Sie wollten um Gold kämpfen und bekamen Bronze. Dass Harm Müller-Spreer und sein Team auf “Platoon Aviation” damit trotzdem glücklich waren, lag am verpatzten Vorschlusstag. Zuvor im Kampf um den Titel bei der TP52-WM stark positioniert, waren sie am “schwarzen Freitag” mit den Rängen 10 und 8 im Feld der 15 TPs aus elf Nationen wieder zurückgefallen. Als dann am Finaltag nur noch ein Rennen ausgetragen werden konnte, wurde es eng für das Team auf der einzigen deutschen Yacht im Feld.
Dann aber überzeugten Eigner und Steuermann Harm Müller-Spreer, Taktiker Vasco Vascotto, Stratege Jordi Calafat und die Crew im Schlussspurt am Samstag sich selbst und die Beobachter mit einem zweiten Rang wie schon im ersten Drittel der Serie. Wie so oft, bewies das für den Norddeutschen Regatta Verein startende Team im entscheidenden Lauf Kampfgeist und gute Nerven. Harm Müller-Spreer sagte danach: “Der dritte Platz ist alles, was wir nach einem wirklich schlechten Tag gestern und nur einem einzigen Rennen heute erreichen konnten. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden.”
Wer den Hamburger kennt, weiß, dass er solche Sätze zu dritten Plätzen nicht jeden Tag sagt. Die Bilder von der Siegerehrung zeigten, dass er es auch so meinte. Nach den Schockergebnissen vom Vortag, wirkte der zweite Rang im neunten und letzten Rennen der TP52-WM wie Balsam. Wie die Top-Konkurrenten, so müssen auch der erfahrene dreimalige TP52-Weltmeister Harm Müller-Spreer und seine Crew inzwischen enorm kämpfen, um sich in der Klasse, die auch als “Kleine Schwester des America’s Cup” bekannt ist, an der Spitze zu behaupten.
Generell lässt sich feststellen, dass das Leistungsniveau aller Teams gestiegen ist. Es gibt mehr gute Teams als je zuvor.” Harm Müller-Spreer
Für Takashi Okuras “Sled” waren am Finaltag der TP52-WM gleich mehrfach aller guten Dinge drei: Das sportlich vom erfahrenen America’s-Cup-Segler Francesco Bruni geführte Team schnappte sich WM-Gold mit einem dritten Rang im letzten Rennen. Der Titel markierte den dritten aufeinanderfolgenden Event-Sieg des Teams in Porto Cervo auf Sardinien, wo Bruni lebt. Auch war es der dritte Sieg in Folge bei einer Regatta der 52 Super Series.
Mit etwas mehr Risiko als sonst, war der “Sled”-Crew im entscheidenden letzten Lauf ein guter Start gelungen, den sie auf dem ersten Amwind-Abschnitt nutzte, um die Rivalen in Schach zu halten. Während das schwedische Team Trinity Racing, das in dieser Saison neu in der 52 Super Series dabei ist, das Rennen gewann und damit WM-Silber holte, blieb „Sled“ dran und sicherte sich den Titel bei insgesamt 47 Punkten mit zwei Zählern Vorsprung vor den Schweden 49 Punkte). “Platoon Aviation” segelte mit 53 Punkten aufs Podium.
“Sled” gewann bei dieser TP52-WM zum zweiten Mal nach 2021 den wichtigsten Titel der 52 Super Series, die vom 20. bis 25. Juli im Rahmen der Marina Rubicon Lanzarote Sailing Week fortgesetzt wird. Der Coup gelang dem “Sled”-Team in einer von leichten Winden und wenig Welle dominierten Woche an der Costa Smeralda, wo Porto Cervo und der Yacht Club Costa Smeralda zu besonderen Orten für den Eigner vom New York Yacht Club und sein Team geworden sind. “Sled”-Taktiker Ed Baird sagte: “Keiner von uns kann glauben, dass das wirklich passiert ist.”
Wenn mir vor Beginn dieser Regatta jemand gesagt hätte, dass wir überhaupt eine Chance hätten, so gut abzuschneiden, hätte ich gesagt: ‚Du bist verrückt.‘” Ed Baird
Wo es Sieger gibt, sind auch Verlierer. Besonders hart traf es “Alpha Plus”-Crew. Das Team aus Hongkong hatte vor dem letzten Rennen mit einem Punkt Vorsprung geführt. Diese Führung war dahin, als sie es nicht schafften, schneller als Sled und Trinity Racing auf die bevorzugte rechte Seite zu gelangen. “Alpha Plus” wurde auch von “Paprec” überholt, verlor zum entscheidenden Zeitpunkt früh auf dem ersten Vorwindkurs an Geschwindigkeit und konnten den Rückstand nicht mehr aufholen.
Mit dem vierten Platz verpassten das Team den Sprung aufs Podium bei 55 Punkten um zwei Zähler, die “Platoon Aviation” dem Hongkong-Team voraus hatte. Dessen Teammanager Luke Van Der Kamp sagte: “Das ist wirklich bitter. Es ist so hart in dieser Flotte. Jeder gibt alles. Hätte man uns am Ende des ersten Tages gesagt, dass wir Vierte werden, hätten wir das gerne genommen. Aber im Moment tut es weh.”
In der Saisonmeisterschaft der 52 Super Series hat “Sled” (89 Punkte) ihre Führung auf 15 Punkte ausbauen können. Dran bleibt Harm Müller-Spreers “Platoon Aviation” (104 Punkte) als Zweite. Es folgt die italienische “Alkedo Vitamina” (114 Punkte). Hier geht es zur Tabelle der 52 Super Series und den Ergebnissen der TP52-WM vor Porto Cervo.

Freie Reporterin Sport
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