Tag zwei des Maxi Yacht Rolex Cup brachte anspruchsvolle Bedingungen. Von der auflandigen Brise der Nacht stand noch eine stattliche See, die von den Klippen zurückgeworfen wurde. Ein schönes Durcheinander war die Folge. Hinzu wehte der Wind mit 20 Knoten aus nördlicher Richtung, Tendenz abnehmend. Dennoch schickte die Wettfahrtleitung die 45 Teilnehmer auf Mittelstreckenkurse mit Längen von 38 bis 46 Seemeilen. Es ging los mit einer Kreuz, gefolgt von einem Vorwindkurs gen Süden um die Inseln Mortorio und Soffi, dann zurück nach Nordwesten zu glattem Wasser und dem schwächeren Wind der „Bomb Alley“ und weiter zur Umrundung von La Maddalena.
Es war fordernd, einige hatten Bruch zu beklagen und andere hatten sogar Spaß, wie Pier Luigi Loro Piana auf seiner ClubSwan 80 „My Song”. Sein Renn-Resümee: „Meine Crew war fantastisch und wir haben sehr wenige Fehler gemacht“, sagte Loro Piana. „Es ist immer sehr aufregend, wenn man 20 Knoten macht, aber bei 1,5 bis 2 Meter hohen Wellen musste man sehr vorsichtig sein. Es war nicht beängstigend, aber jeder muss das Richtige zur richtigen Zeit tun. Dieses Boot ist für etwa elf Knoten ausgelegt, aber ein Boot, das bei 20 bis 25 Knoten nicht gut läuft, ist nicht gut.“ An der Juan-K-Konstruktion, die erst seit einem Jahr segelt, wurden 400 Kilogramm von der Kielbombe entfernt, der Canard umgerüstet und die Neigung des Kiels auf 45 Grad erweitert. Zudem erhöhte sich die Crewstärke auf 24.
Nach real gesegelter Zeit triumphierte erneut der Einrumpf-Foiler „Flying Nikka“, der nach 2 Stunden 55 Minuten 56 Sekunden die Linie kreuzte. „Black Jack“ schienen die Bedingungen zu liegen, die Sydney Hobart-Veteranin verringerte den Abstand heute auf gut 25 Minuten. Entsprechend reichte der Vorsprung erneut nicht für einen ersten Platz im korrigierten Ranking. Für „Flying Nikka“ waren die Wellen teils schlicht zu hoch und zwangen den Rumpf in Kontakt mit dem Wasser zu gehen; die maximale Flughöhe von Skeg-Unterseite bis zur Wasseroberfläche beträgt 1,20 Meter, darüber hinaus verlieren die Flügel ihre Anströmung – was die automatische Foil-Steuerung zu unterbinden weiß. Wohl aber hat es „Flying Nikka“ auf die Seite gelegt, was wiederum wie der Sonnenschuss einer foil-losen Yacht aussah. „Leopard 3“, der gestrige Maxi A-Sieger nach korrigierter IRC-Zeit, landete auf dem zweiten Rang, nachdem die A-Sails der Wallycentos „Galateia“ von David M. Leuschen und Chris Flowers sowie von Sir Lindsay Owen-Jones‘ „Magic Carpet Cubed“ beide in Fetzen von den Masten hingen.
In der Super-Maxi-Klasse entwickelt sich ein Dreikampf an der Spitze zwischen der Swan 115 „Moat“ von Juan Ball, der Wally 101 „y3k“ von Claus-Peter Offen und der 108 Fuß langen Baltic „Inoui“ von Marco Vögele, nachdem „Moat“ heute mit knapp zwei Minute Vorsprung vor „Inoui“ und „y3k“ gewann. Die 36 Meter lange „Viriella“ von Vittorio Moretti musste aufgeben.
