FigaroVor dem Fig’Armor-Start – eine Liebeserklärung ans Figaro-Segeln

Tatjana Pokorny

 · 01.08.2026

Jens Meiser umarmt die Figaro-Herausforderung und Frankreichs Offshore-Szene mit beiden Armen.
Foto: Team Chipmunk
​Bodenseesegler Jens Meiser ist entflammt für das Figaro-Segeln und Lorients La Base. Am 3. August startet er mit Segelfreund Andreas Wittmann auf der GER 20 “Chipmunk” ins Fig’Armor Double. Dabei wirbt der Familienvater und Unternehmer aus Balingen auch für die französische Art des Offshore-Segelns und seine Wiege.

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​Jens Meiser ist Familienvater, Unternehmer und Segler. Daheim am Bodensee segelt er eine Esse 850 namens “CPMNK”. Mit ihr ist der Skipper vom Yacht-Club Langenargen auch gerne solo unterwegs. Seit der Weihnachtszeit 2024 hat der 46-Jährige aus Balingen im Süden Baden-Württembergs aber noch eine weitere Leidenschaft: das Segeln auf Einheitsklasse-Foilern vom Typ Figaro Beneteau 3 und Frankreichs Offshore-Szene.

Wie aus einer Zufallsbegegnung Figaro-Leidenschaft wurde

Zufällig war Jens Meiser, dessen Unternehmen technische Textilien für die Automobil-, Flugzeug- und Bahnindustrie herstellt und auch in Frankreich aktiv ist, vor gut eineinhalb Jahren bei einem Jobtermin in La Rochelle eine Beneteau Figaro 3 ins Auge gesprungen. „Ich fragte mich, was das für ein interessantes Boot ist und kam mit dem Vercharterer Marcus Hutchinson ins Gespräch“, erinnert sich Meiser lebendig.

Es war der Beginn einer Entdeckungsreise mit Folgen. Hutchinson ist nicht nur Vizepräsident der Figaro-Klasse, sondern auch einer ihrer wichtigsten Dreh- und Angelpunkte und kenntnisreicher Ansprechpartner für Figaro-Neueinsteiger. Über den Mann, der auch schon Rennstallgroßprojekte wie die von Mike Golding und Imoca-Größen wie Paul Meilhat oder Thomas Ruyant gemanagt hat, war schon Sanni Beucke zu ihrem Boot gekommen. Boot und Klasse haben nun auch Jens Meiser entflammt.

Noch am Wochenende vor Weihnachten 2024 ging er mit Hutchinson das Boot segeln, das er im vergangenen Jahr weiter kennenlernte. In diesem Jahr hat Jens Meiser die Beneteau Figaro 3 GER 20 „Chipmunk“ fast für die ganze Saison gechartert. Eineinhalb Jahre und viele Erfahrungen nach der ersten Begegnung ist der Mann, der erst im Alter von 18 Jahren in Eigeninitiative mit dem ersten Segelschein zum Sport in Wind und Wellen gekommen war, nicht nur ein Figaro- sondern auch ein Fan der französischen Offshore-Szene und ihrer Wiege La Base.

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Mich fasziniert der Offshore-Sport. Bei den Franzosen resultiert er aus der Sozialgemeinschaft. Schulen, Unis, Städte, Kreise und Regionen fördern das Offshore-Segeln. Es ist nichts Elitäres.” Jens Meiser

Natürlich hat auch Jens Meiser die jüngsten Eruptionen in der Figaro-Klasse mibekommen: Veranstalter OC Sport will den Klassiker La Solitaire du Figaro zwar 2027 noch einmal mit den Beneteau Figaro 3 austragen, doch dann soll 2028 zu Modernisierungszwecken der Umstieg auf Ocean Fifties erfolgen. In Frankreich hat der radikale Klassenwechsel massive Kritik ausgelöst, denn der Figaro-Klasse kommt im Offshore-Ausbildungs- und Aufstiegsystem nach den Minis und vor Imocas und Ultims eine wichtige Funktion zu. Viele spätere Imoca- und Ultim-Stars haben sich hier ihre Sporen verdient.

Neue Figaro-Pläne zur Paris Nautic Show 2026

Die Klasse und ihre Protagonisten haben bereits eigene neue Initiativen angekündigt, die voraussichtlich bei der Paris Nautic Show 2026 vom 25. bis 29. November vorgestellt werden. Jens Meiser, inzwischen tief in die französischen Figaro-Szene eingetaucht, sagt: “In der Entwicklung steckt auch eine Chance für die Klasse, es selbst in die Hand zu nehmen. Natürlich sind 50 Jahre Tradition und die Klasse sehr wichtig, damit der Pool für junge Segler nicht verloren geht.”

