Microtransat Challenge“C-Star PC13” überquerte als erstes autonomes Roboterboot den Atlantik

Lasse Johannsen

 · 17.09.2026

Roboterboot C-Star PC13 überquerte als erstes autonomes Roboterboot den Atlantik.
Foto: Oshen

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Ein gerade einmal 1,2 Meter langes autonomes Segelboot hat als erstes Fahrzeug überhaupt die härteste Herausforderung der maritimen Robotik gemeistert: die Microtransat Challenge. Die “C-Star PC13” des britischen Unternehmens Oshen überquerte den Atlantik in 127 Tagen vollständig ohne menschlichen Eingriff. Mehr als 30 Teams hatten es zuvor versucht - und waren gescheitert.

Am 13. September 2026 um 9:56 Uhr UTC passierte die “C-Star PC13” die Ziellinie östlich von Barbados - doch an Bord war niemand, der jubeln konnte. Das autonome Fahrzeug hatte in 127 Tagen 2.926 Seemeilen hinter sich gelassen. Gestartet war es am 7. Mai auf Gran Canaria. Unterwegs im Passatwind hatte der segelnde Roboter vielbefahrene Schifffahrtsrouten zu befahren und den Tropensturm „Dolly" zu überstehen. Dabei wurden Ruderprobleme selbstständig diagnostiziert und korrigiert. Schließlich glückte das Ziel. Die “C-Star PC13” gewann die Microtransat Challenge. Als erstes autonomes Segelboot seit dem ersten Start zur Challenge vor 16 Jahren.

Erster Erfolg nach 16 Jahren

Die Microtransat Challenge wurde 2005 von Dr. Mark Neal von der walisischen Aberystwyth University und Dr. Yves Brière vom Luft- und Raumfahrtinstitut Isae-Supaero in Toulouse ins Leben gerufen. Der erste Start erfolgte jedoch erst fünf Jahre später. Das erklärte Ziel des Wettbewerbs ist es, die Entwicklung autonomer Meeresfahrzeuge voranzutreiben.

Große Herausforderung

Die Regeln sind streng. Die Boote dürfen maximal 2,4 Meter lang sein – was eine starke Einschränkung der Fläche für Solarpaneele mit sich bringt, was die gesamte Energiebilanz an Bord stark begrenzt. Die prägnanteste Regel aber ist, dass keinerlei menschliche Eingriffe vorgenommen werden dürfen, sobald das Boot die Startlinie passiert hat. Damit ist ein Zugriff auf die Steuerung per Funk ausgeschlossen. Als Antrieb ist ausschließlich Wind zugelassen.

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Zahlreiche Versuche

​Seit dem ersten Versuch im September 2010 – damals ging die “Pinta” der Aberystwyth University an den Start – haben mehr als 30 Teams an der Challenge teilgenommen, darunter die Shanghaier Universität, Frankreichs renommierte École Navale und die US Naval Academy, deren Teams es allein sechs Mal versuchten. Alle scheiterten. Oshen ist das erste Unternehmen, das erfolgreich ist – das aber auch erst im dritten Anlauf.

Dreimal gescheitert – dreimal gelernt

Die Erfolgsgeschichte der “C-Star PC13” ist auch eine Geschichte zweimaligen Scheiterns. 2023 endete Oshens erster Versuch nach kaum 20 Tagen – das Boot hatte nur rund fünf Seemeilen zurückgelegt. Im Jahr 2025 kam das Team deutlich weiter. Ein modifiziertes Boot startete in Plymouth, segelte 277 Tage lang, und legte dabei drei Viertel der Strecke über den Atlantik zurück – bis ein schwerer Sturm das Segel zerstörte und das Projekt beendete. Diese Rückschläge waren, so sehen es die Beteiligten selbst, die eigentliche Entwicklungsarbeit.

