Die tief stehende Sonne lässt das Wasser derart glitzern und funkeln, dass man die Augen zusammenkneifen muss. Im Blau sanfter Wellen spiegeln sich die gewaltigen Berghänge, die beidseits steil und schroff über 1.000 Meter hoch gen Himmel ragen. In der Talsenke dazwischen, die das rund vier Kilometer lange Nordufer des Gardasees bildet, ducken sich auf der einen Seite die Häuser, Kirchen und alten Palazzi von Riva, auf der anderen die ockerfarbenen Gebäude im Zentrum von Torbole.
Die beiden Orte sind die Wassersportzentren des Trentino. Das ist die Provinz südlich von Südtirol, die sich noch gut und gerne sechs Kilometer weit hinaus auf den nördlichen Teil des Gardasees erstreckt.
Hier tummeln sich im Sommer Tausende Surfer, Jollensegler und Dickschiffcrews. Hier werden ab April so gut wie jedes Wochenende Regatten mit teils riesigen Feldern gestartet. Hier schulen Segelschmieden den Nachwuchs. Hier sind traditionsreiche Klubs beheimatet, die einige der berühmtesten Segler Italiens hervorgebracht haben. Kurz: Insbesondere während der Hochsaison ist der Trubel auf dem See gewaltig. Ebenso in den Orten, durch die sich dann Touristenmassen schieben. Und auch auf den Wanderwegen und Biketrails, für die die Region berühmt ist, ist der Andrang groß.
Nun aber, ab Anfang/Mitte September, senkt sich eine beinahe ehrfürchtige Stille über den See. Einzig das Läuten eines fernen Kirchturms hallt zu uns heraus aufs Wasser. Daneben sind das Säuseln des Winds in den Segeln und das Plätschern der Wellen am Bug die einzigen Geräusche an diesem Spätnachmittag.
Vom Hafen San Nicolò in Riva sind wir mit einer Sun Odyssey 349 von Gardasee-Charter zu einer Abendausfahrt gestartet. Zunächst hatte der Skipper Kurs auf den Ponale-Wasserfall am Westufer genommen. Dann war er auf Gegenkurs gegangen, damit die Crew die letzten Strahlen, die die Sonne über den See schickte, genießen konnte.
Plötzlich übergibt er einem der Mitsegler das Ruder und verschwindet unter Deck. Man hört Geschirrklappern und Gläserklirren aus der Pantry, dann reicht er mehrere schuhkartongroße Snackboxen nach oben. Darin befinden sich kleine Köstlichkeiten des B&B „Locanda 53“ aus Arco. Dessen auf je acht Personen pro Abend begrenzter Supper Club ist selbst dem Michelin eine Erwähnung wert.
Die Crew auf der Sun Odyssey erhält dank der Snackboxen eine Ahnung, welchen kulinarischen Genüssen man sich beim Fine Dining im „Locanda 53“ hingeben darf. Im Cockpit mit der unbezahlbaren Seekulisse im Blick schwelgt man in Polenta-Chips, mit Tatar gefüllten Mini-Burgern, Bergkäse, mit fermentierten Limonen verfeinertem Brotsalat und dem für die Region typischen Mandelkrümelkuchen Fregolotta. Als der Skipper dazu ein Glas Trentodoc, des Perlweins des Trentino, kredenzt, während die Yacht ihre Bahn über den See zieht, könnte der Genuss größer nicht sein.
Anderntags geht es erneut hinaus auf den See. Regattatraining steht auf dem Programm. Mit zwei Sportbooten vom Typ J/80 und unter Anleitung von zwei Profis werden vor Torbole und Riva Wenden und Halsen gefahren. Und wieder strahlt die Sonne und weht die verlässliche Gardaseebrise: vormittags der kräftigere Pelér aus Nord, nachmittags die Ora aus Süd.
Der Circolo Vela, der Segelclub in Torbole, richtet nicht nur zahlreiche Regatten aus, er bietet auch von Profiskippern begleitete Halbtages- und Tagesausfahrten, diverse Manöver- und Trimmtrainings sowie Teambuilding-Maßnahmen unter Segeln an. Und wer mit dem eigenen Boot auf dem Trailer anreist, kann es hier zu Wasser lassen.
Die Möglichkeiten, einige Spätsommertage ganz oder teilweise auf dem See zu verbringen, sind vielfältig. Auch Yachten für Wochentörns sind beim schon erwähnten Anbieter Gardasee-Charter buchbar.
