KroatienRund Krk - Durch die Heimat der Bora zurück nach Punat

Bodo Müller

 · 27.08.2026

Kroatien: Rund Krk - Durch die Heimat der Bora zurück nach PunatFoto: Bodo Mueller
In der Bucht Mala Luka im unbewohnten Südosten zeigt die größte Insel der Adria Krk ihr ursprüngliches Gesicht.

Themen in diesem Artikel

Eine Umrundung der größten Insel der Adria führt zu stillen Ankerbuchten und durch bizarre Karstlandschaften. Unsere Reisereportage Rund Krk in drei Teilen. Teil 3: Durch die Heimat der Bora zurück nach Punat.

​Mitternacht legt sich die Bora schlafen. Morgens motoren wir aus der Mala Luka hinaus auf den Vinodolski Kanal. Das Wasser ist spiegelglatt. Kein Lufthauch kann unseren Segeln Form verleihen. An Backbord liegt die Stadt Senj unterhalb des Velebitgebirges. In diesem Ort werden die höchsten Windgeschwindigkeiten weltweit gemessen. In Höhe von Senj biegen wir rechts ab in die Senjska Vrata hinein. Diese Passage gilt als eines der gefährlichsten Seegebiete weltweit. Hier kann die Bora mit doppelter Orkanstärke wehen. Die Mondlandschaft zu beiden Seiten der Passage lässt ahnen, wie es hier zur Sache gehen kann. Und der Leuchtturm auf der Insel Prvić, der die Einfahrt in die Passage markiert, ist durch mannsdicke Mauern geschützt, damit er nicht von der Bora zerlegt wird.

Windstille in der Wiege der Bora

Doch kein Windhauch weht. Mit eingerollten Segeln motoren wir bei bleierner Flaute durch die Wiege der Bora. Wir sind etwas enttäuscht und zufrieden zugleich. Denn Windfinder und Windguru haben genau dieses Zeitfenster angezeigt, an dem die Bora eine Pause einlegt. Ohne einen kalten Windhauch im Rücken steuern wir weiter westwärts bis Baška.

Der Hafen hatte früher kaum Gastplätze und bot auch wenig Schutz bei Bora. Er wurde im Winter 2024/25 aufwändig umgebaut und durch neue Molen erweitert, so dass er jetzt ein geschlossenes Becken bildet. Bei der Ansteuerung kommt uns ein junger Mann in einem Beiboot mit der Aufschrift „Port Authorities“ entgegen. Wir wollen nur zwei Stunden bleiben. Der Hafenmeister lotst uns an einen Platz innerhalb der neuen Mole, wo wir längsseits gehen dürfen.

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​Baška - sicherer Hafen, alte Ankerplätze

Der neue Hafen in Baška ist ein großer Gewinn für den beliebten Badeort, bietet er jetzt Seglern und Motorbootfahrern sichere Liegeplätze bei jedem Wetter. Wir steuern weiter westwärts unserem Zielort Punat entgegen. Etwa zwei Meilen südlich der Einfahrt nach Punat liegen sieben beliebte Ankerbuchten mit Naturbadestränden unter spektakulären Felswänden. Auch im ersten Jahr der neuen Verordnung „Regeln über die Sicherheit der Seeschifffahrt…“ ankern die Boote und Yachten wie früher dicht in der Nähe des Strandes - weil es weiter draußen aufgrund der zu großen Wassertiefen einfach nicht ginge. Und wie in jedem Jahr ankern am dichtesten am Strand die kroatischen Touristen- und Partyboote - sie parken sozusagen mitten in der Badezone.

In Punat schließt sich der Kreis unseres Törns rund um die Insel Krk. Die Bora hatte sich nur von ihrer sanften Seite gezeigt. Während des gesamten Törns rund um die windgebeutelte Insel fühlten wir uns sicher. Präzise Wettervorhersagen machen heute das Segeln sicherer. Deswegen werden wir aber nie den Respekt vor der Bora verlieren.


Törninformationen

Anreise

Die Marina Punat liegt im Süden der Insel Krk. Von München fährt man sieben Stunden bis zur Charterbasis, von Wien aus sollte man mindestens sechs Stunden einplanen. Von Norddeutschland dürfte es die bessere Alternative sein, mit Eurowings ab Hamburg direkt zur Insel Krk zu fliegen. Der Airport Rijeka liegt im Norden der Insel. Vom Airport sind es 31 km zur Marina. Norddeutsche, die mit eigenem Auto an die Adria reisen möchten, haben von Juni bis September die Möglichkeit, mit dem Autoreisezug der ÖBB (Österreichische Bundesbahnen) komfortabel von Hamburg bis Villach an der österreichisch-slowenischen Grenze zu fahren. Von Villach sind es 3,5 Stunden Autofahrt bis zur Charterbasis.