Software gegen Wind und Strom

Das Herzstück der “C-Star PC13” ist ausgeklügelte Technik und komplexe Software. Vor dem Start werden Wegpunkte in den Bordcomputer einprogrammiert. Die autonome Navigationssoftware – vollständig von Oshen entwickelt – berechnet dann kontinuierlich den optimalen Weg unter Berücksichtigung von Windrichtung, Windstärke, Meeresströmungen und dem aktuellen Batteriestand. Segel und Ruder werden entsprechend automatisch angesteuert.

Roboterboot mit Bugstrahlruder

Das Boot verfügt zwar über ein solarbetriebenes Bugstrahlruder für Manöver bei schwachem Wind – das durfte jedoch nach den Regeln der Microtransat Challenge während der Atlantikpassage nicht aktiviert werden. Das Fahrzeug war damit vollständig auf seine Segel und die Computertechnik angewiesen.

Eigenständige Problemlösung unterwegs

Auf halber Strecke trat ein ernstes Problem auf. Das Ruder begann unregelmäßig zu reagieren, vermutlich ausgelöst durch übermäßige Reibung. Jedoch – und das war das vielleicht beeindruckendste Detail der gesamten Reise: Die Steuerungssoftware erkannte das Problem, passte ihre Korrekturen selbstständig an und kompensierte den Defekt ohne jeden menschlichen Eingriff. Das Boot konnte seine Reise dadurch unbeirrt fortsetzen.

Tropensturm „Dolly" und 9-Meter-Wellen

Die Überfahrt verlief dabei keineswegs reibungslos. Am 113. Tag durchquerte die “C-Star PC13” das Einflussgebiet des sich entwickelnden Tropensturms „Dolly" – mit Wellen von bis zu neun Metern, was herausfordernde Bedingungen für ein 1,2-Meter-Boot sind. Dass Oshen mit solchen Extrembedingungen umgehen kann, hatte das Unternehmen bereits im September 2025 bewiesen. Das Schwesterboot “C-Star PC8” wurde im Auftrag der US-Wetterbehörde NOAA direkt in die Augenwand des Hurrikans Humberto geschickt. Das Boot überstand stundenlange Belastung durch zehn Meter hohe Wellen und Windgeschwindigkeiten von über 240 km/h und übertrug dabei live Messdaten, die später in offizielle Wettervorhersagen einflossen. Bis heute sind die C-Stars die einzigen unbemannten Überwasserfahrzeuge, die so etwas je geleistet haben.

Schwimmende Forschungsplattform

Die Microtransat-Challenge ist für Oshen kein Selbstzweck. Die C-Stars sind primär als autonome Sensor-Plattformen für den Dauereinsatz auf dem offenen Ozean konzipiert – in Regionen, in denen der Einsatz konventioneller Forschungsschiffe zu teuer oder logistisch zu aufwendig ist. Pro Tag messen die Boote kontinuierlich bis zu zwei Millionen Datenpunkte. Meeresoberflächentemperatur, Lufttemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Salzgehalt und Wasserdichte. Einzeln oder im Flottenverbund – Oshen spricht von „Konstellationen" – können sie persistente Datensätze über weite Meeresgebiete aufbauen.

Einsatzbereiche sind neben der Klimaforschung auch:

  • Verteidigung: Überwachung von Unterwasser-Datenkabeln und Pipelines
  • Strafverfolgung: Monitoring illegaler Fischerei und sogenannter „Dunkelflotten"-Tanker
  • Meteorologie: Hurrikan-Überwachung in der Karibik (bereits im Einsatz)
  • Zukunft: Hydrophone zum Abhören von Unterwasseraktivitäten

Großer Erfolg

Anahita Laverack, CEO und Mitgründerin von Oshen, kommentierte die Ankunft in Barbados: „Wir sind begeistert, die Microtransat endlich abgeschlossen zu haben. Noch in den letzten Stunden, nach so vielen Tagen auf See, waren wir nicht sicher, ob die “C-Star PC13” das Ziel tatsächlich erreichen würde. Es ist ein großartiges Ergebnis und eine fantastische Bestätigung all der Arbeit, die das Team investiert hat.”

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Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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