KroatienAutonomes Boot soll die Küste überwachen

Jill Grigoleit

 · 21.09.2026

Kroatien: Autonomes Boot soll die Küste überwachenFoto: Innovamare Technologies
Das autonome Elektroboot “Faust V” soll zukünftig dabei helfen, Regelverstöße auf dem Wasser und Umweltverschmutzungen zu erkennen.
Ein 2,1 Meter langes Elektroboot soll in Kroatien Tempoverstöße, falsches Ankern und Verschmutzung erkennen. “Faust V” ist kein schwimmender Strafzettelautomat. Aber als autonome Sensorplattform könnte das Fahrzeug die Behörden zukünftig dabei unterstützen, Regelverstöße in Badebuchten und Marinas zu ahnden.

Themen in diesem Artikel

Wer in Kroatien unterwegs ist, kennt das Bild: In der Bucht liegt eine Yacht mit viel zu wenig Abstand zum Strand, ein Gleiter zieht seine Spur zu dicht an der Küste, ein Anker fällt auf empfindlichen Grund. Seit 2025 sind die Regeln im Revier deutlich strenger. Für Boote unter 15 Metern gelten entlang der Küste mindestens 50 Meter Abstand, für Gleitfahrt von Motorbooten, Scootern und Jetskis grundsätzlich 300 Meter. Auch das Ankern an Naturbadegebieten ist enger geregelt. Die neue kroatische Verordnung mit ihren Folgen für Chartercrews zeigt aber auch: Regeln allein verändern das Verhalten auf dem Wasser nicht.

Hier setzt das Projekt “Faust V” an. Das autonome Überwasserfahrzeug wird von Innovamare Technologies in Kroatien entwickelt und soll Auffälligkeiten erkennen, dokumentieren und an zuständige Stellen melden.

Was das Drohnenboot aus Kroatien können soll

Nach Angaben der Entwickler ist “Faust V” eine 2,1 Meter lange, elektrisch angetriebene Plattform mit KI-gestützter Auswertung, Lidar, Sonar und hydroakustischen Sensoren. Das Boot soll Daten in Echtzeit erfassen und über Mobilfunk, 5G oder Starlink übertragen. Die vorgesehenen Aufgaben reichen vom Vermessen des Meeresbodens über Umweltmonitoring bis zur Küstenüberwachung. Für die praktische Überwachung an der Adria sind vor allem drei Funktionen relevant:

Meistgelesen

1

2

3

4

5

  • Verkehr beobachten: Kameras und Lidar können Bewegungen, Abstände und potenziell riskante Manöver erfassen.
  • Anker- und Schutzbereiche kontrollieren: In Verbindung mit Positionsdaten und hinterlegten Geodaten lassen sich Verdachtsfälle wie Ankern in Schutz- oder Badezonen erkennen.
  • Umweltzustand dokumentieren: Sensoren und Sonar können Wasserqualität, Müll an der Oberfläche oder Veränderungen am Grund überwachen.

​”Faust V” ist vor allem als Ergänzung zu Wasserschutzpolizei, Hafenbehörden und Umweltmonitoring gedacht. Kleine autonome Fahrzeuge können lange Anfahrten vermeiden und Einsatzkräfte auf tatsächlich auffällige Situationen fokussieren. Ähnliche Überwachungskonzepte werden auch bei größeren Wasserdrohnen zur Dokumentation verdächtiger Manöver in Dänemark verfolgt.

Der Entwicklungsstand des Prototyps

Die Technische Fakultät der Universität Rijeka berichtete am 18. September 2026, “Faust V” sei für die Überwachung des Seeverkehrs, die Erkennung unzulässigen Ankerns und überhöhter Geschwindigkeit, das Scannen des Meeresbodens sowie das Einsammeln von Oberflächenmüll vorgesehen. Im Januar 2026 kam “Faust V” zusammen mit einem Unterwasser-ROV (Remotely Operated Vehicle) bei der Wasserqualitätsüberwachung an sechs Standorten in der Gemeinde Sali in der Gespanschaft Zadar zum Einsatz. Die Wasserproben wurden im Labor des Instituts Ruđer Bošković untersucht.

Neu hinzugekommen seien nun sechs Kameras und eine Starlink-Anbindung. Damit entfällt die bisherige Begrenzung durch die Reichweite eines 5G-Netzes. Der aktuelle Bericht der Universität Rijeka nennt für die Batterie derzeit bis zu sechs Stunden Betriebszeit.

Warum gerade in Kroatien?