Einen der engsten Zieleinläufe legten die ehemaligen Maxi 72 in der Gruppe Maxi B hin, mit George Sakellaris‘ „Proteus“ an der Spitze und „Bella Mente“ von Hap Fauth 19 Sekunden dahinter. Peter Dubens' „North Star“ schied mit Problemen am Bugspriet aus, „Pepe Cannonball“ platzte ein Spinnaker. „Wir hatten einen schwierigen Start, aber wir haben uns mit einem guten ersten Vorwind zurück ins Rennen gekämpft. Danach lief alles reibungslos“, sagte Christina Sakellaris, die Tochter des „Proteus“-Eigners, die olympische Laser-Seglerin ist und ihre Zeit an Bord zwischen Steuern oder Trimmen des Travellers und Großsegels am Wind aufteilt. „Die Bedingungen waren für den ersten Teil des Tages ziemlich anstrengend, mit hohem Seegang, aber es hat super viel Spaß gemacht – das ist es, was Segelsportler lieben.“
Mit dem größten berechneten Abstand durfte sich der 84-Fuß-Kat „Allegra“ in der Klasse Maxi-Multihull rühmen; die Crew um Eigner Adrian Keller ersegelte sich ein Zeitpolster von 40 Minuten auf die Gunboat 68 „Convexity2“. „Highland Fling 18“ trat nicht an. „Allegra“-Taktiker Paul Larsen zeigte sich erfreut: „Das waren unsere Bedingungen. Die Dünung war amtlich, also starteten wir mit einem Reff, das wir später herausnahmen – das alles mit dem Eigner am Ruder.“ Konzentration war die ganze Zeit gefragt, da „Convexity2“ immer wieder herankam: „Wir flogen den Rumpf wahrscheinlich so hoch wie noch nie und sie waren nur eine Bootslänge hinter uns. Wir segelten sie wie F18 und wollten beide auf dem Wasser gewinnen.“
In der Klasse Maxi C setzte „Spirit of Lorina“ ihre Siegesserie fort. Nach einem Gesamtletzten beim Maxi Yacht Rolex Cup 2022 spielt die 65 Fuß lange Botin-Konstruktion des Franzosen Jean-Pierre Barjon dieses Jahr ihre Offshore-Stärken auch unter Land aus: „Heute hatten wir perfekte Bedingungen“, sagte Bootskapitän Benjamin Enon. „Wir haben in den letzten anderthalb Jahren gelernt, mit diesem Boot umzugehen, und das zahlt sich aus. Gestern und heute war es etwas windiger, und wir wissen, dass unser Boot besser vor dem Wind läuft als einige der anderen Boote.“ Der ehemalige IMA-Präsident Thomas Bscher trat heute mit seinem neuen Baltic 68 Café Racer „Open Season“ nicht an, ebenso wenig wie Tara Gettys S&S-Klassiker „Baruna von 1938“.
Es kam zu zwei Ausfällen in Maxi C: Die Baltic 65 „Re/Max One 2“ prallte bei La Maddalena mit etwa zwölf Knoten gegen einen Felsen, die dahinterliegende „Yoru“ konnte trotz eines Ausweichmanövers ein Ramming nicht verhindern.
Materialbruch gab es auch bei den Js zu beklagen: „Topaz“ musste das Rennen mit Schäden an gleich zwei Spinnakern abbrechen. Erneut gewann „Svea“ vor „Velsheda“. „Svea“-Taktiker Bouwe Bekking: „Wir hatten Glück mit dem Start: ,Velsheda‘ kam dicht an uns heran und ,Topaz‘ wendete früh. Vor dem Wind nahm die Brise auf zwölf Knoten ab, und wir hatten unser S4 (symmetrischen Spinnaker) oben, was nicht ideal war. Aber wenn man ein leichtes A-Segel oben hat, haben diese Boote so viel Kraft, dass die Segel explodieren können.“
Den Maxi Yacht Rolex Cup organisiert der Yacht Club Costa Smeralda gemeinsam mit der International Maxi Association (IMA). Vor Porto Cervo wird an drei weiteren Tagen gesegelt, wobei der Donnerstag als Ruhe- oder Ausweichtag im Fall von Flaute genutzt wird.
Hier gibt es die Ergebnisse nach Tag zwei:

Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV