„Entweder alles oder nichts“Teilnehmerin berichtet vom Clipper Round the World Race

Fabian Boerger

 · 01.08.2026

Elf Monate tauschte Petra Liebetanz ihr Zuhause gegen eine Koje an Bord einer Clipper-Yacht. Sie war vor allem für die Segel verantwortlich.
Foto: Clipper Race Crew
Petra Liebtanz hat das Clipper Round the World Yacht Race komplett gesegelt. Im YACHT-Interview erzählt die 57-jährige Fotografin aus Düsseldorf, wie sie zu dem Projekt kam, warum gleich die ersten Tage zur Härteprobe wurden und weshalb sie nach der Weltumsegelung erst recht weitermachen will.

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Seit Jahren faszinierte Petra Liebtanz die große Hochseeszene, doch dass eine Amateurseglerin tatsächlich bei einer Regatta um die Welt mitsegeln kann, wurde ihr erst spät klar. Für sie stand dann schnell fest: Wenn schon Clipper Round the World Yacht Race, dann richtig. Also nicht nur ein Abschnitt, sondern die ganze Strecke.

YACHT: Was motiviert eine Fotografin, die Welt im Rennmodus zu umsegeln?

Petra Liebtanz: Ich bin in Düsseldorf geboren, habe lange in Amerika gelebt und mich etwa seit 2000 für Hochseesegeln interessiert. Die Vendée Globe fand ich immer unglaublich faszinierend. Ich dachte aber lange, dass so etwas nur für Profis möglich ist.

Erst 2020 bin ich eher zufällig auf einen Film über Robin Knox-Johnston gestoßen, in dem auch das Clipper Race vorkam. Da habe ich gemerkt: Man kann da tatsächlich mitfahren. Ich habe mich sofort gemeldet und mich dann entschieden, die Ausgabe nach dem Abi unseres jüngsten Sohnes zu segeln.

Und dann gleich die ganze Runde?

Ja. Für mich war das eigentlich von Anfang an klar. Entweder alles oder gar nichts. Nur ein oder zwei Etappen hätten mich nicht gereizt.

Aufbruch ins Ungewisse?

Wie läuft es ab - von der Idee zur Umsetzung?

Zuerst gibt es ein Interview. Da wird geschaut, wer du bist, warum du das machen willst und ob du als Person in so ein Format passt. Danach folgen vier Trainingswochen. In der ersten lernst du das Boot und die Grundbegriffe kennen. In der zweiten bist du die ganze Woche draußen und bekommst ein Gefühl für das Leben an Bord. Dann kommt Spinnaker-Training, und in der letzten Woche wird das Ganze eher in Richtung Rennsituation geübt.

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Also kein Sprung ins Ungewisse?

Nein, überhaupt nicht. Ich hatte das Gefühl, dass das sehr professionell organisiert und sicher ist. Genau das war für mich ein wichtiger Punkt. Und dieses Gefühl hat sich später auch bestätigt.

„Die Biskaya war meine Feuertaufe“

Wann wurde es zum ersten Mal ernst?

Gleich am Anfang. In der Biskaya war es ziemlich wild, und mir war eine ganze Woche lang richtig schlecht. Das kannte ich so vorher nicht. Ich habe vier Kilo abgenommen, war oft nur in der Koje, habe mich übergeben, mich wieder an Deck gesetzt und versucht, so gut es ging mitzuhelfen.

Da habe ich schon gedacht: Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, ob ich das schaffe.

Aber man macht einfach weiter. Und ich glaube, genau das nimmt man auch mit. Wenn an Bord etwas nicht funktioniert, dann arbeitet man so lange daran, bis das Problem gelöst ist. Diese Geduld und dieses Problemlösen haben sich bei mir auf jeden Fall weiterentwickelt.

Southern Ocean, große Wellen, großes Glück

Was war Ihr persönliches Highlight?

Ganz klar der Southern Ocean auf der dritten Etappe. In diesen großen Wellen am Steuer zu stehen und die Wellen herunterzusurfen. Das war unglaublich. Wir hatten einen Topspeed von fast 30 Knoten. Dazu diese Abgeschiedenheit, die Albatrosse, dieses Gefühl von Weite. Das war für mich ein absoluter Höhepunkt.

Wie fühlt es sich an, einen 70-Füßer zu segeln?

Wie ein riesiger Bus oder Lastwagen. Man spürt dieses Gewicht und diese Kraft überall. Auch an den Winschen merkst du sofort, was da für Lasten drauf sind. Alles ist schwerer: die Segel, die Manöver, das Großsegel, überhaupt jede Bewegung an Bord.

An Bord hatte jeder eine Aufgabe. Welche war Ihre?

Ja, ich war Segelmacherin. Ich habe also viele Segel repariert. Auf der siebten Etappe ist unser Code One abgerissen. Den haben wir wieder repariert und später erneut gesetzt. Als das Segel hielt, war das ein großartiger Moment. Solche Situationen vergisst man nicht.

Sie waren im Team London Business School. Wie wird so eine Crew eigentlich zusammengestellt?

Man kann im Voraus Wünsche äußern. Ich hatte bei einem Training jemanden kennengelernt, mit dem ich gerne wieder an Bord sein wollte. Er wollte zu einem bestimmten Skipper, und ich habe mir das dann auch gewünscht. Am Ende hat das für mich sehr gut gepasst.

Kosten und Bedingungen für das Clipper-Race

Viele träumen von einem Abenteuer wie diesem. Doch wie viel Geld muss man einplanen?

Die Kosten für das Rennen lagen bei mir bei rund 50.000 Pfund. Dazu kamen noch Versicherung und Ausgaben bei den Stopovern. Ich habe das aber früh geplant und über Jahre zusammengespart. Andere kaufen sich ein Auto. Ich wollte lieber diese Erfahrung, die “experience of a lifetime”.

Und welche Eigenschaften sollte man mitbringen?

Ich glaube, man muss eine ruhige, ausgeglichene Person sein – irgendwie tolerant anderen Menschen gegenüber. Dazu eine gewisse körperliche Fitness. Auf so engem Raum über Wochen funktioniert das nur, wenn die Leute miteinander umgehen können.

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Nach der Weltumsegelung ist nicht Schluss

Hat Sie das Rennen eher gesättigt oder erst richtig angefixt?

Eher angefixt. Ich möchte jetzt gerne meinen Yachtmaster machen und auf jeden Fall weitersegeln. Es gibt schon neue Pläne, auf die ich mich sehr freue.

Das Rennen wirbt mit dem Slogan “Life-changing Challenge”. War es das?

„Life-changing" ist natürlich ein großes Wort. Es hat mich auf jeden Fall verändert. Ob es jetzt mein ganzes Leben geändert hat, weiß ich nicht – aber es ist schon ein unglaubliches Erlebnis.

Mehr zum Clipper Round the World Race und die Teams lesen Sie hier.

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Fabian Boerger

Fabian Boerger

Redakteur News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

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