Round Britain & Ireland RaceJubiläums-Marathon vor Cowes gestartet

Tatjana Pokorny

 · 09.08.2026

Die britische VO70 "Pace" wurde 2011 gebaut und ist das größte Boot der Flotte im Round Britain & Ireland Race.
Foto: James Tomlinson/RORC
Mit dem auch vom Admiral’s Cup bekannten Kanonenfeuer hat an diesem Sonntag das Round Britain & Ireland Race begonnen. 32 Yachten und 182 Segler und Seglerinnen von fünf Kontinenten sind dabei. Ohne Frühstarter ging es auf einen der anspruchsvollsten Kurse Europas. Auch vier deutsche Crews haben die Herausforderung angenommen.

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50 Jahre schon gibt es diesen britischen Klassiker. Er hat bei seiner Jubiläumsedition nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Das wie Olympische Spiele nur alle vier Jahre veranstaltete Round Britain & Ireland Race schickt seine Flotte Uhrzeigersinn um Großbritannien und Irland, lässt aber die Kanalinseln aus.

Round Britain & Ireland Race: oft küstennah, trotzdem eine schwere Offshore-Prüfung

Mit dem Round Britain & Ireland Race geht es vorbei an Land’s End und den Scillys über die Keltische See und hinaus in den rauen Nordatlantik zur abgelegenen Inselgruppe St. Kilda. Anschließend wartet der nördlichste Wegpunkt bei Muckle Flugga auf den Shetland-Inseln. Und schließlich geht es zurück durch die flache, verkehrsreiche Nordsee in den Ärmelkanal. 1805 Seemeilen liegen bei diesem Rundkurs voraus.

Veranstalter ist – wie auch beim wiederbelebten Admiral’s Cup – der Royal Ocean Racing Club. Dessen Commodore Deborah “Deb” Fischer sagte vor dem Start: “Das Round Britain & Ireland Race ist zweifellos die anspruchsvollste Regatta im RORC-Kalender. Es sind 1800 Seemeilen voller Landzungen, felsiger Küsten, Gezeitenströmungen, Verkehrstrennungsgebiete, Sandbänke, Windparks und allem anderen, was diese außergewöhnliche Küstenlinie zu bieten hat.”

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Deb Fish muss es wissen. Sie hatte vor 26 Jahren zur Jahrtausendwende selbst die “Incisor of Wight” zum Gesamtsieg in Round Britain & Ireland Race geführt. 2022 trat sie mit Co-Skipper Rob Craigie noch einmal zweihand an. Das Duo belegte auf “Bellino” nach berechneter Zeit den zweiten Platz in der Gesamtwertung.

Was das Rennen rund Großbritannien und Irland ausmacht

Die Botschaft der seit 2024 amtierenden RORC-Commodore heute: “Was das Round Britain & Ireland Race für den RORC so wichtig macht, ist, dass es verkörpert, worum es beim Hochseesegeln wirklich geht: Es ist logistisch hart. Es ist körperlich hart. Und es ist mental hart. Aber wenn man schwierige Momente gemeinsam überwindet, egal, ob zu zweit oder zu zwanzig, schweißt das die Crew zusammen. Diese Regatta schafft das mehr als jede andere.”

​Dem Sonntagsstart im Solent folgte zunächst der Kurs um die Südspitze der Isle of Wight. Schon für den ersten Abend wurden anspruchsvollere Bedingungen erwartet. Es waren westliche Winde von etwa 10 bis 15 Knoten vorhergesagt, die eine Gegenwindpassage aus dem Ärmelkanal heraus mit sich bringen, bevor der Wind auf Nordwest dreht. Die Crews könnten schon zum Auftakt im Round Britain & Ireland Race von einer kurzen und ruppigen Welle gefordert werden, da Wind und Strömung gegeneinander wirken.

Vier deutsche Teams sind im Rennen

Vier deutsche Teams haben die Herausforderung angenommen: Jens Kellinghusens Crew auf “Varuna VI” segelt eines der schnellsten Booten der Flotte. Die Ker 56 lag nach den ersten Stunden am späteren Sonntagabend hinter der noch deutlich größeren VO70 “Pace” auf Platz zwei. Da nahm die “Pace” gerade Kurs auf das ehemalige Olympia-Revier von Weymouth.

Auch Tim Behrendt und Andreas Buchheim sind mit ihrer JPK 11.80 “Frida” gut ins Round Britain & Ireland Race eingestiegen, waren nach den ersten Stunden Elfte nach gesegelter Zeit. Ihr Potenzial zeigte der zu dem Zeitpunkt berechnete erste Platz in IRC 1. Die “Frida”-Crew hat sich über viele Jahre mit vielseitigen Teilnahmen an Offshore-Rennen auf dieses Gipfel-Event vorbereitet. Auf einen der Unterschiede zwischen dem Round Britain & Ireland Race zu anderen Langstrecken machte das Duo aufmerksam: Der Kurs bietet kaum Pausen.

Im Ausblick der “Frida”-Crew hieß es: “Wir haben uns Stück für Stück an immer komplexere Formate herangetastet. Auf Strecken wie Rund Skagen, bei Helgoland–Edinburgh, mehreren Ausgaben der Baltic 500 vor der Haustür, dem AZAB oder der Transquadra quer über den Atlantik haben wir gelernt, wie man ein Boot rund um die Uhr zu zweit am Limit bewegt – ohne das Material oder die eigenen Kraftreserven über Gebühr zu strapazieren.”

Das Round Britain & Ireland Race hat das Zeug, die Grenzen unserer Seemannschaft und unseres Stehvermögens zu testen. Wir trauen der ‘Frida’ und uns die Aufgabe zu.” Tim Behrendt

Ebenso unter deutscher Flagge sind die Sun Fast 3600 “Löwe von Bremen” von der Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen” und Dirk Lahmanns Peterson 43 c/B “Snifix Dry” im Einsatz. Das 1978 von Doug Peterson als IOR-Zweitonner entworfene Boot haben Dirk Lahmann und Susanne Schade 2011 vom ersten Eigner übernommen und bereits zweimal das Rolex Fastnet Race und 2022 auch schon einmal das Round Britain & Ireland Race bestritten.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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