Etwa ein Drittel der Strecke hatte die britische Volvo 70 “Pace” am Donnerstagabend im Round Britain & Ireland Race noch zu segeln. Rund 600 Seemeilen waren für Johnny Vincent und seine Crew bis in den Start- und Zielhafen Cowes verblieben. Etwa 740 Seemeilen hatte zum gleichen Zeitpunkt Jens Kellinghusens “Varuna VI” vom Norddeutschen Regatta Verein noch vor sich. 805 Seemeilen waren es für ihre französische Verfolgerin, die Mach 50 “Paland 4”.
Dieselben drei Boote bildeten am Donnerstagabend vier Tage nach dem Start zum Jubiläums-Marathon auch nach berechneter Zeit die Top-Drei in der IRC-Gesamtwertung, nur in etwa anderer Reihenfolge: Da lag auch “Pace” vorne, es folgten erst “Paland 4”, dann “Varuna VI”, die sich gegen 21 Uhr der Passage der Shetlandinseln näherte. Zwischen den beiden Verfolgerinnen lag berechnet nur eine Minute.
Platz 14 in der IRC-Gesamtwertung belegte zu dem Zeitpunkt die JPK 11.80 “Frida”, was Platz zwei in IRC One wert war. Ihre Doublehand-Crew mit Tim Behrendt und Andreas Buchheim, in diesem Jahr unter anderem Line-Honors-Gewinner im Baltic 500, bestreitet ein starkes Rennen auch im Vergleich mit den von vollen Crews gesegelten Raketen im Round Britain & Ireland Race.
Vier Tage nach dem Start schickte das “Frida”-Duo einen ersten Bericht mit dem Titel “Cowes bis Black Rock” von See. Darin beschreiben die beiden JPK-Segler ihren Weg nach Cowes, den Auftakt zu ihrem ersten Round Britain & Ireland Race und die ersten Tage im Round Britain & Ireland Race, das zu den anspruchsvollsten Langstrecken Europas zählt:
”Wir starten am 31. Juli in Schilksee zur Überführung nach Cowes, um beim diesjährigen Round Britain and Ireland Race (RBIR) teilzunehmen. Der Transfer ist bei sommerlichem Segelwetter nach einem Tag durch den Nord-Ostsee-Kanal und 3 Tagen auf See erledigt. Wir verbringen die Tage vor dem Start ‘gegenüber’ von Cowes in Hamble-le-Rice, einem kleinem Örtchen am Hamble River, welcher nahezu auf jedem seiner Flusskilometer als Yachthafen oder Mooring genutzt wird.
In Cowes selbst findet vor dem Start zum RBIR die Cowes Week statt, an einen Liegeplatz – geschweige denn einen ruhigen – ist da nicht zu denken. Und so machen wir eben beim Hamble Yacht Service in Hamble-le-Rice fest, direkt vor dem Bug der ‘Varuna 6’. Am Samstag vor dem Start verlegen wir die ‘Frida’ nach Cowes. Am späten Nachmittag ist das Skipper’s Meeting und das Wetter-Briefing im Klubhaus des RORC. Anschließend gibt es noch ein BBQ. Wir treffen alte Bekannte wieder: Kuba von ‘Polished Manx’ und Frans von der ‘Moana’. Beide sind vor drei Jahren beim Azores and Back Race mit dabei gewesen.
Der Startschuss zum RBIR fällt am Sonntag um 13.30 Uhr britischer Zeit. Es gibt einen Start für alle Teilnehmer. Die Linie – eine Peilung vor dem Klubhaus des RORC – ist lang genug und der Ostwind und der nahezu fehlende Gezeitenstrom machen es leicht, einen sauberen Start hinzulegen. Wir kommen gut los und kreuzen Richtung Osten aus dem Solent, alles noch bei leichtem Wind. Zwischendurch gibt es ein paar flaue Patches, wir segeln ganz auf die Nordseite bis nach Portsmouth und können dann auch mit wenigen Schlägen die Ostspitze der Isle of Wight anliegen.
Der Wind dreht mit unserem Kurs, so dass auch der Weg entlang der Isle of White Richtung Süden und dann weiter nach Westen eine Kreuz ist. Hinzu kommt ein kräftiger Gezeitengegenstrom, der uns dazu zwingt, in engen Schlägen unter der Küste zu kreuzen. Zum Glück ist hier das Feld noch beieinander, man erkennt gut die britischen Locals, die sich hier auskennen und jede Landnase nutzen.
Der zweite Segeltag ist weiterhin ein Amwindkurs bei leichter Brise Richtung Westen. Wir segeln im Pack mit ‘Bellino’, ‘Ronin’ und ‘Moana’. Abends passieren wir die Eddystone Rocks und der Wind dreht auf Nord, so dass wir kurz den C0 und kurze Zeit später den A2 setzen können, um weiter Richtung Lizard Point und Land’s End zu segeln. Hier passiert uns unser erster großer, taktischer Fehler: Wir bleiben im Windschatten der Küste liegen, und der Gegenstrom drückt uns Richtung Norden zum Verkehrstrennungsgebiet (TSS Off Land’s End), das ist für uns tabu.
Wir probieren, uns noch nach Westen durchzuarbeiten, aber kräftige, nach Norden setzende Gezeitenstrom zwingt uns schließlich zum Halsen. Im Schneckentempo bewegen wir uns Richtung Süden. Erst der einsetzende Ostwind befreit uns endlich aus dem Flautenloch, da sind nahezu 3 Stunden vergangen. Zwischenzeitlich hat ein Großteil des Feldes das Flautenloch weiter südlich umfahren. Als wir am Dienstagvormittag unseren ersten Felsen – Bishop Rock – passieren, machen wir das in guter Gesellschaft.
An Tag 3 segeln wir die ganze Zeit mit A2 über die irische See Richtung Fastnet Rock – immer in Sichtweite anderer Yachten. Es ist eine wunderbare Segelei, auch wenn Leichtwind nicht gerade zu unseren Stärken zählt. Eine Bucket Challenge im Cockpit gibt es auch, die Nächte sind sternenklar und mild und es gibt reichlich Sternschnuppen. Am Vormittag des vierten Tages passieren wir den Fastnet Rock außer Sichtweite und bald darauf auch den Bulls Rock. Great Skellig ragt dramatisch aus dem Seenebel und Wolkenfetzen, ebenso Tearaght Island weiter nördlich.
In den Abendstunden gibt es eine partielle Sonnenfinsternis mit wunderbarem Licht. Die Wolkendecke macht es uns einfach das Spektakel zu verfolgen. Die Nacht verbringen wir mit Kurs ‘dead downwind’ Richtung Norden zum Black Rock, über 100 Seemeilen entfernt. Wir halsen in einem engen Korridor entlang der Küste, und versuchen die wechselnden Gezeiten an den Kaps für uns zu nutzen. Das gelingt uns auch ganz ordentlich, heißt aber für eine Zweihand-Crew: viel Arbeit und wenig Schlaf.
Die ‘Moana’ und die ‘Stickleback’ sind oft in Sichtweite und bieten uns eine gute Möglichkeit, unseren Kurs unserer Performance zu überprüfen. Donnerstagvormittag ist auch der Black Rock querab. Jetzt haben wir 230 Seemeilen freies Wasser vor uns. Nächste Bahnmarke: St. Kilda westlich der Hebriden.”

Freie Reporterin Sport
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