Die dänisch XR-41 “Dixi 5” und das schwedische Garmin Team Pro4u um Patrik Forsgren haben die ersten Ausrufezeichen bei der ORC-EM im litauischen Revier von Klaipėda gesetzt. “Dixi 5” gewann die 240-Seemeilen-Langstrecke zur Eröffnung der Serie in der zusammengefassten ORC-Gruppe AB. Die Schweden setzten sich mit ihrer modifizierten First 36.7 nach berechneter Zeit in ORC C durch.
Das Team um den dänischen “Dixi 5”-Eigner und Skipper Erik Stannow startet für den Helsingør Sejlklub (hier geht es zu den Crew-Infos für alle EM-Starter). Neben Stannows Landsmann und Taktiker Jesper Radich bilden viele bekannte deutsche Seesegler die regelmäßig erfolgreiche Crew. Es sind Offshore-Ass Gordon Nickel, RVS-Boss und North-Sails-Experte Bertil Balser, Navigator Robin Zinkmann, der olympische Sydney-Silbermedaillengewinner Gunnar Bahr, Lennard Peilcke, Charlotte Graffunder, Florian Heinze und Nicolaus Schmidt.
Zusammen bildet die elfköpfige Crew ein so erfolgsorientiertes wie ehrgeiziges EM-Team. Gerade erst haben sie im Juni die Internationale Deutsche Inshore-Meisterschaft der Seesegler im Rahmen der Kieler Woche gewonnen. Jetzt kämpfen sie um die EM-Krone. Zum Auftakt der ORC-EM powerten sie in Starkwinden mit hohen Durchschnittsgeschwindigkeiten. Einige Boote erreichten in den Vorwindphasen 20 Knoten Bootsspeed und mehr. Im Wechsel dazu hatte eine kurze und steile Welle die langen Kreuzabschnitte zur harten Prüfung für alle Herausforderer gemacht. Nicht alle kamen durch. Drei der insgesamt 35 Crews in den Division AB und C mussten aufgeben.
Nach zweimal Silber bei der ORC-EM- 2024 auf Åland und – mit brandneuer XR-41 – bei der Garmin ORC-WM in Tallin 2025 ist die “Dixi 5”-Crew mit maximalem Appetit nach Klaipėda gereist. Der Langstreckenauftakt ist in ORC AB mit einer gesegelten Zeit von 26 Stunden, 13 Minuten und 33 Sekunden auf Anhieb gelungen. Nach berechneter Zeit hatte “Dixi 5” damit fast eine Stunde Vorsprung vor der Italia 11.98 “Rhino” und der ihr kaum nachstehenden E 44 “Clean Energy” mit Mati Sepp. Zu den Rennergebnissen geht es hier.
Obwohl die “Dixi 5”-Crew schon oft Podiumsplätze bei großen Meisterschaften erreicht hat, ist die XR-41 für ihre Mannschaft nach wie vor eine relativ neue Plattform, die sie weiter optimieren. Jesper Radich beschrieb das Rennen als schnell, aber erbarmungslos. Er sagte: “Die Kreuz war brutal, mit 20 bis 30 Knoten und kurzen, steilen Wellen. Vor dem Wind erreichten wir 23 Knoten, während wir auf den Wellen surften. Dieser Bootstyp hat eine sehr hohe Höchstgeschwindigkeit, wenn er also erst einmal in Fahrt kommt, läuft es richtig gut.”
Gleichzeitig war in den harschen Bedingungen auch gutes Risikomanagement gefordert. Jesper Radich sagte: “Wir mussten während des gesamten Rennens einen Mittelweg finden zwischen Vollgasgeben und der Sicherstellung, dass wir das Ziel erreichen. Wir hatten unterwegs einige Probleme, konnten diese aber lösen, ohne allzu viel Zeit zu verlieren.”
Es ist unglaublich hart, nachts bei riesigen Wellen gegen den Wind zu segeln. Man muss Vollgas geben, aber es auch ins Ziel schaffen.“ Jesper Radich
Ebenso wichtig war die sorgfältige Positionierung im Hinblick auf die vorhergesagten Windänderungen beim Eröffnungsrennen der ORC-EM. Jesper Radich erklärte: „Wir haben eine Art Schachpartie gegen die Konkurrenz gespielt und genau berechnet, wo wir uns im Verhältnis zur Flotte positionieren wollten. Dieser Teil hat wirklich gut funktioniert.“
Bestes deutsches Boot war bei der ORC-EM nach der Langstrecke in ORC AB Lars Hiddes Mat 1220 “Pure”, die in diesem Jahr schon die Deutsche Offshore-Meisterschaft der Seesegler im Rahmen der Nordseewoche gewonnen hat. Die Crew um den Eigner vom Blankeneser Segel-Club platzierte sich gleich hinter den Top-Drei auf dem vierten Platz. Auf Platz sieben lag zunächst John Victorins XR-41 “Aja” (ASVW).
In Klasse C dieser ORC-EM setzten sich auf der Langstrecke direkt die amtierenden Weltmeister durch. Das schwedische Garmin Team Pro4u startete mit einem Sieg in die europäische Titelserie. Das Team hatte damit gerechnet, bis zu 36 Stunden auf See zu verbringen. Die starken Winde hatten dann aber die Flotte so sehr angetrieben, dass die “Garmin Team Pro4u” bereits nach etwa 26 Stunden nach Klaipėda zurückkehrte. Sie verwies nach berechneter Zeit die Neo 350 “Dia” (Litauen) und Eike Claas Carminckes Mat 1010 “Matchbox” auf die Plätze zwei und drei.
Der deutsche Regattachef Eckart Reinke erklärte, dass sich das Wetter und die Winddrehung wie vorhergesagt entwickelt hätten, was die Kurswahl des Regattakomitees bestätigt habe. Reinke sagte: “Die Upwind-Etappen waren aufgrund der kurzen, steilen Wellen holprig, aber auf dem Downwind hatten die Crews jede Menge Spaß und erreichten unter Spinnaker mehr als 20 Knoten. Dazu erklärte Reinke, dass Offshore-Strecken eher nach der erwarteten Rennzeit als allein nach der Distanz ausgelegt werden.
Die stärkere Windvorhersage hatte es der Wettfahrtleitung ermöglicht, eine 240-Seemeilen-Strecke für die Klasse AB sowie eine 195-Seemeilen-Strecke für die Klasse C zu wählen. Die Folge daraus war eine im Sinne der Segler verschobene Startzeit für die nächsten Rannen an diesem Mittwoch, damit sie sich etwas besser vom Langstreckenauftakt erholen konnten. Das Rennprogramm wurde am Nachmittag des 12. August ab 14 Uhr fortgesetzt. Die ORC-EM endet am 15. August.

Freie Reporterin Sport
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