PiraterieKriminalität in der Karibik wieder auf dem Vormarsch

Max Gasser

 · 22.11.2022

Piraterie: Kriminalität in der Karibik wieder auf dem VormarschFoto: Unsplash/Artem Pochepetsky
Marigot Bay auf St. Martin verzeichnete 2021 die meisten Vorfälle, für 2022 ist bisher ein leichter Rückgang zu erkennen

Das Caribbean Safety and Security Net (CSSN) hat seinen Jahresbericht für 2021 veröffentlicht. Die Analyse der gemeldeten Yachtverbrechen in der Karibik ergab einen deutlichen Anstieg gegenüber dem Tiefstand von 2020

Die Gesamtzahl der gemeldeten Straftaten in der Karibik in Zusammenhang mit Yachten ist seit dem Tiefpunkt im Jahr 2020 gestiegen. Die Gewaltverbrechen haben ebenfalls zugenommen, darunter auch Fälle von Piraterie und dafür verdächtigte Aktivitäten. Das geht aus dem von CSSN veröffentlichten Jahresbericht hervor.

Die Zahl der Vorfälle stieg von 72 auf 102, was einem Anstieg von 42 % entspricht. Nach dem Pandemie-Tief im Jahr 2020 kam es 2021 auch wieder vermehrt zu gewalttätigen Verbrechen. Versuchter Raubüberfall (Guadeloupe), Körperverletzung (Mexiko) und Piraterie (Venezuela) ergeben zusammen mit vier Vorfällen im Zusammenhang mit Piraterie vor der Küste (Nicaragua – 3) und (Honduras) insgesamt sieben.

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In dieser Grafik ist der Rückgang der Fälle im Pandemie-Jahr 2020 klar zu erkennen. Doch bereits 2021 ist wieder ein deutlicher Anstieg festzustellen, 2022 ist Ähnliches zu erwartenFoto: CSSN
In dieser Grafik ist der Rückgang der Fälle im Pandemie-Jahr 2020 klar zu erkennen. Doch bereits 2021 ist wieder ein deutlicher Anstieg festzustellen, 2022 ist Ähnliches zu erwarten

Gewalttätige Vorfälle und Piraterie nehmen zu, doch Diebstähle dominieren nach wie vor

Der Anstieg von Jahr zu Jahr kam nicht unerwartet. Doch in dem Maße, in dem die Sicherheit der Beiboote verbessert wurde, haben die Diebe auch ihre Werkzeuge und Methoden verbessert. “Als sich die Covid-Situation allmählich entspannte, lockerten sich die Einreisebeschränkungen und es entstand wieder eine typischere Dynamik – was auch die Verbrechen gegen Yachten in der Karibik ansteigen ließ”, so Kim White von CSSN.

Die gemeldeten Vorfälle waren zudem wieder breiter über die gesamte Region verteilt, wobei St. Martin (22 Fälle), Martinique (15), Grenada (13) und Panama (8) mehr als die Hälfte der Gesamtmeldungen ausmachten. St. Martin führt die Liste mit 17 Vorfällen (keine gewalttätigen) an, von denen die meisten Diebstähle in und um Marigot Bay sind.

Trend setzt sich auch 2022 fort

Auch 2022 scheint diese Entwicklung nicht abzureißen. Ein Beispiel dafür ist die Insel St. Lucia. Vor Corona hatte sich auch hier die Sicherheitslage in Bezug auf Piraterie gerade deutlich verbessert, wie die YACHT bei einem Besuch 2020 noch bestätigt bekam. Doch in diesem Jahr entwickelte sich St. Lucia zu einem Hotspot der Piraterie gegen Chartercrews. Die Karibik-Insel war wegen der großen Armut der Bevölkerung in einigen Gegenden schon immer etwas rauer, doch die Häufung der Piraterie-Fälle in den letzten Monaten ist bedenklich. Neben Überfällen kam es auch zu bewaffneten Angriffen.

2021 und 2022 im Vergleich:

Die Karte zeigt alle gemeldeten Vorfälle aus dem Jahr 2021 (registrierte Vorfälle insgesamt: 102)
Foto: Screenshot/CSSN

Crews, die von Martinique starten und südwärts in die Grenadinen wollen, sollten sich vor einem Stopp auf St. Lucia am besten von den Basis-Leitern der Charterfirmen über den letzten Stand informieren lassen und einen Blick in das Caribbean Safety and Security Net werfen, das alle Fälle im Revier sammelt und auf der Webseite detailliert beschreibt. Außerdem sollten Niedergangsluk und große Fenster in der Nacht geschlossen bleiben und Dingi sowie Außenborder nachts aufgeholt und angeschlossen werden. Letzteres ist allerdings in der gesamten Karibik empfehlenswert.

Die Organisation bittet ausdrücklich darum, selbst erlebte Vorfälle zu melden:


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