Mini Atlantique“Wunderschöner Albtraum” – Tom Wehde im Ziel

Tatjana Pokorny

 · 14.08.2026

Tom Wehde zischt ins Ziel seines ersten Mini Atlantique.
Foto: Alexis Courcoux/Mini Atlantique 2026
Es war eine Premiere der intensiven Art: Tom Wehde hat sein erstes Mini Atlantique ins Ziel gebracht. Der Mini-Solist aus dem Team Next Generation Sailing hat Hin- und Rücketappe mit Aufs und Abs gemeistert. Auf beiden Abschnitten hat er mit Endspurtstärke glänzen können.

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8 Tage, 4 Stunden, 48 Minuten und 13 Sekunden hat Tom Wehde für die Rücketappe im Mini Atlantique gebraucht. Auf seinem Mini “Osterrath” kam Wehde als Achtzehnter der Serienbootwertung gut acht Stunden nach dem Etappensieger Merven Flao auf “Casper – Marin Breton” ins Ziel. Einen Platz rückte er danach durch eine Zeitkorrektur noch vor auf Platz 17.

Mit der abgeschlossenen zweiten Etappe hat Tom Wehde weitere 1300 und insgesamt 2600 Seemeilen mit dem Mini “Osterrath” gemeistert. Der Bertrand Vector 650 von 2024 hat ihm die meiste Zeit über gute Dienste geleistet. Mit dem im Schlussspurt so bravourös erkämpften neunten Platz auf dem Hinkurs von Les Sables-d’Olonne nach Horta auf den Azoren und Platz 17 auf dem Rückweg hat Tom Wehde das selbstgesteckte Ziel mehr als erreicht.

Auf dem Atlantik den Erfahrungshorizont explosionsartig erweitert

Er wollte bei seinem ersten großen Rennen auf dem Atlantik zweimal in die Top-20 fahren. Einer seiner ersten Kommentare im Ziel des Mini Atlantique: “Es war ein lehrreiches Rennen, ein ‘wunderschöner Albtraum’. Aber vor allem war es unglaublich viel Erfahrung.” Dabei hatte die zweite Etappe für den 26-jährigen Bootsbauer vom Team Next Generation Sailing nicht nach Plan begonnen, denn rund acht Stunden nach dem Start hatte er seinen größten Spinnaker verloren.

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Das Segel, das bereits auf der ersten Etappe Probleme gemacht hatte, von ihm aber vor Etappe zwei noch einmal gründlich kontrolliert worden war, riss und geriet ins Ruder. Damit war eine wichtige Option für die schnellen Downwind-Passagen verlorengegangen.

Acht Stunden nach dem Start zu realisieren, dass man ohne den Spimax nicht mehr richtig am Wettbewerb teilnehmen kann, war mental schwierig. Aber Aufgeben kam nie in Frage.” Tom Wehde

Die Wehde-Alternative bestand darin, seine Strategie an die verbliebenen Segel und deren Möglichkeiten anzupassen. Im Tracking war entsprechend zu beobachten, wie der junge Miniist zunehmend nach Norden auswich. So versuchte er, die fehlende Geschwindigkeit auf den Downwindkursen taktisch auszugleichen. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen.

Mini Atlantique: versöhnlicher Endspurt nach mental hartem Auftakt

Mit “Osterrath” kämpfte sich Wehde von den anfänglichen 30er-Plätzen sogar bis auf Platz 16 vor, büsste anschließend wieder einige Plätze ein, fand sich mitte der 20er wieder und schaffte es schließlich mit starkem Endspurt noch auf den 17. Platz. Diese letzte glückliche Erfahrung bleibt. Tom Wehde sagte: “Die letzten zwei Nächte waren noch einmal richtig cool. Da konnte man wieder etwas machen. Dass ich am Ende noch ein paar Plätze gutmachen konnte, war mental noch einmal schön.”

Diese Etappe war ganz anders als die erste, aber sie hat mir enorm viel gebracht.” Tom Wehde

Zu Tom Wehdes Erfahrungsschatz gehört jetzt auch die mitten auf dem Atlantik erlebte Sonnenfinsternis. Auf die offiziell bestätigten Endergebnisse nach Addition beider Etappen wartet Tom Wehde, der im Winter 2024 einen Talentwettbewerb und damit die laufende Mini-Kampagne gewonnen hatte, nach seiner Rückkehr am späten Nachmittag des 13. August mit den anderen Angekommenen noch bis zum Wochenende.

Dann wollen die Mini-Atlantique-Veranstalter die finalen Resultate veröffentlichen. Auch am Freitagnachmittag waren immer noch 24 der insgesamt 49 aktiviven Serienboot-Solisten unterwegs. Auch drei Protosolisten strebten noch dem Ziel des Mini Atlantique entgegen. Unter ihnen war auch Carla Hénon-Steck mit “Bahia Express”. Die erst 18 Jahre alte Deutsch-Französin hatte am Nachmittag des 14. August noch rund 140 Seemeilen bis ins Ziel vor sich.

Die ansteckende Freude von Koki Sawada

Klar ist längst, dass der zweimalige Etappensieger Julien Létissier das Rennen mit dem 2023er-Raison-Entwurf “Branchet” bei den Protos souverän vor dem zweimaligen Zweiten Koki Sawada auf dessen einem Jahr älteren Raison-Mini “DMG Mori Sailing Academy 2” gewonnen hat. Die zweite Etappe bei den Serienbooten gewann Meven Flao vor Nicolas Le Coz (”Voiles sans Frontières”) und Ronan Jezegou auf “Irish Express”, der die erste Etappe gewonnen hatte.

Emotional! Mit dem jungen Japaner Koki Sawada freuten sich alle mit. Er feierte seinen zweiten Platz auf “DMG Mori Sailing Academy 2” bei den Protos wie einen Sieg, hat als erster Segler seines Landes das Mini Atlantique beenden und auch noch glänzen können:

Einen sehr französischen Blick auf die Podiumssegler der zweiten Etappe im Mini Atlantique mit tollen Jubel- und Segelszenen gibt es hier:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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