Meiser selbst hat nach seinem Einstieg 2025 in diesem Jahr intensiver trainiert. Er weiß längst: “Die Figaro-Klasse ist kompromisslos ehrlich, jeder Fehler kostet sofort.” Das Boot liegt in Lorients La Base, wo sich Meiser gerade im deutschen Figaro-Doppel mit Andreas Wittmann auf das Zweihandrennen Fig’Armor vorbereitet. Dort sind sie von den bekanntesten Rennställen und Booten wie Boris Herrmanns neuer “Malizia 4” oder auch “Gitana 18” umgeben. Auf dem Wasser und an Land. Im täglichen Training der letzten Wochen haben sie sich nicht geschont.

“Wir fighten hart. Es gibt viel zu lernen. Die letzten Tage sind wir immer erst am Nachmittag ausgelaufen, kommen in der Nacht zurück. Dann passt zum Start die Thermik”, sagte Jen Meiser in der vergangenen Woche lächelnd über das Training für das anstehende Fig’Armor mit seinem Co-Skipper Andreas Wittmann, mit dem er seit 30 Jahren befreundet ist.

Ein Figaro-Podiumsplatz ist schon gelungen

Mit dem Neuseeländer Oakley Marsh hatte Jens Meiser in diesem Jahr schon Platz zwei im Figaro-Zweihandrennen Défi Paprec erobert. Die Doublehand-Prüfung nutzen angehende Figaristen häufig zum Einstieg in die Szene. Meiser hatte Hutchinson angeboten, auch aufstrebende Talente ohne eigenes Budget für Figaro-Zweihand-Rennen einzubinden: eine Win-Win-Chance für alle. Meiser entwickelte sich im La Solitaire du Figaro Paprec weiter, Oakley Marsh konnte das Rennen erfolgreich mitsegeln und Hutchinson hat wieder einmal seine Figaristen beflügelt.

Neun Doublehand-Crews und fünf Solisten sind für das kleine, aber feine Feld im Fig’Armor mit Start am 3. August gemeldet. Namhafte Duos wie Figaro-Könner Hugo Dhallene mit Chloé Le Bars, Simon Adrien mit dem früheren Solitaire-Sieger Nicolas Troussel oder auch der ehemalige Mini-Transat-Sieger François Jambou mit Pascal Fievet bezeugen die Güte des Feldes, in dem sich Jens Meiser und Andreas Wittmann ab kommender Woche beweisen wollen.

Sonst auf Alpenseen zuhause, stellt sich das Duo Meiser/Wittmann jetzt französischen Figaro-Kapazitäten in einem Revier, das mit seine Gezeiten, schnell wechselnden Wetterszenarien und langen Offshore-Schlägen ganz andere Anforderungen stellt. Jens Meiser und Andreas Wittmann, ein alter Kumpel, Physiker und früherer Liberasegler und Segellehrer, umarmen die Herausforderung. “Gerade die Herausforderung in der Figaro-Klasse begeistert uns, weil hier absolut identische Boote zum Einsatz kommen”, erklärt Jens Meiser den sportlichen Kick.

Erfolg hängt in der Figaro nicht vom Materialbudget ab, sondern von seglerischem Können, guter Vorbereitung und den richtigen Entscheidungen auf See.” Jens Meiser

​Das puristische Fig'Armor führt seine Teilnehmer von und nach Lorient über einen anspruchsvollen 450 Meilen langen Offshore-Kurs in die Biskaya. Starke Strömungen und taktisch komplexe Passagen machen die Regatta jedes Jahr zu einer anspruchsvollen Prüfung. Das deutsche Chipmunk-Team hat für sich vor allem die kontinuierliche Weiterentwicklung in den Mittelpunkt gestellt. Meiser und Wittmann wollen intensive Erfahrungen auf internationalem Spitzenniveau sammeln und auch anderen zeigen, dass der Weg vom deutschen Binnenrevier in die französische Offshore-Szene möglich ist.

Meiser wirbt um mehr Deutsche in Frankreichs Offshore-Wiege

“Mir ist wichtig, den Zugang zur Klasse zu zeigen. Über Marcus Hutchinson und die vielen engagierten Leute hier”, sagt Jens Meiser. Dazu inspiriert ihn Lorients La Base als Heimat der großen Offshore-Rennställe, als Sprungbrett für immer wieder neue Talente und als Schmelztiegel, als “einzigartiges Areal und Netzwerk”. Der Mann vom Bodensee ist überzeugt: “Hier müssen mehr Deutsche her. Es ist ein so fantastischer Ort.” Boris Herrmann, Lennart Burke, Melwin Fink, Sanni Beucke und andere Lorient-Kenner bezeugen das längst.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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