In der Hochsaison treffen vor der kroatischen Küste Charterflotten, Ausflugsboote, lokale Berufsschifffahrt, Badegäste und Wassersport auf engem Raum zusammen. Besonders in beliebten Buchten ist die Kontrolle schwierig. Der YACHT-Revierbericht über den Kvarner schildert etwa Partyboote, die dicht an den Badestrand fahren und auf Seegraswiesen ankern. Auch der Törnbericht rund Krk berichtet von Booten, die teilweise weiterhin nahe an Naturbadestränden liegen – trotz der neuen Verordnung.

Ein autonomes Boot könnte die Kontrollen unterstützen. Statt dass ein Streifenboot regelmäßig jede Bucht anlaufen muss, könnte ein Sensorfahrzeug auffällige Situationen vorselektieren: Position, Zeit, Bilddaten und Messwerte werden erfasst; die zuständige Behörde entscheidet dann, ob eine Kontrolle oder eine Ahndung nötig ist. Denn eine Kamera erkennt zunächst einen Verdacht, nicht automatisch einen rechtssicheren Verstoß.


Mehr zu autonomer Navigation auf See:

Die rasante Entwicklung in Sachen autonomer Navigation zeigt auch die kürzlich geglückte Atlantiküberquerung des Roboterseglers C-Star PC13.


Zu viel Überwachung auf See?

In Seglerforen wird die geplante Überwachung kontrovers diskutiert. Einerseits ist man sich einig, dass rücksichtslose Skipper zur Verantwortung gezogen werden müssen. Andererseits möchte auch niemand gerne beim Baden in der Bucht gefilmt werden. Für die Akzeptanz im Revier gilt: Wer Daten sammelt, muss vorher klar regeln, welche Aufnahmen gespeichert werden, wer sie auswertet und wie lange sie vorliegen. Technisch kann “Faust V” helfen, schneller auf Regelverstöße zu reagieren. Rechtlich und praktisch verantwortlich bleiben die Menschen, die die Daten bewerten und gegebenenfalls Maßnahmen anordnen. Entscheidend ist, ob die Behörden die Daten in funktionierende Kontrollen übersetzen – und ob Skipper nachvollziehbar sehen, wo Regeln gelten und warum sie durchgesetzt werden. Dann könnte die Technologie helfen, Badegäste, Seegraswiesen und rücksichtsvolle Crews besser zu schützen.


Buchtipps

Küstenhandbuch Kroatien und Slowenien ordnet den technischen Blick von Faust V in die Praxis des Reviers ein. Der Band deckt die kroatische Küste von Koper bis Split ab und bündelt Sportbootkarten, Informationen zu Häfen, Ankerplätzen, Ansteuerungen, Wetter und Verkehrsvorschriften. Für Crews ist er besonders dort nützlich, wo die Diskussion über Abstände, Badezonen und Ankern in konkreten Buchten auf die Törnplanung trifft.

Kollisionsverhütungsregeln erklärt die internationalen Regeln zur Verhütung von Zusammenstößen mit Abbildungen, Sichtzeichen und kompakten Zusammenfassungen für den Bordgebrauch. Der Titel ergänzt die Debatte über autonome Fahrzeuge um den entscheidenden Punkt: Sensorik und Software entbinden weder unbemannte Systeme noch bemannte Yachten von den Grundregeln sicherer Navigation und klarer Ausweichmanöver.

Würdet ihr ein autonomes Überwachungsboot in stark besuchten kroatischen Buchten als sinnvolle Hilfe für Sicherheit und Umweltschutz sehen – oder überwiegt für euch die Sorge vor zu viel Kontrolle auf dem Wasser?

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Jill Grigoleit

Jill Grigoleit

Redakteurin Reise

Jill Grigoleit lebte zehn Jahre mit ihrer Familie auf einem Hausboot im eigenen Hafen südlich von Hamburg und schrieb ein Buch über den Hausbootbau und das Leben mit Kindern auf dem Wasser. Seit 2020 schreibt sie vor allem Reisereportagen und Revierporträts für YACHT und BOOTE und konnte damit ihre zwei großen Leidenschaften zum Beruf machen: Reisen und darüber schreiben. Seit Januar 2024 gehört sie fest zum Team des Reiseressorts der Wassersportredaktion von Delius Klasing. Seither sammelt sie in den verschiedensten Regionen Reviertipps und Geschichten über Menschen, die am und auf dem Wasser leben - von der Mecklenburgischen Seenplatte über die bretonische Küste bis ins kanadische Ontario.

Meistgelesen in der Rubrik Reisen