Zweihand-Mixed-WM OffshoreZwei deutsche Crews im Finale!

Tatjana Pokorny

 · 27.09.2026

Die beiden deutschen WM-Crews (v.r.n.l.): Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich, Lina Rixgens und Andreas Baden.
Foto: Yohan Brandt
Sie sind in den olympischen Gewässern von Marseille und darüber hinaus gefordert: 17 Crews aus 13 Ländern bestreiten in Marseille die Zweihand-Mixed-WM Offshore. Die beiden GER-Crews – Oliver Schmidt-Rybandt/Clara Witthinrich und Lina Rixgens/Andreas Baden – haben sich in ihren Qualifikationsrennen die Startplätze fürs Finale ab 30. September geholt.

Themen in diesem Artikel

Die dritte Zweihand-Mixed-WM nach der Premiere 2024 in Lorient und der zweiten Auflage in Cowes auf der Isle of Wight wird wieder in Frankreich ausgetragen. Im Ex-Olympiarevier von Marseille haben sich die 17 Herausforderer-Crews aus 13 Ländern beim Cercle Nautique & Touristique du Lacydon (CNTL) im Alten Hafen der Mittelmeermetropole versammelt. Mitveranstalter sind World Sailing und der Yacht Club de France.

Zweihand-Mixed-WM Offshore: Rixgens zum dritten Mal dabei

Die beiden Qualifikationsrennen sind bereits beendet. Die gute Kunde: Beide deutschen Teams haben sich direkt fürs Finale der Top-Elf qualifiziert. Der Startschuss dazu fällt am 30. September um 11 Uhr. Gesegelt wird um die WM-Krone auf Kielbooten vom Typ Sun Fast 30OD, die von Cap Regatta bereitgestellt werden. Der Blick auf die Teilnehmerliste hatte es schon vor den ersten Rennen verraten: Das Niveau ist weiter gestiegen.

“Es ist ein sehr hohes Niveau, wird jedes Jahr besser”, stellte die zweimalige Mini-Transat-Absolventin Lina Rixgens (Verein Seglerhaus am Wannsee) fest, die zum dritten Mal eine Zweihand-Mixed-WM Offshore bestreitet. 2024 war sie mit Sverre Reincke (Turn- und Sportverein Schilksee von 1947) auf Platz sechs gesegelt. 2025 hatte das inzwischen verheiratete Paar als Team Rixgens Reincke Offshore Racing die WM auf Platz sieben abgeschlossen.

In diesem Jahr musste Reincke beruflich passen. Lina Rixgens bestreitet die Welttitelkämpfe mit dem Kieler Offshore- und Imoca-Segler Andereas Baden (Deutscher Regatta Segelclub). Das neu formierte Duo hat sein Qualifikationsrennen mit einer Punktlandung beendet: Platz fünf war in ihrer Gruppe genau das, was sie erreichen mussten, um sich direkt fürs Finale zu qualifizieren.

Meistgelesen

1

2

3

4

5

Punktlandung nach Frühstart für Rixgens/Baden

Der Auftakterfolg gelang in der ersten Halbzeit der Zweihand-Mixed-WM Offshore, obwohl ihnen in ihrer Qualifiaktionsgruppe ein Frühstart unterlief und sie auch noch einen Penalty aus dem Start zu bereinigen hatten. “Wir haben es schön versemmelt, hätten es besser machen können. Da haben uns zwei Boote in Lee hochgdrückt und es war etwas eng. Wir sind am neu am Pin gestartet und waren erstmal Letzte”, erzählte Lina Rixgens.

Im weiteren Verlauf des in überwiegend leichten Winden auf 64 Seemeilen stark verkürzten Rennens, das sehr viel mehr Inshore- als Offshore-Charakter hatte, gelangen aber erst eine gute Aufholjagd und dann die erfolgreiche Verteidigung des wichtigen fünften Ranges gegen die stark attackierenden Iren Richard Bretherton und Inka Luhrs, die wenige Minuten nach den Deutschen ins Ziel kamen. “Wir sind relativ früh auf Deckung gefahren, wollten unbedingt den fünften Platz absichern. Das war das Hauptziel”, erklärte Andreas Baden.

Die Bedingungen dafür waren im Rennen der zweiten Qualifikationsgruppe in der in Halbzeit zwei verlässlicher als zu Beginn. “Da hatten wir dann relativ konstant neun bis elf Knoten, es war besser als vorhergesagt”, berichtete Lina Rixgens, deren Crew in der Nacht von Samstag auf Sonntag ins Ziel gekommen war.

Gegner sind erfahrene Weltumsegler und ein Mini-Transat-Sieger

Gewonnen haben in Gruppe zwei die co-favorisierten Belgier Jonas Gerckens und Djemila Tassin, die gerade erst im Globe40 gemeinsam um die Welt gesegelt sind. Ebenso ins Finale segelten die Franzosen Thomas André/Julia Colombe, die Schweden Anna Drougge/Emil Forsgren und Mini-Transat-2023-Sieger Federico Waksman mit der erfahrenen Co-Skipperin Irena Gracheva.

Erstmals bei einer Zweihand-Mixed-WM am Start sind Oliver Schmidt-Rybandt (Regatta-Verein Greifswald) und Clara Witthenrich (Rostocker Segelverein “Citybootshafen”). Für sie bringen die Welttitelkämpfe gleich mehrere Premieren. Oliver Schmidt-Rybandt sagt: “Wir segeln erstmals auf den gestellten Booten vom Typ Sun Fast 30OD. Wir segeln erstmals in diesem Revier, sind noch nie in Marseille gewesen. Und wir segeln nach dem Baltic 500 (Red.: das sie in der Klasse Dehler 30OD gewonnen haben) erst unsere zweite Regatta zusammen.”

