BodenseeKurtaxe-Urteil zeigt Signalwirkung - zum Leidwesen der Segler

Pascal Schürmann

 · 09.02.2026

Bodensee: Kurtaxe-Urteil zeigt Signalwirkung - zum Leidwesen der SeglerFoto: YACHT-Archiv
In einigen Bodensee-Gemeinden müssen ortsfremde Dauerlieger bereits Kurtaxe zahlen, so wie hier in Sipplingen. Andere Gemeinden wollen nun - nach dem jüngsten Urteil zu der umstrittenen Abgabe - ebenfalls Kasse machen.
Nachdem die Gemeinde Kressbronn den langjährigen Rechtsstreit um die Erhebung einer Kurtaxe für Bootsliegeplätze gewonnen hat, wollen nun andere Gemeinden am Bodensee nachziehen. Nach Informationen des SWR haben mehreren Stadtverwaltungen bekundet, auswärtige Dauerlieger künftig ebenfalls zur Kasse zu bitten.

Wie vergangene Woche hier auf yacht.de berichtet, hatte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim die Anträge der Kläger im jüngsten Normenkontrollverfahren gegen die aktuelle Kurtaxe-Satzung der Gemeinde Kressbronn abgewiesen und auch keine Revision zugelassen. Bürgermeister Daniel Enzensperger hatte sich daraufhin erleichtert gezeigt, da die Gesetzeslage nun konkretisiert worden sei. Das schaffe sowohl für die Gemeinde als auch für die betroffenen Liegeplatzinhaber Rechtssicherheit.

Ende eines jahrelangen Rechtsstreits

Vorausgegangen war ein langer Streit. Begonnen hatte er 2019. Damals beschloss der Kressbronner Gemeinderat, die Erhebung der Abgabe für ortsfremde Eigner von Booten einzuführen, die einen Dauerliegeplatz im Gemeindegebiet mieten. Dagegen hatten Hafenbetreiber, Bootsclubs und auch betroffene Eigner mehrfach erfolgreich geklagt, und die Gemeinde hatte die Kurtaxe-Satzung wiederholt abändern müssen.

Das Verfahren war offenbar von Nachbargemeinden aufmerksam verfolgt worden. Wie der SWR berichtet, zeigt das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Signalwirkung. Dem Sender zufolge ziehen Langenargen, Überlingen und Bodman-Ludwigshafen die Einführung einer Kurtaxe für Bootseigner nun ebenfalls in Betracht beziehungsweise sie haben die Pläne dafür bereits in der Schublade. Andernorts ist man schon weiter. In Uhldingen-Mühlhofen, Friedrichshafen und Sipplingen existieren entsprechende Regelungen bereits.

Die Kurtaxe ist grundsätzlich eine Abgabe, die Personen ohne Wohnsitz in der Gemeinde zahlen müssen, denen die Möglichkeit zur Benutzung der kommunalen Einrichtungen und zur Teilnahme an Veranstaltungen offensteht. Während Übernachtungsgäste in der Gemeinde traditionell zur Zahlung verpflichtet sind, sind Tagestouristen wegen des hohen Erfassungsaufwandes von der Kurtaxe häufig ausgenommen. Die Ausweitung auf Bootsliegeplätze führte zu erheblichem Widerstand bei örtlichen Hafenbetreibern und Bootsbesitzern.

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Zoff um Kurtaxe am Bodensee kein Einzelfall

Die Gemeinde Kressbronn ist mit ihrer Kurtaxe für auswärtige Dauerliegeplatzmieter in Höhe von nun knapp 60 Euro im Jahr - ursprünglich waren rund 200 Euro verlangt worden - kein Einzelfall. In Uhldingen-Mühlhofen liegt sie bei 52,50 Euro. Wer zahlt, erhält die „Echt Bodensee Card“ und kann damit touristische Angebote und Einrichtungen nutzen.

Peter Mayer, ein 64-jähriger Architekt aus Biberach, der seit acht Jahren am Bodensee segelt, kritisierte schon vor Jahren gegenüber der YACHT die Kurtaxe als ungerecht. Er sagte: „Die Kurtaxe soll ja touristische Einrichtungen der Gemeinde finanzieren, so wie hier etwa das Strandbad, das man dann günstig nutzen kann. Ich bin da aber nicht. Ich komme als ortsfremder Dauerlieger, der sein eigenes Boot in einem Privathafen hat, und nicht als ein Tourist in die Gemeinde." Mayer sah einen deutlichen Unterschied zwischen Seglern und Hotelgästen und konnte dem Argument, dass man vermutlich die touristischen Einrichtungen Kressbronns nutzt, nicht folgen.

Grundsatzfrage statt Geldbetrag

Für Mayer ging es bei seinem Widerstand gegen die Kurtaxe nicht primär um den Geldbetrag, sondern um eine Grundsatzfrage. „Wenn sich Kressbronn hier durchsetzt, werden andere Gemeinden nachziehen. Da bin ich mir sicher", befürchtete er. Damit soll er nun wohl Recht behalten.


Pascal Schürmann

Pascal Schürmann

Textchef YACHT

Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.

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