​Kieler Woche 2026Wiege-Krimi entscheidet Seesegel-IDM

Lars Bolle

 · 24.06.2026

Konstant stark mit einem sechsten Platz als Streicher holte sich die „Dixi 5“ von Erik Stannow an seinem Geburtstag bei der Kieler Woche den IDM-Titel.
Foto: Sascha Klahn/Kieler Woche
Bei der Kieler Woche 2026 sind die ersten Inshore-Titel im Seesegeln vergeben. Die dänische „Dixi 5“ gewinnt ORC A/B, nachdem „Al Capone 2.0“ wegen überschrittenen Crewgewichts Strafpunkte erhält. In ORC C/D triumphiert Sönke Meier Sawatzkis Cape 31 „Niramo“.

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Bei der Kieler Woche 2026 wurde die Internationale Deutsche Inshore-Meisterschaft im Seesegeln nicht nur auf der Bahn entschieden. In ORC A/B gewann die dänische XR 41 „Dixi 5“ von Erik Stannow aus Helsingør den Titel. Die zuvor stark segelnde „Al Capone 2.0“ erhielt nach einer Kontrollwiegung Strafpunkte, weil die Crew ihr Gewichtslimit überschritten hatte.

Damit bekam der Finaltag der IDM Inshore einen besonderen Dreh. Die Serie umfasste neun Rennen an vier Tagen und begann mit der traditionellen Aalregatta. Gesegelt wurde überwiegend bei leichter Brise. Am Ende lagen zwischen Gold und Silber in ORC A/B nur 2,9 Punkte.

Der zweite Titel ging an die neue Cape 31 „Niramo“ von Sönke Meier Sawatzki. Sie gewann ORC C/D mit internationaler Topcrew und holte ebenso wie „Dixi 5“ maximale Punkte in der deutsch-skandinavischen Viking Challenge. Die neue ORC-Serie macht die Kieler Woche in diesem Jahr zusätzlich zum Treffpunkt starker Teams aus Nordeuropa.

„Dixi 5“ nutzt ihre Chance am Finaltag

Die „Dixi 5“ beendete die IDM Inshore in ORC A/B mit 18 Punkten. Skipper Erik Stannow gewann den Titel an seinem 61. Geburtstag. An Bord der zehnköpfigen Crew segelte unter anderem der dänische Profi-Taktiker Jesper Radich.

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Entscheidend war neben der eigenen Konstanz auch der Rückschlag für „Al Capone 2.0“. Die Fast 40+ mit Steuermann Tue Steen Andersen hatte sportlich lange sehr stark ausgesehen, doch wurde der Crew am Ende das eigene Gewicht zum Verhängnis. Nach einer Kontrollwiegung erhielt sie Strafpunkte und fiel hinter „Dixi 5“ zurück.

Rang drei in ORC A/B ging an die Hamburger MAT 1220 „Pure“ von Lars Hidde. Jens Kuphal aus Berlin, im Vorjahr Vizemeister, belegte mit „eXiteR“ Platz vier.

Früher Start bringt drei Rennen trotz Hochdrucklage

Damit das komplette Programm noch gesegelt werden konnte, setzte Wettfahrtleiter Eckart Reinke den ersten Start am Schlusstag bereits auf 8.30 Uhr. Ziel war es, den besten Wind des Tages zu nutzen. Der Plan ging auf: Trotz anspruchsvoller Hochdruckwetterlage kamen drei Rennen zustande.

„Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, wir sind ja schon um kurz vor sieben ausgelaufen“, sagte Gordon Nickel, Projektleiter und Großsegeltrimmer der „Dixi 5“.

Für die dänische Crew ist der Erfolg in Kiel auch ein Fingerzeig für die nächsten Aufgaben. Nickel sagte, der Sieg mache optimistisch für die Europameisterschaft in Klaipeda.

In ORC A/B waren zwölf Yachten am Start.

„Niramo“ gewinnt ORC C/D mit internationaler Topcrew

In ORC C/D setzte sich Sönke Meier Sawatzkis neue Cape 31 „Niramo“ durch. Der 59-Jährige aus Bredenbek hatte den Racer erst im November gekauft und nutzte die Kieler Woche nach eigenen Angaben zum Tuning: Speed finden, Handling abstimmen und sich gegen starke Konkurrenz messen.

Mit dem Titelgewinn wurden diese Ziele übertroffen. An Bord der „Niramo“ segelten unter anderem Hochseesegellegende Bouwe Bekking und Matchrace-Ass Torvar Mirsky. Sawatzki war laut Veranstalterangaben der einzige Deutsche in der Mannschaft.

Sportlich ist der Erfolg doppelt interessant. Die „Niramo“ zeigte, dass sie sowohl unter ORC-Handicap als auch gegen baugleiche Cape-31-Boote bestehen kann. Platz zwei in ORC C/D ging an die schwedische „Garmin Team Pro4u“ von Patrick Forsgren. Dritte wurde Johannes Wackerhagens „Lil’Desna“ aus Kiel.

​In ORC C/D waren 13 Yachten am Start.

Am Mittwoch folgen Double-handed-IDM und Senatspreis

Mit den Inshore-Titeln ist das Seesegeln bei der Kieler Woche noch nicht beendet. Am Mittwoch, 24. Juni, geht es mit der Internationalen Deutschen Meisterschaft für Zweiercrews und dem Senatspreis weiter.

Damit rückt ein anderer Teil des Seesegelns in den Mittelpunkt. Nach den voll besetzten ORC-Crews übernehmen die Double-handed-Teams, bei denen Manöver, Taktik, Navigation und Bootsspeed auf nur zwei Personen verteilt sind.

Parallel fallen in den olympischen Klassen die Entscheidungen in den Medaillenrennen. Zehn deutsche Boote gehen in die Finals der sechs olympischen Disziplinen. Besonders gut stehen die Chancen im 470er Mixed, wo vor dem Finaltag drei deutsche Crews die Podiumsplätze belegen. Im ILCA 7 wollen Ole Schweckendiek und Philipp Buhl aus Lauerstellung angreifen. Die Kieler Woche hatte die olympischen Klassen 2026 erstmals mit zwei finalen Medaillenrennen angesetzt, um die Entscheidungen länger offen zu halten.

​Was bedeutet Crewgewicht im ORC-Seesegeln?

Im ORC-Seesegeln ist das angegebene Crewgewicht Teil des sportlichen Rahmens. Mehr Gewicht an Bord kann die Leistungsfähigkeit einer Yacht beeinflussen, etwa beim Segeln auf der Kreuz, wenn die Crew als “Gegengewicht” auf der Kante sitzt. Deshalb können Kontrollwiegungen eine Rolle spielen.

Erste Medaillengewinner bei den Jollen

​Wie stark die Nachwuchsarbeit im Segeln in den USA fruchtet, belegt die Phalanx der US-Teams in der 420er-Siegerliste. Hinter Lahrkamp/Morris, die sich am Schlusstag noch „Gold“ schnappten, gingen die weiteren Medaillen an Anna Ulmer und Marin Redmond sowie Finnegan Grainger mit Charlotte Crowley. Unter den Top neun lagen vier weitere US-Duos. Als beste Deutsche kamen Jasper Porthun und Malea Hochbaum aus Schwerin auf den sechsten Platz.


Eine Meisterschaft, die am Ende auch an der Waage hängt: Ist das strenge ORC-Regelwerk der faire Kern des Seesegelns oder zu viel Bürokratie für den Sport? Schreiben Sie Ihre Meinung in die Kommentare.

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Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

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