Dies ist der zweite Teil der Törnreportage entlang der Costa degli Dei im Südwesten Italiens. Den ersten Teil können Sie hier nachlesen. Die meisten Charterskipper in der Region wählen die Nordküste Siziliens oder die vorgelagerten Liparischen Inseln mit ihrer spektakulären vulkanischen Landschaft als Ziel, die “Küste der Götter” haben dagegen die wenigsten im Blick - zu unrecht!
Sonntagnachmittag hört man schon von weitem das Treiben am Strand von Tropea. In gebührendem Abstand lassen wir in feinstem Türkis auf vier bis fünf Meter den Anker fallen. Zur Soundkulisse kommt ein spektakulärer Anblick. Tropea krönt ein Felsplateau. Wie hoch es ist, merkt man spätestens beim Aufstieg über die Treppe, die von der Marina direkt in die verwinkelte Altstadt führt. Wie immer hat Schönheit ihren Preis.
Das abendliche Flanieren grenzt an Overtourism. Und Kellner, die vor den Restaurants mit der Speisekarte wedeln, muss man mögen. Das ändert aber nichts daran, dass man von der Terrasse am Ende des Corso Vittorio Emanuele einen wunderbaren Blick auf das Wahrzeichen hat: die vorgelagerte Klippe mit der Kirche Santa Maria dell’Isola. Voller Eindrücke kehrt die Crew zurück an Bord.
Nächstes Ziel, noch vor den ersten Ausflugsschiffen, ist das Capo Vaticano. Das Kap der Prophezeiung. Es war bereits in der Antike markanter Orientierungspunkt für Seefahrer zwischen Sizilien und Festland. Das Tyrrhenische Meer galt für die Griechen wegen seiner Stürme und Strömungen gefährlich, weshalb Kaps wie das Capo Vaticano oft mit mythischen Bedeutungen versehen wurden
Überliefert ist, dass sich dort ein Orakel des Gottes Merkur befand. Seefahrer suchten die Weissagungen, um zu erfahren, ob sie die gefährliche Überfahrt wagen sollten. Wir suchen, vergleichsweise bescheiden, eher die prächtigen Badebuchten.
Die Steilküste besteht aus hellen Granitfelsen, die bis zu 100 Meter hoch aufragen. Tief unten an ihrer Basis im Meer öffnen sich winzige Ausbuchtungen – manche so verborgen, dass sie nur bei ruhigem Wetter mit dem Beiboot oder einem Sprung ins Wasser zu erreichen sind. Die berühmte Praia di Fuoco etwa, Grotticelle oder Santa Maria, sie alle leuchten wie Türkisflecken zu Füßen der steilen Wand.
Wer hier morgens ankert, genießt fast ungestörte Ruhe und kristallklares Wasser. Der Meeresgrund besteht aus feinem Sand mit vereinzelten Felsplatten und fällt gleichmäßig ab. Der Anker fasst zuverlässig – nur sollte man beim Schwoien genug Abstand zu den Nachbarn einplanen, denn bei Winddrehern kann es in den kleinen Buchten schnell eng werden. Gegen Nachmittag bringen dann in der Saison voll besetzte Ausflugsboote reichlich Schwell und Unruhe mit sich. Also Anker auf und nichts wie weg. Dann lieber die restliche Thermik ausnutzen und einen längeren Schlag in Richtung Süden machen!
Hinter dem Kap zieht sich die Küste zurück. Hier gibt es wenig, das einen Stopp erzwingt. Dafür begegnen uns nun die ersten Boote der Schwertfischflotte, die passarella oder spadare genannt werden, und nahe der Straße von Messina beheimatet sind. Durch ihre eigentümliche Silhouette sind sie unschwer zu erkennen: ein langer begehbarer Ausleger nach vorn, dazu ein hoher Mast mit Ausguck, von dem nach der Beute Ausschau gehalten wird.
Wichtig für die Fischer sind klare Sichtverhältnisse und ruhiges Wasser, damit die Schatten der Schwertfische beim Schwimmen unter der Oberfläche erkannt und sie im Anschluss harpuniert werden können. Fangzeit ist von Mai bis September, wenn die Fische durch die Straße von Messina wandern.
Für uns als Segler heißt das vor allem: Augen auf und rechtzeitig Kurs ändern. Denn die Boote manövrieren träge, und möchten nicht abgelenkt werden – weder vom Kurs, noch von ihrer Aufgabe, der sie mit großer Konzentration folgen. Wer hier zu dicht heranläuft, kann böse Blicke ernten
Teil 1 der Reportage finden Sie hier!
Teil 2 der Reportage folgt in Kürze!

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