Charter

In2theblue wurde von den Geschwistern Linda und Julian Kircher, selbst begeisterte Segler aus Kärnten, gegründet. Schwerpunkte neben Yachtcharter sind Segelausbildung, Skipper- und Regattatraining. Die Charterflotte besteht auch 37 Segelyachten ab 34 bis 51 Fuß, darunter fünf Katamarane. Die Standorte sind Punat und Kremik. Die von uns gecharterte Beneteau 41.1 (12,43 m x 4,20 m x 2,18 m, 3 Doppelkabinen, 2 Bäder) ist dank Rollgroß und Elektrowinsch auch von kleinster Crew leicht zu händeln. Je nach Saison kostet das Schiff ab 1100 bis 2400 € pro Woche. Extras: Transitlog (290 €), Bettwäsche, Handtücher (10 € p.P.), Außenborder (80 €), Gennaker (500 €), SUP (130 €), Endreinigung (100 €), kroatische Kurtaxe (1,33 € p.P. pro Nacht).

Navigation, Seemannschaft, Führerscheine

Die Crew sollte grundlegende Seemannschaft wie Ankermanöver oder Anlegen mit Murings souverän beherrschen. Wer rund Krk segeln möchte, muss sich genau informieren, ob es eine Bora geben kann und wann und wie stark sie sich entfalten wird. Das gilt insbesondere für das Seegebiet zwischen Krk und dem Velebitgebirge, also den Vinodolski Kanal und die Senjska Vrata. Im Vinodolski Kanal bietet einzig die Bucht Klimno sicheren Schutz bei Bora. In Vrbnik gibt es keinen Schutz, schon bei mittlerer Bora tanzen die Boote im Hafen, eine starke Bora weht über die Mole. In der Mala Luka im Süden von Krk kann man es bei einer mittleren Bora gut aushalten, wobei die Böen zwar über die Bucht wehen, jedoch keinen Seegang generieren. Kündigt sich eine starke oder länger anhaltende Bora an, ist es ratsam, die Bucht zu verlassen. Besseren Schutz bietet die Vela Luka, wobei die Wassertiefen größer sind, weshalb sie mehr von größeren Yachten aufgesucht wird.
Deutsche Skipper brauchen zum Chartern den Sportbootführerschein See (oder höherwertige Scheine). Österreicher brauchen den Befähigungsnachweis zur selbständigen Führung von Yachten im Fahrtbereich 2 - Küstenfahrt (oder höherwertige Scheine). Ein Mitglied der Crew muss über eine Funklizenz (UKW-Sprechfunkzeugnis/SRC/LRC oder kroatisches Funkzeugnis) verfügen.

Wind & Wetter

Im Kvarner dominiert während der Saison ein mildes und sonnenreiches Klima. Der Schönwetter-Wind Maestral weht von vormittags bis nachmittags aus Nordwest und legt sich abends schlafen. Die Bora (kalter Fallwind aus Nordost) entwickelt ihre größte Stärke im Vinodolski Kanal und in der Senjska Vrata. An der Westküste von Krk kann sie auch auftreten, jedoch deutlich schwächer. Starkwind und Seegang können auch der Jugo (aus Südost) oder ein Gewittersturm (aus westlichen Richtungen) verursachen. Ab Mai bis Oktober liegen die Tagestemperaturen zwischen 21 bis 30 Grad.

Literatur & Karten


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Bodo Müller

Bodo Müller

Freier Autor

Seit 1987 arbeitete Bodo Müller, damals noch in Rostock lebend, als DDR-Korrespondent des Magazins YACHT. Nach seiner Ausreise im August 1989 berichtet er als Reporter und Fotograf der Magazine YACHT und BOOTE über alle Charterreviere weltweit. Er schrieb 22 Bücher, darunter den bei Delius Klasing erschienenen Bestseller „Über die Ostsee in die Freiheit“, der von der ARD verfilmt wurde. Daneben ist er Drehbuchautor von zeitgeschichtlichen Filmen und arbeitet als Drohnen- und Unterwasser-Kameramann für den TV-Sender ARTE. Bodo Müller lebt heute auf der Halbinsel Priwall in Travemünde.

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