Die Segelwelt hat am Samstagabend beim SailGP etwas dazugelernt: Wenn in New York City die Windgeschwindigkeit oder Windböen 30 mph (48,28 kmh, 26.02 Knoten) erreichen, müssen Kranarbeiten sofort eingestellt werden. Und sie dürfen erst gar nicht beginnen, wenn der Nationale Wetterdienst Windgeschwindigkeiten vorhersagt, die den Schwellenwert von 30 mph erreichen oder überschreiten könnten, bevor das mögliche Kranen abgeschlossen werden kann.
In diesem Spannungsfeld kämpfte die Liga am ersten von nur zwei Renntagen nicht mit Seglern oder Booten, sondern beim Kranen darum, ihre zwölf F50-Foiler vor Manhattan ins fordernde Revier zu bringen. Doch das gelang trotz aller SailGP-Bemühungen zunächst nur für die drei Top-Boote der bisherigen Saison: Australiens Bonds Flying Roos, Emirates GBR, Spaniens Los Gallos. Damit war klar: Offizielle Rennen würde es am ersten Tag beim Mubadala Sail Grand Prix in New York nicht geben.
Um Tausende Fans und das Fernsehpublikum nicht zu enttäuschen und trotzdem eine Show zu bieten, setzten die SailGP-Macher in druckvollen Winden und gepfefferten Böen drei Showrennen an. Dafür wurde das Trio auf dem Wasser kurz vor dem ersten Start aber erneut dezimiert, weil Tom Slingsbys Australier beinahe kenterten und dabei ihr Foil beschädigten. Die zwei verbliebenen Teams legten dann los.
Im ersten Duell machten die Briten mit dem 24-Meter-Flügel in den knackigen Winden zwischen 16 und 20 Knoten kurzen Prozess mit den Spaniern, brachten einen Start-Ziel-Sieg über den Kurs. Ob die Rennen in den Böen und Drehern bruchfrei ausgegangen wären, wenn alle zwölf Foiler auf dem Kurs gewesen wären, darf angesichts der hochfordernden Bedingungen zumindest mit einem gedanklichen Fragezeichen versehen werden. Im zweiten Samstag-Rennen drehten Diego Botin, Flo Trittel und ihre Los Gallos den Spieß um, setzten sich gegen Team Emirates GBR durch.
Zum dritten Rennen kamen auch noch Taylor Canfield und Team USA ins Spiel, deren Foiler endlich in den Hudson River gesetzt werden konnte. Den Amerikanern blieb aber nur der dritte und letzte Platz im Triple-Rennen, während die Spanier zum zweiten Mal in Folge gegen die britischen Olympiasieger Dylan Fletcher, Hannah Mills und ihre Crew durchsetzten. Für die SailGP-Meisterschaft brachte die sportliche Leistung, der alle anderen Teams nur zusehen konnten: nichts.
Den Vorteil von bereits gesegelten Rennen auf dem Hudson River nehmen nur die an diesem ungewöhnlichen Tag gesegelten Teams mit in den Super-Sonntag. Und die Spanier ihr hübsches 2:1 gegen die amtierenden Titelverteidiger. “Dieses Extratraining hätten sich auch alle andere gewünscht“, sagte im ZDF-Livestream Co-Kommentator Felix van den Hövel. Der ehemalige Grinder im Germany SailGP Team wusste genau, wie viel Fahrer Erik Kosegarten-Heil und seine Mannschaft für diese Chance gegeben hätten.
Die meistdiskutierte Frage an diesem ungewöhnlichen SailGP-Tag in New York: Hätte man die Boote nicht schon am Tag zuvor ins Wasser bringen können, weil die frischen Winde und die damit in New York verknüpften Kranprobleme absehbar waren?
Erik Kosegarten-Heil sagte: „Es ist schwierig zu sagen, ob man nicht am Tag vorher schon hätte die Boote reinkranen können. Hier sind aber relativ viele Strömungen. Die machen es schwierig, die Boote über Nacht im Wasser zu lassen. In den USA sind sie grundsätzlich etwas vorsichtig, was die Kran-Operationen angeht. Und deswegen ist es nachher abgesagt worden. Es ist, wie es ist.“
Es ist natürlich alles super, super bitter für uns. Erstmal die verpasste Segel- und Trainingszeit auf dem Boot, um besser zu werden. Und dann tut es natürlich auch allen Fans und den Leuten unfassbar weh, die hier vor Ort für uns da sind.” Linov Scheel
Die verbliebene Chance für sein Team am Sonntag bewertete Erik Kosegarten-Heil im Big Apple am Samstagnachmittag optimistisch: „Grundsätzlich ist es für uns gut, wenn es schwierig ist. Also, wenn instabile Winde herrschen, der Race-Kurs mit Strömung versehen ist. Das kommt uns schon entgegen. Aber morgen sind es drei Rennen. Wir haben gesehen, was passieren kann in der Flotte…“
Ich glaube, alle werden extrem eng beeinanderliegen. Ich glaube, das letzte Rennen entscheidet wahrscheinlich, ob du Top-Drei bist oder hinter den ersten acht bist.“ Erik Kosegarten-Heil
Die schwierige Kunde dazu: Am Sonntag werden auf dem SailGP-Kurs von New York eher schwache Winde für die einzigen drei Fleetraces erwartet, die beim sechsten Event der sechsten SailGP-Saison über den Finaleinzug entscheiden. „Ich bin gespannt und hoffe, dass wir morgen eine gute Qualität an Rennen reinkriegen“, sagte Erik Kosegarten-Heil in New York.
Eine gute Nachricht gab es in New York aber auch: Neuseelands Black Foils werden zum nächsten Event im Halifax am 20. und 21. Juni (erstes Wochenende der Kieler-Woche) endlich wieder im Einsatz sein. Der F50 der Kiwis war bei zwei Unfällen in Fremantle und Auckland schwer beschädigt worden. Die Schäden aus dem ersten Zwischenfall waren in einem Kraftakt repariert worden, damit das Team in Auckland antreten konnte. Doch dort endete der schwere Crash mit Frankreichs Team DS Automobiles mit einem Totalschaden für die Neuseeländer.
Der französische Foiler konnte unter Verwendung einer Mischung aus eigenen Teilen und dem Backbordrumpf der Black Foils repariert werden. Das Team um Fahrer Quentin Delapierre verpasste “nur” das SailGP-Event in Sydney, traten jedoch Mitte April in Rio an. Die Kiwis dagegen kommen erst jetzt im Juni zurück, bekommen ihr neues Boot pünktlich zum Kanada-Gipfel. “Wir können unser Comeback kaum erwarten. Es waren fordernde Monate”, sagte Blair Tuke.
Die ZDF-Live-Übertragung vom SailGP in New York beginnt am Sonntag, wie es ursprünglich auch am Samstag geplant war, bevor mehr als eine Stunde auf die Übertragung der Showrennen gewartet werden musste: um 21.30 Uhr deutscher Zeit. Hier geht es dann zum SailGP-Live-Streaming im Zweiten, wo der Link zur Übertragung von Renntag zwei vor den Starts zu finden ist. Kommentieren wird erneut Nils Kaben mit Co-Kommentator Felix van den Hövel.

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