Wettfahrten

Das Finale der 4. Baltic 500: Der Ostsee-Härtetest: Nur ein Drittel der Flotte kommt durch

Tatjana Pokorny

 · 29.05.2022

Das Finale der 4. Baltic 500: Der Ostsee-Härtetest: Nur ein Drittel der Flotte kommt durchFoto: Baltic 500

Dieser Ostsee-Marathon war forsch, fordernd und furios. "Frida" holte die Line Honors, "Hinden" liegt in ORC Club vorn, und "Powerplay" kam als Dritte ins Ziel

Die Hälfte der ursprünglich fast 50 gemeldeten Boote für die 4. Auflage des Ostsee-Marathons Baltic 500 hatte aufgrund der stürmischen Prognosen schon vor Rennstart die Segel gestrichen. 26 wagemutige Crews gingen trotzdem ins Rennen. Nach zwei Vorsichts-Aufgaben direkt nach dem Start blieben noch 24 Teilnehmer. Von denen scheint nun gerade einmal die Hälfte ins Ziel zu kommen.

Die ersten Sturm-Bändiger sind nach dem Vatertags-Start bereits am Samstagabend heimgekehrt: Die Line Honors für das erste Schiff im Ziel sicherten sich Tim Behrendt und Andreas Buchheim auf der schnellen und robusten JPK 11.80 "Frida" nach 2 Tagen, 7 Stunden, 54 Minuten und 23 Sekunden. Etwas mehr als zwei Stunden später raste die kleinere JPK-10.30-Schwester "Hinden" mit Jonas Hallberg und Till Barth und einer Segelzeit von 2 Tagen, 10 Stunden, 3 Minuten und 27 Sekunden am Samstagabend ins Ziel. Das Top-Trio dieser denkwürdigen Baltic-500-Edition machten gut eine Stunde später Oliver Schmidt-Rybandt und Niclas Aretz auf der noch kleineren Dehler 30 od "Powerplay" komplett. Ihre Segelzeit: 2 Tage, 11 Stunden, 13 Minuten und 31 Sekunden.

  Mit der JPK 10.30 "Hinden" als Zweite im Ziel: Jonas Hallberg und Till BarthFoto: Baltic 500
Mit der JPK 10.30 "Hinden" als Zweite im Ziel: Jonas Hallberg und Till Barth
  Bestgelaunt im Ziel: Oliver Schmidt-Rybandt und Niclas Aretz auf der schnellsten Dehler 30 od "Powerplay"Foto: Baltic 500
Bestgelaunt im Ziel: Oliver Schmidt-Rybandt und Niclas Aretz auf der schnellsten Dehler 30 od "Powerplay"

"Eine Baltic 800 wäre auch völlig okay"

Die schnellsten Teams haben den wilden Ritt durchs Kattegat und die dänische Inselwelt trotz aller Herausforderungen genossen. Oliver Schmidt-Rybandt zog begeistert Bilanz: "Bei uns ist alles heil. Der A5 war kaputt, konnte aber mit Bordmitteln wieder einsatzklar gemacht werden. In Summe ist es regelrecht gespenstisch gut gelaufen. Stimmung, Essen, Wetter, Boot – alles top." Mit breitem Grinsen fügte der Skipper, der bei der finalen Zielannäherung als Einziger die Durchfahrt durch den Fehmarnsund gewählt hatte, noch hinzu: "Eine Baltic 800 wäre auch völlig okay …"

  Rasant schnell auf Kurs Ziel: die Dehler 30 od "Powerplay"Foto: Baltic 500
Rasant schnell auf Kurs Ziel: die Dehler 30 od "Powerplay"

Andere Crews hatten mit Blick auf ihre Segelgarderobe weit weniger Glück. Auf die Segelmacher im Norden kommt massenhaft Arbeit zu. Etwa von der "Lightworks"-Crew Michael Höfgen und Max Gurgel. Das Team auf der JPK 10.30 wurde von den starken Winden arg gerupft. Die Schadensbilanz: A6 zerfetzt, Riss im A5, Risse in G3 und G2 und ein kaputter Kicker prüften das ehrgeizige Duo erbarmungslos. Weil sie die Teilnahme an der Doublehand-Weltmeisterschaft in Schweden planen, brachten Höfgen und Gurgel ihr Rennen nicht mehr zu Ende, um nicht noch weiteren Bruch zu riskieren. Das Crew-Statement dazu, inklusive Anfeuerung für die JPK-10.30-Konkurrenz auf der "Hinden: "Da wir gerne zur Doublehand-WM gehen wollen, haben wir uns entschlossen, nicht noch mehr Bruch zu riskieren. Es war bis dato ein geiles Rennen. Topspeed 21,4 Knoten. Viel Erfolg noch, Jonas – gib Gummi."

  Michael Höfgen und Max Gurgel gaben das Rennen mit zerfetzter Segelgarderobe und Blick auf die anstehende Doublehand-WM in Schweden auf, haben es aber bis zur Entscheidung sehr genossenFoto: Kassian Jürgens/Baltic 500
Michael Höfgen und Max Gurgel gaben das Rennen mit zerfetzter Segelgarderobe und Blick auf die anstehende Doublehand-WM in Schweden auf, haben es aber bis zur Entscheidung sehr genossen

Eine verkehrte Welt erlebten nach stürmischen Tagen die Boote im hinteren Teil der auf zwölf Durchhalter-Boote geschrumpften Flotte: Jenen, die am Sonntagnachmittag noch immer um ihr Happy End rangen, drohte plötzlich die totale Flaute. "Die Großbaustelle liegt vermutlich irgendwo in der Eckernförder Bucht bis ins Ziel", sagte Organisationsleiter Cord Hall, "da ist dann eine Weile gar kein Wind mehr, bevor er voraussichtlich am frühen Abend wieder einsetzt." Das Zeitlimit dürfte dennoch kein Problem darstellen, denn es läuft erst am 30. Mai um 16 Uhr aus.

  Mehr als zwei, drei Stunden Schlaf war für die beiden Baltic-500-Gründer und Organisatoren vom Yacht Club Strande kaum drin: Cord Hall (l.) und Rasmus Töpsch, hier im Einsatz beim Aufbau der ZiellinieFoto: Baktic 500
Mehr als zwei, drei Stunden Schlaf war für die beiden Baltic-500-Gründer und Organisatoren vom Yacht Club Strande kaum drin: Cord Hall (l.) und Rasmus Töpsch, hier im Einsatz beim Aufbau der Ziellinie

Zu den stolzen Ankommern zählen auch in diesem fordernden Jahr Sonja und Hanne Jansch (Club der Kreuzer- Abteilung/Mühlenberger Segel-Club). Das Mutter-Tochter-Gespann hat bislang jede Baltic-500-Auflage mit seiner Sea Quest 36 "Si No Fos" bestritten. Unter der Segelnummer 7941 kreuzten die erfahrene 68-jährige Skipperin Sonja und ihre Co-Skipperin Hanne (37) die Ziellinie am frühen Sonntagmorgen um kurz nach fünf Uhr souverän.

Hier gibt es noch schöne Impressionen von der Line-Honors-Gewinnerin "Frida". Der Clip mit dem Titel "Kattegat Love" zeigt das rassige Segelvergnügen bei dieser Baltic-500-Edition (bitte anklicken!). Die Ergebnisse für die 4. Baltic 500 wollen die Veranstalter bis Sonntagabend (29. Mai) auf der Homepage veröffentlichen. Hier geht es dann zu den aktuellen Resultaten (bitte anklicken!).

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