Der vierte Regattatag brachte den großen Umschaltmoment der Travemünder Woche 2026. Fünf Meisterschaften wurden entschieden, gleichzeitig liefen sieben neue Weltmeisterschaften an. Das Gesamtfeld mit über 900 gemeldeten Booten und mehr als 1.500 Seglerinnen und Seglern ist das dichteste TW-Programm seit Jahren.
Acht Rennen, vier Tage, alle Wetterbedingungen von Kenterböen bis Leichtwind: Die WM der RS-Tera-Klasse forderte dem Nachwuchs einiges ab. In der Kategorie Sport gewann Freddie Harrison vom Cumard Sailing Club auf der Isle of Wight Gold mit nur einem Punkt Vorsprung auf Harry Wilson. Aggie Priestley vom Ullswater Yacht Club sicherte sich Bronze in der Gesamtwertung und das Mädchen-Gold. Das Jungs-Podium blieb vollständig britisch. „Es fühlt sich toll an, das Segeln hat Spaß gemacht", sagte Harrison nach der Siegerehrung.
In der Kategorie Pro setzte sich Charlie Hunt aus Southampton ebenfalls mit nur einem Punkt Vorsprung durch. Dahinter kamen Hari Clark und Oleksandr Chykalov aus der Ukraine punktgleich ins Ziel. Chykalov unterbrach damit die britische Siegesserie und holte Bronze. Bei den Mädchen dieser Kategorie gewann Arina Duzha aus der Ukraine mit großem Abstand vor der Britin Molly Wilson und Polina Baranova aus Estland.
Neun Boote, sechs Rennen, ein klares Bild: Rob Higgins aus Cornwall dominierte die RS-700-Europameisterschaft von Beginn an. Fünf Siege und einen zweiten Platz als Streicher standen am Ende zu Buche. Der Tscheche Adam Plhon holte Silber mit nur einem Punkt Vorsprung auf den Briten Matt Carter.
In der RS-800-Europameisterschaft blieb das Podium nach acht Rennen in Haupt- und Steuerfrauen-Wertung fest in britischer Hand. Die Hauptwertung gewann das Mixed-Team Louis Johnson und Lucy Hewitson, gefolgt von Monique Vennis-Ozanne/Hugh Shone und Blake/Brett Tudor. In der Masterwertung unterbrach das französische Duo Alexandre Emanuel und Victor Robart das britische Podium mit Bronze. Gold ging an Ian und Laura Jubb, Silber an Tracey und Freddie Covell.
Die inklusive Klasse RS Venture Connect trug ihre Europameisterschaft unter schwierigen Vorzeichen aus. Weil Startschiffe auf den Außenbahnen am Montag nicht sicher verankert werden konnten, wichen die Crews am vorletzten Wettkampftag in die Pötenitzer Wiek aus und segelten dort bis in den späten Abend. „Die Entscheidung, uns gestern in der Pötenitzer Wiek segeln zu lassen, war sehr gut und hat die EM gerettet", sagte Carsten Sibbert nach dem Abschluss.
Den Overall-Sieg holten Genevieve Wickham und Grant Alderson aus Australien, die als amtierende Inclusive-Weltmeister an den Start gegangen waren. Die als Titelverteidiger angetretenen Spanier Pau Toni Homar und Ramón Gutierrez mussten sich mit Gesamtsilber begnügen. Bronze ging mit minimalem Vorsprung an Pedro Câncio Reis und Teodoro Cândido aus Portugal, knapp vor Carsten Sibbert und Johannes Nee aus Deutschland. Sibbert und Nee holten in der Inclusive-Wertung Silber. „Jedes Mal, wenn wir hier an einer Meisterschaft teilnehmen, gewinnen wir", sagte Grant Alderson mit einem Augenzwinkern.
In der Para-Wertung drehten die Spanier den Spieß um: Homar und Gutierrez gewannen Gold. Silber ging an das portugiesische Team Reis/Cândido, Bronze an die Deutschen Dirk Thalheim und Stephanie Brix.
Am Rande der Meisterschaft sorgte das deutsche Duo Jens Kroker und Malden Scheffler für einen besonderen Moment. Kroker, Deutschlands erfolgreichster paralympischer Segler, bestritt mit dem 14-jährigen Scheffler seine erste gemeinsame Regatta. Kroker fehlt seit Geburt die linke Hand, Scheffler ist ohne linken Unterarm aufgewachsen. In der Para-Klasse belegte das Duo den sechsten Platz. „Sehr beeindruckend. Er ist unsere Zukunft, sehr reif für sein Alter", sagte der 57-jährige Kroker über seinen Vorschoter.
Im Finn-Dinghy war der Ausgang über alle vier Regattatage kaum in Frage gestellt. André Budzien aus Schwerin, mehrfacher Weltmeister der OK-Jollen, ließ Fabian Lemmel aus Berlin konstant im Kielwasser. Am Dienstag kamen drei weitere Rennen hinzu, der Wind ließ zum Ende nach, doch Budzien sicherte sich auch in der Abschlusswettfahrt Platz eins. Die Segelwahl hatte sich ausgezahlt: „Ich habe ein tieferes Profil gewählt. Das lief gut. Als der Wind zum Ende hin schwächer wurde, war es allerdings am Limit", sagte Budzien. Als nächsten Saisonhöhepunkt hat er die Deutsche Meisterschaft im September in Berlin im Visier, wo er Lemmel auf dessen Heimatrevier herausfordern will.
Gleichzeitig öffneten sich neue Felder. Der Folkeboot Gold Cup, die wichtigste Trophäe der Klasse und inoffizielle Weltmeisterschaft, wird in Travemünde 2026 zum zehnten Mal ausgetragen. Den ein Kilogramm schweren Pokal stiftete der Lübecker Senator Alfred Hagelstein im Jahr 1963. Nach rund 15 Jahren in anderen europäischen Gastgeberhäfen ist er nun zurück an seinem Ursprungsort. 42 Trios bestritten die ersten beiden Rennen. Vorläufig führt Andreas Blank aus Berlin mit zwei zweiten Plätzen vor dem Schweden Anders Cederblad und dem Kieler Ulf Kipcke.
In der Vaurien-Weltmeisterschaft zeichnet sich das gewohnte Bild ab: Südeuropa dominiert. Das italienische Duo Olmo Cerri und Giola Bertolani, im Vorjahr WM-Dritte, führt nach vier Wettfahrten mit einer Serie von drei Siegen und einem dritten Platz. Dicht dahinter liegen die spanischen Vize-Weltmeister von 2025, Pablo Cabello Vieitez und Isabel Cabello Canas.
Vier britische Meistertitel in zwei Tagen: Dominiert Großbritannien auch in den verbleibenden RS-Klassen, oder schlagen andere Nationen zurück?
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