Hamburgs Wahrzeichen “Cap San Diego”Foto: Julia Berlin
Eine Suite in Hamburgs Wahrzeichen “Cap San Diego”

Längst zu einem Wahrzeichen der Stadt avanciert, ist der ehemalige Stückgutfrachter heute maritimes Denkmal, Museumsschiff und schwimmendes Hotel zugleich. 1961/62 für die Reederei Hamburg-Süd gebaut, fuhr das Schiff bis Ende 1981 regelmäßig nach Südamerika. Seinen Liegeplatz hat es an der Überseebrücke zwischen Elbphilharmonie und Landungsbrücken, wo früher Passagierschiffe nach Amerika ablegten. Die „Cap San Diego“ ist noch voll fahrtüchtig und legt mehrmals im Jahr zu Ausfahrten ab. Der Charme und die Ästhetik der sechziger Jahre setzen sich bis in die restaurierten Kabinen des eleganten Frachters fort. Weitere touristische Highlights wie Portugiesenviertel, Hamburger Michel oder Hafencity sind fußläufig zu erreichen. Wer keine Koje mehr findet, kann auf das in Sichtweite liegende Feuerschiff ausweichen, das ebenfalls mit original belassenen Kabinen aufwartet.

Preis ab 110 Euro/Pers. mit Frühstück.


Hotel Vår Gård, Ostschweden

Vor den Toren Stockholms und am Rande des gleichnamigen Schärengartens gelegen, bietet das 1924 eröffnete Konferenzhotel alles, was das Herz begehrt. Neben Restaurant, Bar und eigener Bäckerei gibt es auch eine Sauna und die Möglichkeit zum Winterbaden. Die Luxussuiten sind individuell gestaltet und bezaubern mit einem herrlichen Blick auf das Wasser. Abrunden lässt sich die Auszeit mit ­einem immer lohnenswerten Besuch der schwedischen Hauptstadt, die keine 20 Kilometer entfernt liegt.

Preis 165 bis 460 Euro/Person mit Frühstück.


Lindesnes Fyr, Südnorwegen

Norwegens südlichstes Leuchtfeuer auf dem Festland wurde erstmals im Jahr 1655 auf Geheiß des dänischen Königs Frederik III. gezündet. Es sollte die Passage des Skagerraks für Schiffe sicherer machen. Der heutige Leuchtturm hat sich mittlerweile zu einem Publikums­magneten entwickelt, weshalb sich ein Besuch im Winter doppelt lohnt. Des Nachts versetzt das umlaufende Licht, gepaart mit den Geräuschen von Wind und Brandung, die Szenerie in eine schaurig-schöne Atmosphäre.

Preis ab 180 Euro inkl. Museumseintritt.


Hausboote, Barth

Gemütliche Hausboote mit Sauna warten am DarßFoto: Michael Schaffeld
Gemütliche Hausboote mit Sauna warten am Darß

Mit Blick auf den Barther Bodden liegen mehrere äußerst komfortabel ausgestattete Hausboote ganz im Westen des Hafens von Barth. Dank Fußbodenheizung lässt sich der Panoramablick auf die Bodden-­Winterlandschaft in aller Gemütlichkeit genießen. Wer nach dem Landgang trotzdem noch bibbert, kann sich in der bordeigenen Sauna am Heck wieder auf Temperatur bringen. Den wohl schönsten Spaziergang am Wasser bietet der ursprüngliche Weststrand auf der vorgelagerten Halbinsel Darß, der Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft ist und als einer der schönsten Strände Europas ausgezeichnet wurde. Restaurants und die sehenswerte Innenstadt von Barth sind vom Liegeplatz fußläufig gut zu erreichen.

Preise ab 144 Euro für bis zu 4 Personen pro Übernachtung.


