Zweihand-Mixed-WM OffshoreBitteres WM-Aus für Rixgens und Baden

Tatjana Pokorny

 · 30.09.2026

Wind und Wellen sorgten zum Auftakt der Zweihand-Mixed-WM für ein "Prügelszenario" an der Kreuz.
Foto: Team Rixgens Baden
Für Lina Rixgens und Andreas Baden ist der Traum vom erfolgreichen Finale bei der Zweihand-Mixed-WM Offshore geplatzt. Weil sich die Stringer ihres Bootes in der Bugsektion in “Prügelbedingungen” an der Kreuz vom Rumpf zu lösen begannen, hat das Duo aufgegeben. “Es ist inzwischen elementar. Es wäre keine gute Seemannschaft, mit diesem Boot weiterzusegeln”, sagte Baden auf dem Rückweg nach Marseille.

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“Wir sind heil, das Boot nicht mehr ganz.” Das waren die ersten Worte von Andreas Baden im Interview von See, nachdem das Team am Mittwoch das Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore hatte aufgeben müssen. Die schwere Entscheidung haben Lina Rixgans und Andreas Baden schon rund sechs Stunden nach dem Start um 11.30 Uhr getroffen. Es waren harte Stunden in druckvollen Winden um 25 bis 30 Knoten Wind. “Auch die angesagten 1,3 Meter Wellenhöhe war sicher da”, schilderte Baden die Bedingungen.

Mit “Anfangsverdacht” ins Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore

Dem deutschen Team wurde auf der gestellten und gecharterten Sun Fast 30OD eine schleichende Delamitation der Stringer in der Bugsektion zum Verhängnis. Was am Vortag nach der Auslosung der Boote beim ersten Check von Segeln und weiterer Ausrüstung noch unsichtbar geblieben war, hatten Rixgens und Reinke zwei Stunden vor dem Start am Vormittag des 30. Septembers dann entdeckt: zwei winzige Haarrisse von etwa zwei Zentimetern bei zwei Stringern.

“Da hatten wir einen Anfangsverdacht”, so Baden. Umgehend informierten sie die Wettfahrtleitung und das Technik-Team, fragten: “Kann man was machen?” Doch es war schon zu spät. Niemand hatte auf die Schnelle Zwei-Komponenten-Expoxy dabei. “Das hatten sie halt nicht. Und was wir mitnehmen dürfen, ist ja begrenzt”, fasste Andreas Baden die missliche Situation kurz vor dem Start für seine Crew zusammen.

Also ging Team Rixgens/Baden unter diesen Vorzeichen ins Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore gegen zehn weitere Teams. Darunter sind auch die Landsleute Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich. Mit Reff 1 und Jib 2 legten Rixgens und Baden los. Wie schon in der Qualifikation, unterlief dem Duo auch bei Finalauftakt ein Frühstart. Dazu kassierten sie noch einen Penalty.

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Im Sinne guter Seemannschaft: WM-Aufgabe mit technischen Problemen

“Echt eng am Start bei so vielen Booten und dem Wind”, vermeldete Baden noch, bevor sein Team die Aufholjagd startete. Und die verlief zunächst erfolgreich, führte schon bald wieder nah heran ans Hauptfeld. Doch dann wurden Baden und Rixgens auf ihrem Boot mit der Bugnummer 18 von dem Stringer-Problem eingeholt.

Der Schaden hat sich an der harten Kreuz mit ordentlich Welle leider schnell ausgeweitet, sodass Lina und ich entschieden haben, dass wir das Rennen im Sinne guter Seemannschaft leider abbrechen müssen.” Andreas Baden

In den wenigen erlebten Rennstunden im Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore mussten beide im Viertelstundentakt beobachten, wie sich “die Haarrisse im zweistellingen Zentimeterbereich an den Stringern runtergarbeitet haben”, beschrieb Andreas Baden die langsame, aber unaufhaltsame Ausweitung des Problems. “Als wir gesehen haben, wie das aussieht, ging auch der Fokus weg. Wir konnten da auf See einfach wenig machen”, sagte der Kieler zur Aufgabe.

Probleme dieser Art sind dem erfahrenen Imoca-Segler nicht fremd. Er hat sie vor dieser Zweihand-Mixed-WM Offshore auch mit Fabrice Amedeo auf dessen Boot und in anderen Situationen schon erlebt. Auf dem Rückweg nach Marseille hat die deutsche Crew dann von einer weiteren gehört, dass an mindestens einem der gestellten WM-Boote vom Typ Sun Fast 30OD in der Nacht vor dem Finale laminiert wurde.

Zweihand-Mixed-WM Offshore: Finaltraum geplatzt

“Es ist schon sehr, sehr ärgerlich”, sagte Baden nach der Aufgabe am Mittwoch gegen 17.30 Uhr. “Wir hatten erst rund 30 Seemeilen gesegelt. Das Finale hatte noch über 200 Seemeilen. Da wäre schon ein guter Mittelfeldplatz dringewesen.” Immerhin konnten Lina Rixgens und Andreas Baden den Start- und Zielhafen Marseille, wo 2024 die olympische Segelregatta ausgetragen wurde, noch aus eigener Kraft – und teilweise mit acht Knoten Speed unter Spi auch nicht langsam – erreichen. “Doch wenn du die Hand vorne hinhältst, dann merkst du richtig, wie das Boot arbeitet”, erzählte Andreas Baden während der letzten zehn Seemeilen bis in den Hafen.

Für konkrete Schuldzuweisungen sieht die Crew nur wenig Raum. “Das kleine Tech-Team hier hat sich wirklich ins Zeug gelegt, war immer sehr bemüht, für die Gleichheit der Boote zu sorgen. Aber die Umstände waren schon unglücklich. Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn wir das Problem hätten fixen können. Der Aufwand, an dieser WM teilzunehmen, der ist ja auch finanziell beträchtlich”, sagte Andreas Baden.

Zum Meldegeld in Höhe von 5000 Euro kommen der Reiseaufwand und weitere Nebenkosten. “Da ist so ein Ende extrem unbefriedigend, schon frustrierend”, so Baden. Mit Galgenhumor hielten Rixgens und Baden in den Abendstunden Kurs auf Marseille. Andreas Baden sagte lächelnd: “Wir werden uns heute Abend wohl ein Kaltgetränk gönnen. Und Seafood können wir jetzt auch wieder essen…” Was unter dem Strich bleibt, ist für ihn klar: “Wir müssen wiederkommen.”

Die Favoriten sind vorne, Schmidt-Rybandt/Witthinrich kämpfen

Für die zehn anderen Finalisten der Zweihand-MixedWM Offshore ging es auf der Buckelpiste weiter. In Führung lag am Mittwochabend gegen 21.30 Uhr mit Thomas André und Julia Colombe eines der beiden co-favorisierten französischen Teams. Ihnen folgten unter der Flagge Uruguays mit gut einer halben Seemeilen Rückstand der frühere Mini-Trasat-Sieger Federico Waksman mit Irina Gracheva.

Die belgischen Globe40-Weltumsegler Jonas Gerckens und Djemila Tassin, die in ihrer Qualifikationsgruppe gewonnen hatten, lagen zuletzt eine gute Seemeile hinter den Spitzenreitern auf Platz vier. Auch nur 1,3 Seemeilen Rückstand nach ganz vorne hatten gegen 21 Uhr Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich auf Platz sechs. Zum Tracking für das Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore geht es hier.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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