TörnvorschlagGriechenlands sanfte Seite

Andreas Fritsch

 · 02.12.2022

Eine Yacht segelt vor dem Ort Vathy auf der Insel Ithaka
Foto: YACHT/A. Fritsch
Eine Yacht segelt vor dem Ort Vathy auf der Insel Ithaka

Das Ionische Meer ist windmäßig weniger fordernd als die Ägäis. Außerdem sind die Entfernungen zwischen den Inseln deutlich kürzer. Der ideale Törn beginnt in Lefkada

Wer im Sommer segelt und den harten Meltemi der Ägäis meiden will, der ist im Ionischen Meer gut aufgehoben. Zu dieser Zeit dominiert dort eine leichtere, oft nordwestliche Brise, die von der Thermik beeinflusst ist. Angenehme drei bis vier Windstärken sind dann die Regel, dazu kommen teils ausgeprägte Flauten über Nacht – was viele Crews am Anker sehr zu schätzen wissen. Mittlerweile erfreut sich der Start ab Lefkada, im Herzen des Revieres, größerer Beliebtheit als ein Törnbeginn ab dem weiter nördlich gelegenen Korfu.

Das verwundert nicht, hat man doch ab Lefkada die größere Auswahl an Inseln und Zielen. Und es entfällt der oft etwas zähe Schlag von Korfu bis Paxos und danach weiter gen Süden. Wer direkt in Lefkada ablegt, kann gleich mit dem Insel-Hopping beginnen. Meganisi, Kefalonia, Ithaka, Kalamos – jeden Tag wartet voraus ein neues Eiland.

Foto: YACHT

Tag 1: Lefkada–Meganisi (13 sm)

Relaxter Start den Levkas-Kanal hinunter zur Nordseite von Meganisi. Wer dort in einen Hafen will, fährt nach Vathy: ein hübscher Ort um eine Bucht. Oder aber es geht nach Spartochori, spektakulär auf einem Fels gelegen, direkt oberhalb der Stege zweier Tavernen. Die Stege sind gut, die Tavernen Durchschnitt. Wer dort liegt, muss aber dort einkehren. Der Ort oben ist malerisch, der Blick übers Revier ein Traum. Wer ankern will, hat im Norden Meganisis freie Wahl. Die schönste Bucht ist die Ormos Ambelakia. Landleine ausbringen, baden und chillen. Von dort führt ein Weg nach Vathy, falls man abends nicht kochen mag.

Tag 2: Meganisi–Kalamos (13 sm)

Links- oder rechtsherum um Kalamos, das ist hier die Frage. Beides geht. Im Norden bei Episkopi steht oft eine hübsche Winddüse: gut bei wenig Wind. Am Westkap der Insel bilden sich am späten Nachmittag stärkere Fallböen – Vorsicht! Port Leone ist eine wunderschöne Bucht, umgeben von steilen Bergen und einer alten Geisterstadt samt Kapelle auf einem Berg. Es gibt drei Ausbuchtungen, die zum Ankern taugen. Ist es voll, zusätzlich eine Landleine ausbringen. Wer nahe der Turmruine liegt, bekommt nachts teilweise etwas Schwell ab. Das nächste, wenn auch nur mittelmäßige Restaurant findet sich 20 Minuten weiter im Hafen. Dort ordnet Wirt George die eintreffenden Yachten. Wegen Fallböen viel Kette auslegen und den Anker gut einfahren!

Tag 3: Kalamos–Vathy/Ithaka (19 sm)

Ein Schlag vorbei an der Insel Atokos, am besten an der Ostseite entlang, wo gute Badebuchten liegen. Danach weiter zur großen Hafenbucht von Vathy, einem der schönsten Plätze im Revier. Ideal zum Ankern. Der kräftige nordöstliche Fallwind legt sich abends oft komplett, und der Grund hält hervorragend. Alternativ an die Kaimauer im Süden oder Westen. Dort gibt es aber Autoverkehr. Morgens hat man vom Boot den tollen Blick auf die Stadt und den Berg im Westen.

Tag 4: Vathy–Antisamos (14 sm)

Ein schöner Segeltag rund um die Südspitze Ithakas herum hinüber nach Kefalonia. Im Südosten der Insel sind tolle Badebuchten, etwa bei Pera Pigadi. Ziel ist die weitläufige Ankerbucht Antisamos, landschaftlich traumhaft vor steil ansteigenden, dicht begrünten Berghängen gelegen, im Scheitel ein netter Badestrand mit Bar. Die besten Ankerplätze am Südufer dicht unter Land. Bei Winden aus Ost ist die Bucht unsicher. Alternativ zwei Meilen weiter in den Hafen von Sami. Netter Ort mit vielen Tavernen. Von hier kann man gut per Taxi oder Moped die Melissani-Tropfsteinhöhlen besichtigen.

Tag 5: Antisamos–Sivota (22 sm)

Ein längerer Schlag die Ostküste Kefalonias entlang nordwärts und weiter zur Südküste von Lefkada. Es wird fast immer eine Kreuz, im Kanal steht eine Winddüse, nachmittags wird sie kräftiger. Wer das nicht mag, sollte nicht zu spät starten. Sivota ist eine perfekt geschützte, sehr tiefe Bucht umgeben von Bergen. Ein geschäftiger Naturhafen, ideal zum Ankern. Es gibt aber auch Plätze in einer kleinen Marina auf der Ostseite sowie vor den Tavernen. In der Saison pulsiert hier das Leben bis spät in die Nacht, nette Bars und Restaurants.

Tag 6: Sivota–Lefkada (14/16 sm)

Am letzten Tag geht es zwischen Meganisi und Lefkada nordwärts, man kreuzt zwischen den kleinen Inseln. Zum Schluss dann noch die Passage durch den Kanal von Levkas. Tipp: Am Freitag wird es an der Marina-Tankstelle regelmäßig extrem voll, daher besser nicht zu spät kommen!

Revier-Charakter Ionisches Meer

In Griechenland muss man sich mit einigen Eigenheiten des Revieres arrangieren: Die Yacht liegt oft in Gemeinde­häfen, also ohne Muringleinen, stattdessen vor Buganker. Sanitäranlagen oder auch Marineros, die beim Anlegen helfen, gibt es nur in Lefkada. Dafür sind die Liegegelder gering, sie betragen etwa ein Drittel dessen, was man in Kroatien oder Italien berap­pen muss. Es gibt viele gut geschützte Anker­plätze im gesamten Revier. Allerdings: Mittlerweile sind viele Flotten in der Region stationiert, deutlich mehr als in der Ägäis. Und es wird auch schon einmal voll, besonders, wenn eine Flottille einen Hafen oder eine Bucht anläuft.

Wind & Wetter

Klassisches Thermikrevier im Sommer. Der Wind baut sich am späten Vormittag allmäh­lich auf, erreicht etwa 3 bis 4 Beaufort aus nordwestlichen Richtungen. Gegen 18 Uhr lässt der Wind dann häufig rasch nach, nachts ist es meist fast windstill. In der Vor- und Nach­saison dreht der Wind oft auf südöstliche Richtungen, er kann aber auch von langen Flauten unterbrochen werden. Tiefs aus West können dann schlechtes Wetter mit viel Regen und Gewittern bringen.


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