Helnæs Mølle, Dänemark

Die Halbinsel Helnæs im Süden von Fünen ist vielen Seglern ein Begriff, die schon einmal in Richtung ­Kleiner Belt unterwegs waren. Im Osten, auf dem Gelände der 1843 gebauten Mühle, wurden neben einem Outdoor-­Zentrum auch acht Luxusferienhäuser gebaut. Die in Holzbauweise und mit einer Glasfront zur Helnæs-Bucht errichteten Domizile fügen sich mit ihrem modern-natürlichen Look schön in die Landschaft ein. Auf der gegenüberliegenden Seite der malerischen Bucht liegt der Falsled Kro, der wie kaum ein anderes Restaurant im ländlichen Dänemark für gastronomische Spitzenklasse steht.

Preise ab 210 Euro für 2 Personen pro Übernachtung.


Faralda Crane Hotel, Holland

In den Suiten des Kran-Hotels haben Gäste einen tollen Ausblick über Amsterdams HafenFoto: FaraldaCraneHotel
In den Suiten des Kran-Hotels haben Gäste einen tollen Ausblick über Amsterdams Hafen

Wer schon immer mal seine Schwindel­freiheit testen oder die Perspektive eines Hafenkranführers nachempfinden wollte, der ist hier genau richtig. In luftiger Höhe von 50 Metern wurden in neunjähriger Bauzeit drei spektakuläre Suiten eingerichtet, die an Originalität kaum zu überbieten sind. Mit ­einem Aufzug gelangt man direkt in die zweigeschossigen Wohnbereiche, die atemberaubende Ausblicke auf den Hafen der Millionenmetropole Amsterdam gewähren. Ausgestattet mit märchenhaften Designs, Regenwaldduschen sowie einem Jacuzzi auf dem Dach wird die Fantasie im wahrsten Sinne des Wortes beflügelt. Doch Vorsicht: Bei drehenden Winden dreht sich auch der Kran – aber hoffentlich nicht der Magen!

Preise ab 990 Euro pro Übernachtung für 2 Personen inkl. Champagner-Frühstück.


Väderöarna, Westschweden

Das kleine Felsarchipel im Skagerrak wurde aufgrund seiner exponierten Lage schon immer von Seefahrern zum Abwettern genutzt. Da es zudem sehr schön auf den „Wetterinseln“ ist, sind sie im Sommer bei Seglern und Touristen vom Festland ein echter Geheimtipp geworden. Auf der bis 1966 bewohnten Hauptinsel Storö hat sich in der ehemaligen Lotsenstation ein Wirtshaus mit gemütlichen Zimmern, einer Granitsauna und heißen Salzwasserbädern eingerichtet. Die abgelegenen Väderöarna sind ­damit auch im Winter ein wunderbarer Ort, um sich ordentlich durchpusten und verwöhnen zu lassen. Mit etwas Glück können dabei neben schönen Sonnenuntergängen über dem Skagerrak auch Polarlichter beobachtet werden.

Preise ab 45 Euro pro Person und Nacht ­bzw. ab 295 Euro inklusive Exklusiv-Paketangebot.


Helgoland

Entspannen mit Blick auf die Helgoländer HummerbudenFoto: Haus Marinas
Entspannen mit Blick auf die Helgoländer Hummerbuden

Deutschlands einzige Hochseeinsel ist im Sommer Sehnsuchtsort unzähliger Besucher. Die meisten kommen als Tagestouristen, dementsprechend leer wird es gegen Abend. Im Winter entfaltet sich ein ganz besonderer Charme. Trotz kräftiger Stürme kehrt auf der einstigen Schmugglerinsel Ruhe ein, sogar die Basstölpel und Trottellummen haben ihre Nester verlassen. Dafür lassen sich auf der Düne Kegelrobbenbabys beobachten, die nun geboren werden. Direkt am Südhafen gelegen und in unmittelbarer Nähe zu den Hummerbuden, befindet sich das moderne Doppelhaus Marinas mit mehreren Apartments, durch deren Glasfassade sich den wenigen Seglern zuschauen lässt, die sich die Überfahrt jetzt noch trauen.

Preis ab 120 Euro für 1-2 Personen pro Nacht


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