Für die Crew auf “Red Bandit” war es wie ein Déjà-vu: Erst im vergangenen Jahr hatten sie beim engagierten Admiral’s-Cup-Einsatz ihr trauriges Mastbruch-Aus erleben müssen. Beim Range Rover Sardinia Cup war es jetzt ein Ruderbruch, der die gerade erst wieder so gut in Fahrt gekommene TP52 brutal stoppte.
Auch die deutsche Teampartnerin “Neomind” von Sascha Schröder wurde nicht verschont. Ihre Crew musste die druckvolle Langstrecke mit Backstagbruch aufgeben. Beide im italienischen Revier unter dem Teamdach des Bayerischen Yacht-Club startenden Boote können die Serie an der Costa Smeralda nicht fortsetzen.
Und sie waren nicht die einzigen, die auf der Langstrecke des Sardinia Cup mehr als Federn ließen. Angesichts der gepfefferten, wenn auch im weiteren Verlauf der Langstrecke abnehmenden Mistral-Bedingungen waren mit der IRC 52 “Spirit of Lorina” und der Botin 44 “Albatros 3” zwei der großen Yachten in Klasse SC1 erst gar nicht zum Start aufgekreuzt. Zuvor hatte es am Mittwoch einige Aufregung darum gegeben, ob das Rennen in 30 Knoten – und in Böen auch mehr – mit den Küstenracern überhaupt gestartet werden sollte.
Neben den ernsthaften Aspekten der Kritik, hatte diese Debatte zwischen dem britischen Wettfahrtleiter Stuart Childerly und seinem Team auf der einen und vor allem italienischen Teams auf der anderen Seite fast auch eine heitere Note. “Die englische Wettfahrtleitung ist sehr, sehr gut. Die wissen, was sie tun, sind aber natürlich auch schmerzbefreit”, erzählte “Red Bandits”-Co-Projektmanager Moriz Forster von den Diskussionen um den Langstreckenstart. “Das war eine englische Wettfahrtleitung gegen die italienische Mentalität…”
Mit seiner Ankündigung, die Langstrecke vom Nachmittag, als noch um die 40 Knoten wehten, um fünf Stunden in den Abend und voraussichtliche 30 Knoten zu verschieben, bat der Wettfahrtleiter die Crews auch gleich noch per Email in formvollendeter britischer Höflichkeit, ihn dazu nicht mehr persönlich anzusprechen. Weitere Ankündigungen gäbe es auf dem offiziellen Weg. Und so starteten 18 der 20 Sardinia-Cup-Yachten gegen 20 Uhr ins Powerplay im Traumrevier.
“Es ging in einen wunderschönen Sonnenuntergang und war absolut machbar. Natürlich sind insbesondere in der großen Klasse nicht alle Boote für solche Bedingungen gemacht. Andererseits sind es alle Teams und Boote, die auch ein Fastnet segeln wollen. ”, sagte Moriz Forster. Sechs von zehn Booten der großen Klasse SC1 und neun Boote der Klasse SC2 kamen durch.
Bei den Großen wiederholte sich auch über 130 Seemeilen das Ergebnis vom Coastal-Auftaktrennen: James Nevilles britische TP52 “Ino Veritas” war nach knapp 33 Stunden als Erste im Ziel. Es folgten – gesegelt und auch nach IRC-berechneter Zeit – Lombardi Stronatis Wallyrocket “Django WR” vor Roberto Lacortes Wallyrocket “RocketNikka”. In SC2 siegte Roman Pers schwedische GP42 “Garm” vor Niklas Zennströms IRC 41 “Ran” und Giovanni Lombardi Stronatis Botin Fast 40+ “Django JP”.
Keine Frage, dass dadurch das Team vom Royal Ocean Racing Club mit “Ino Veritas” und “Garm” seine Führung in der Teamwertung im Kampf um den Range Rover Sardinia Cup bei nur 9 Punkten ausbaute. Auf den Plätzen zwei und drei folgen nach einem Coastal und der Langstrecke das Team vom gastgebenden Yacht Club Costa Smeralda (15 Punkte) mit “Django WR” und “Django JP” vor dem vorgerückten Yacht Club Republicca Marin mit “RocketNikka” und der auf der Langstrecke in SC2 vierplatzierten Karkeek 40 MK2 GP “Nola”.
Nicht mehr dabei ist nach den technischen K.o.-Schlägen auf der Langstrecke das Team vom Bayerischen Yacht-Club. Besonders hart hat es die junge “Red Bandit”-Crew getroffen, die gerade erst ein halbes Jahr um ihren neuen Mast gekämpft, gewartet und ihn im April ins Boot gestellt hatten. Bei der WM in Sorrento im Mai hatten die “Roten Banditen” daraus noch nicht gleich einen Erfolg machen können.
“Da sind wir ohne Training reingegangen. Es herrschten schwierige Bedingungen: immer Welle, mal viel, mal ganz wenig Wind. Wir haben schnell gemerkt, dass wir für den Prozess der Einstellung vom neuen Mast Hilfe brauchen”, berichtete Moris Forster. Mit der Unterstützung des spanischen Profis und Weltumseglers Gonzalo Araujo gelang es.
“Wir hatten mit ihm über drei Tage eine gute Tabelle für den Masttrimm entwickelt. Dann kam das Thema Segel. Wir haben aus dem Groß erstmal zwei Quadratmeter rausgenommen. Auch die ganzen Jibs mussten geändert werden”, erzählt Moriz Forster vom Optimierungsprozess der “Red Bandit” mit ihrem neuen Mast. Gerade hatte die Crew in dieser Woche in der ersten Wettfahrt beim Range Rover Sardinia Cup das Ergebnis aller Bemühungen der letzten Wochen erstmals erprobt und das Gefühl, “wieder in unserem Groove” zu sein.
“Red Bandit” agierte auf Augenhöhe mit den Top-Booten beim Sardinia Cup, führte das erste Rennen sogar zwischenzeitlich an. Auch wenn am Ende des Coastals am Dienstag (2. Juni) ein sechster Rang in Klasse SC1 stand, weil der Wind auf den letzten Meilen noch umgeschlagen war, so war sich die Crew auf dem Bayern-Express doch einig: “Wir sind wieder da. Das erste Coastal hat es bewiesen.”
Dann aber kamen die Langstrecke, der Ruderbuch und das Aus. Ein erneut harter Rückschlag für das Forster-Team, das sich für den neuen Mast schon so hatte ins Zeug legen müssen. Nun sind sie wieder an Land gefordert, erwägen, ob sie bei McConaghy Boats China ein neues Ruder bauen lassen oder ein halbwegs passendes gebrauchtes erwerben und optimieren. Der Denk- und Entscheidungsprozess läuft bereits auf Hochtouren, denn die nächste Regatta, die sie segeln wollen, startet mit der Copa de Rey bereits Anfang August.
“Kreativ sein sein können wir”, weiß Moriz Forster aus leidvoller Erfahrung. Wie er, würde die “Red Bandit”-Crew liebend gerne “wieder mehr auf dem Boot sein und segeln, als daneben sitzen und organisieren”. Vom vermutlich ohne Kollision auf einem Downwindgang abgebrochenen Ruder sind noch 63 Zentimeter übrig geblieben. Die müssen für die Überführung nach Palma de Mallorca ebenso “optimiert” wie ein neues oder gutes gebrauchtes Ruder gefunden werden. Das Team hat nach seinem Mastunglück beim Admiral’s Cup schon einmal bewiesen, dass sie gute Nehmer- und Comeback-Qualitäten haben. Die sind jetzt erneut gefordert.

Freie Reporterin Sport