Der WM-Auftakt ist dem Duo hervorragend gelungen. In ihrer Qualifikationsgruppe der Zweihand-Mixed-WM Offshore überraschten sich Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich auch selbst mit Platz zwei – und der souveränen Qualifikation fürs Finale. Nur den französischen Favoriten Christopher Pratt und Mailys Radulic mussten sie den Vortritt lassen.

Zweihand-Mixed-WM Offshore: Pratt/Radulic sind die Favoriten

Pratt lebt als Offshore-Profi in Marseille, hat schon mit vielen Imoca-Größen gesegelt, mit Boris Herrmanns Team Malizia Etappe vier im Ocean Race 2023 bestritten. Der Franzose kennt das Marseille-Revier bestens und hat sich dort auch auf den WM-Booten intensiv für den Gipfel vorbereiten können. “Wer hier gewinnen will, der muss an Chris vorbei”, weiß auch Oliver Schmidt-Rybandt.

Die WM-Teilnahme seiner Crew ist einer Anregung von Robert Jacobsen aus der Abteilung Technik und Seeregatten beim Deutschen Segler-Verband zu verdanken. “So etwas angetragen zu bekommen, ist ja eine große Ehre. Und ich fühle mich auch geehrt, gegen diese Wahnsinnskonkurrenz segeln zu dürfen”, sagte Oliver Schmit-Rybandt in Marseille.

Der erfahrene Offshore-Instinktsegler und die erst vor rund zwei Jahren ins Rostocker Speedsailing-Segelteam eingestiegene Clara Witthinrich bilden eine spannende Crew. “Clara hat die schnellste Auffassungsgabe, die ich je erlebt habe”, zollt der 48 Jahre alte Segler seiner 24-jährigen Co-Skipperin viel Respekt.

Duo Schmidt-Rybandt/Witthenrich: erst die zweite gemeinsame Regatta

Das gemeinsam bestrittene und in der Dehler 30OD-Klasse gewonnene Baltic 500 hatte die gemeinsame Regattapremiere markiert. Schmidt-Rybandt erzählt: “Clara wusste immer alles: Wie voll ist die Batterie ist, wie viel Wasser in den Tanks ist, wer wann geschlafen hat, welcher Segelwechsel ansteht an, egal, was, es war beeindruckend. Klar, ich bin derjenige, der das Boot im Schlaf versteht, aber Clara war die Managerin. Das hat sie sehr gut gemacht.”

Auf dieser vierlversprechenden Basis starteten Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich gemeinsam in die Zweihand-Mixed-WM Offshore in Marseille durch. Wie nach ihnen Lina Rixgens und Andreas Baden in Qualifikationsgruppe zwei, so haben auch die Rostocker im Auftaktrennen keine Minute geschlafen. Ihr Qualifikationsrennen hat ein paar Stunden länger gedauert.

Zwischendurch lagen die Rostocker unter Spi sogar phasenweise vor Christopher Pratt und Mailys Radulic. Schmidt-Rybandt erzählt: “Pratt war unter Spi die ganze Zeit neben uns. Wir haben ihm auf dem Downer sogar ein bisschen was abgenommen. Aber doubleheaded ist er dann richtig auf die Tonne zugeflogen.” Nach zwei Dritteln ihres Rennens war es eine Halse zur rechten Zeit, mit der die Rostocker noch einige Plätze gutmachen konnten.

Mit Glück und Können ins Finale der Zweihand-Mixed-WM Offshore

Ihren WM-Einstiegserfolg beschrieben Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich in den vor allem in Halbzeit eins schwierigen Bedingungen im Rennen, in dem sie später auch 25 Knoten Wind und Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 17 Knoten erleben, als Mix aus Glück und guten Entscheidungen. Was diese beiden Faktoren im Finale der Top-Elf wert ist, wird sich ab Mittwoch (Start: 11 Uhr) im Finale zeigen. Bis dahin wird noch der WM-Hoffnungslauf ausgetragen, bei dem sich nur die Sieger noch fürs Finale qualifizieren können.

Neben Pratt/Radulic und Schmidt-Rybandt/Witthinrich haben sich aus Qualifikationsgruppe eins auch die Australier Annie Stevenson/Peter Winter, der frühere Weltumsegler Simeon Tienpont/Christine Walter (Niederlande), die Schweden Lena Having/Eivind Bøymo-Malm direkt fürs Finale der Zweihand-Mixed-WM qualifiziert.

Die Wünsche von Oliver Schmidt-Rybandt und Clara Witthinrich bleiben auch für das Finale mit elf Teams weiter bescheiden. Er sagt: “Wir haben vorher nichts erwartet. Gut wäre ein einstelliges Ergebnis.” Sie sagt: “Einstellig und vielleicht kurz nach dem Treppchen. Das wäre für uns wie ein Sieg.” Im Finale treffen dann auch erstmals beide deutschen Crews aufeinander. Lina Rixgens sagte zu den Hoffnungen ihres Teams: “Wir würden gerne in die Top-Sechs segeln und hoffen, dass wir nicht wieder acht Stunden lang Verfolger direkt im Nacken haben.”

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

Meistgelesen in der Rubrik Regatta