Oder aber man guckt zur Abwechslung anderen beim Segeln zu. Mit RIBs des Fraglia Vela Riva, des berühmten Segelclubs von Riva del Garda, fahren wir am dritten Tag aufs Wasser. Hunderte bunte Segel verwandeln den See in ein farbenfrohes Spektakel. Die Klasse der RS-Feva-Segler hat zum alljährlichen Herbst-Meeting eingeladen. Unter anderem wird die EM ausgetragen.
Man möchte den Nachwuchsartisten in ihren ranken Jollen stundenlang zuschauen, doch ein Kochkurs im „Lido Palace“ wartet. Jeder kann mit Hand anlegen, um hernach in den Genuss selbst gemachter Tortellini zu kommen. Chefkoch Stefano Rossi leitet an, die Teilnehmer mühen sich, die Nudeln zu füllen und in Form zu bringen. Ein großer Spaß - und überaus lecker noch dazu.
Tagsüber segeln, oder auch mal wandern oder Rad fahren, und abends die Produkte der regionalen Winzer, Ölmühlen, Obst- und Gemüsebauern sowie nicht zuletzt der heimischen Fischer kennen und lieben lernen: Dazu bietet der Mese del Gusto die passende Gelegenheit. Das Genussprogramm beginnt in diesem Jahr am 25. September und reicht bis zum 8. November. Seine Veranstaltungen verteilen sich auf Riva del Garda, Torbole, Arco und das Hinterland des Garda Trentino.
Zum Auftakt steht „Sponde. Süßwasserfisch auf dem Teller“ vom 25. bis 27. September sowie am 3. Oktober auf dem Programm. In Riva, Torbole und Arco dreht sich dann alles um Gerichte mit Fisch aus Seen und Bächen. Angeboten werden Aperitifs, Street Food sowie Mittag- und Abendessen. Im Vorjahr hatten beispielsweise Giada Miori vom Restaurant „La Casina“ in Drena und auch Andrea De Lillo vom Sternerestaurant „Nin“ in Riva vor den Gästen Süßwasserfisch neu interpretiert.
Auch die weiteren Wochenenden stehen jeweils unter einem klaren Thema. Am 27. September lädt die Mostra Mercato della Val di Gresta zu Bio-Gemüse und bäuerlichen Spezialitäten. Am 3. und 4. Oktober folgt in Lasino das Kürbis- und Wintergemüsefest. „Laghet con Gusto“ am 4. Oktober führt an den Tennosee und verbindet regionale Produkte mit einem Genussweg. Mitte Oktober rückt im Valle dei Laghi der Reboro, ein Trentiner Appassimento-Rotwein, in den Mittelpunkt. Am 24. und 25. Oktober feiert Drena die Marone. Den Abschluss bilden am 7. und 8. November „Frantoi Aperti“ mit Olivenöl aus dem Alto Garda sowie die Festa della Noce in Cavrasto.
Parallel bieten Restaurants im Garda Trentino an den Wochenenden im Oktober und November thematische Menüs an. Auf den Tellern stehen unter anderem Carne Salada, Kastanien, Maronen, Gemüse aus der Region und Produkte wie Brokkoli aus Torbole. Der Mese del Gusto ist kein einzelnes Fest, sondern eine Folge von Märkten, Verkostungen, Führungen, Kochterminen und Menüs, die sich perfekt mit einem verlängerten Segelwochenende verbinden lässt.
Und wie im Vorjahr werden viele bekannte Köche wieder dabei sein und teils vor den Augen der Gäste zaubern und bereitwillig ihre Rezepturen und Zubereitungstricks erläutern. Wohl selten haben Gourmetfans die Chance, so vielen dekorierten Chefs bei der Arbeit zuzusehen.
Alpenseen verbindet stimmungsvolle Fotografie mit Revierinformationen zu Seen in Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz. Der Gardasee ist eines der vorgestellten Ziele. Für Leser, die den Herbsttörn am Nordufer mit weiteren Wasser- und Bergrevieren vergleichen möchten, liefert der Band landschaftliche Einordnung und Anregungen für die Planung von Segel-, Surf- oder Paddeltagen.
5 Zutaten richtet sich an Crews, die auch an Bord unkompliziert kochen wollen. Das Buch zeigt Rezepte mit wenigen Zutaten, enthält Hinweise zur Vorratshaltung und setzt auf Zubereitungen mit wenig Geschirr. Damit ergänzt es den kulinarischen Schwerpunkt der Reise um eine praktische Bordperspektive, etwa für den Proviant zwischen zwei Schlägen oder das Abendessen im Hafen.
Welcher Typ “Genussmensch” sind Sie? Genügt ihnen beim Segeln ein einfaches Bordgericht? Oder rundet erst ein guter Restaurantbesuch am Abend den Törn so richtig ab? Verraten Sie es uns in den Kommentaren.

Textchef YACHT
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.