PiraterieBewaffnete Räuber überfallen Crews in der Karibik

Andreas Fritsch

 · 19.10.2022

Piraterie: Bewaffnete Räuber überfallen Crews in der KaribikFoto: YACHT/A. Fritsch
Das Bojenfeld vor Soufrière auf St. Lucia wird immer wieder Ziel von Überfällen

Die Karibik-Insel St. Lucia entwickelt sich in diesem Jahr zu einem Hotspot der Piraterie gegen Chartercrews. Jüngstes Beispiel einer ganzen Reihe ist ein Fall aus der Bucht Canaries

Der Ort liegt an der Westküste, ein paar Meilen nördlich vom Hauptort Soufrière. Dort wurde um 1 Uhr nachts eine Zwei-Personen Crew wach, als zwei Einheimische mit einem Kajak auf das Boot kamen und die Crew bedrohten. Zwar gelang es dem Skipper, die Eindringlinge zu vertreiben, doch sie drohten, mit einer Pistole zurückzukommen und Skipper und Crew zu töten. Die daraufhin zu Hilfe gerufene Polizei kam etwa 40 Minuten später und nahm den Fall auf.

Doch so glimpflich gingen in diesem Jahr längst nicht alle Fälle von Piraterie aus. In derselben Bucht wurde im Juli eine Crew von mit Pistolen bewaffneten Räubern am Abend um 20 Uhr ausgeraubt, die Räuber entkamen mit Bargeld und elektronischen Geräten.

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Piraterie endete in einem blutigen Kampf

Noch schlimmer ist, dass mittlerweile auch Yachties in der törnstrategisch wichtigen Bucht von Soufrière wieder überfallen werden. Dort kamen am 6. Oktober um Mitternacht vier mit Macheten und Messern bewaffnete Räuber an Bord eines Ehepaares auf ihrem Kat. Sie bedrohten das Paar und entkamen mit Geld und Wertsachen. Zwei weitere Fälle von Piraterie ereigneten sich vor einigen Monaten. Crews an Muringbojen wurden überfallen, in einem Fall kam es sogar zu einem bedrohlichen bewaffneten Kampf zwischen zwei Räubern und drei Crewmitgliedern. Letztere konnten die Eindringlinge, die durch ein Luk eingestiegen waren, zwar vertreiben, trugen aber leichte Verletzungen davon.

Damit ist die eigentlich wunderschöne Karibik-Insel derzeit wieder ein gefährliches Pflaster für Crews, was sehr bedauerlich ist, denn vor Corona hatte sich die Sicherheitslage in Bezug auf Piraterie in St. Lucia gerade deutlich verbessert, wie die YACHT bei einem Besuch 2020 noch bestätigt bekam. Gerade die Bucht von Soufrière, für viele Crews ein beliebtes Ziel wegen der pittoresken Platzes vor den Pitons, galt als relativ sicher. Ankern ist dort verboten, es liegen Muringbojen der Gemeinde aus. Ranger kassieren Liegegeld und fuhren zumindest 2020 nachts auch Streife, was dafür sorgte, dass die früher dort schon vorkommenden Übergriffe nahezu zum Erliegen kamen.

Doch da die recht arme Karibik-Insel unter dem drastischen Besucherrückgang in Corona-Zeiten wirtschaftlich sehr zu leiden hatte, nehmen die Fälle von Piraterie nun scheinbar wieder deutlich zu. Soufrière und die Anse Canaries scheinen damit derzeit keine gute Wahl zu sein. Käme als Alternative eigentlich die Marigot Bay in den Sinn, doch auch dort gab es dieses Jahr schon zwei Diebstähle an Bord, aber wenigstens nur, während die Crews an Land zum Essen waren. Bleibt noch Rodney Bay im Nordwesten mit moderner Marina, Port of Entry und besserem Sicherheitsdienst als gute Alternative. Doch die ist landschaftlich bei Weitem nicht so reizvoll wie die Buchten südlich und vor dem Hauptort Soufrière.

Die Polizei hat die Piraterie-Fälle zwar aufgenommen und protokolliert, ist auch zeitnah vor Ort erschienen, allerdings wurden in keinem der Fälle Fingerabdrücke oder Ähnliches genommen.

Eine bedauerliche Entwicklung

Alles in allem eine sehr bedauerliche Entwicklung für Karibik-Segler, die nach den langen Corona-Sperrungen gerade erst wieder allmählich in die Reviere zurückkehren. St. Lucia war wegen der großen Armut der Bevölkerung in einigen Gegenden schon immer etwas rauer, doch die Häufung der Piraterie-Fälle in den letzten Monaten ist bedenklich. Crews, die von Martinique starten und südwärts in die Grenadinen wollen, sollten sich vor einem Stopp auf St. Lucia am besten von den Basis-Leitern der Charterfirmen über den letzten Stand informieren lassen und einen Blick in das Caribbean Safety and Security Net werfen, das alle Fälle im Revier sammelt und auf der Webseite detailliert beschreibt. Außerdem sollten Niedergangsluk und große Fenster in der Nacht geschlossen bleiben und Dingi sowie Außenborder nachts aufgeholt und angeschlossen werden. Letzteres ist allerdings in der gesamten Karibik empfehlenswert.

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