Fabian Boerger
· 01.08.2026
Seit Jahren faszinierte Petra Liebtanz die große Hochseeszene, doch dass eine Amateurseglerin tatsächlich bei einer Regatta um die Welt mitsegeln kann, wurde ihr erst spät klar. Für sie stand dann schnell fest: Wenn schon Clipper Round the World Yacht Race, dann richtig. Also nicht nur ein Abschnitt, sondern die ganze Strecke.
Petra Liebtanz: Ich bin in Düsseldorf geboren, habe lange in Amerika gelebt und mich etwa seit 2000 für Hochseesegeln interessiert. Die Vendée Globe fand ich immer unglaublich faszinierend. Ich dachte aber lange, dass so etwas nur für Profis möglich ist.
Erst 2020 bin ich eher zufällig auf einen Film über Robin Knox-Johnston gestoßen, in dem auch das Clipper Race vorkam. Da habe ich gemerkt: Man kann da tatsächlich mitfahren. Ich habe mich sofort gemeldet und mich dann entschieden, die Ausgabe nach dem Abi unseres jüngsten Sohnes zu segeln.
Ja. Für mich war das eigentlich von Anfang an klar. Entweder alles oder gar nichts. Nur ein oder zwei Etappen hätten mich nicht gereizt.
Zuerst gibt es ein Interview. Da wird geschaut, wer du bist, warum du das machen willst und ob du als Person in so ein Format passt. Danach folgen vier Trainingswochen. In der ersten lernst du das Boot und die Grundbegriffe kennen. In der zweiten bist du die ganze Woche draußen und bekommst ein Gefühl für das Leben an Bord. Dann kommt Spinnaker-Training, und in der letzten Woche wird das Ganze eher in Richtung Rennsituation geübt.
Nein, überhaupt nicht. Ich hatte das Gefühl, dass das sehr professionell organisiert und sicher ist. Genau das war für mich ein wichtiger Punkt. Und dieses Gefühl hat sich später auch bestätigt.
Gleich am Anfang. In der Biskaya war es ziemlich wild, und mir war eine ganze Woche lang richtig schlecht. Das kannte ich so vorher nicht. Ich habe vier Kilo abgenommen, war oft nur in der Koje, habe mich übergeben, mich wieder an Deck gesetzt und versucht, so gut es ging mitzuhelfen.
Da habe ich schon gedacht: Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, ob ich das schaffe.
Aber man macht einfach weiter. Und ich glaube, genau das nimmt man auch mit. Wenn an Bord etwas nicht funktioniert, dann arbeitet man so lange daran, bis das Problem gelöst ist. Diese Geduld und dieses Problemlösen haben sich bei mir auf jeden Fall weiterentwickelt.
Ganz klar der Southern Ocean auf der dritten Etappe. In diesen großen Wellen am Steuer zu stehen und die Wellen herunterzusurfen. Das war unglaublich. Wir hatten einen Topspeed von fast 30 Knoten. Dazu diese Abgeschiedenheit, die Albatrosse, dieses Gefühl von Weite. Das war für mich ein absoluter Höhepunkt.
Wie ein riesiger Bus oder Lastwagen. Man spürt dieses Gewicht und diese Kraft überall. Auch an den Winschen merkst du sofort, was da für Lasten drauf sind. Alles ist schwerer: die Segel, die Manöver, das Großsegel, überhaupt jede Bewegung an Bord.
Ja, ich war Segelmacherin. Ich habe also viele Segel repariert. Auf der siebten Etappe ist unser Code One abgerissen. Den haben wir wieder repariert und später erneut gesetzt. Als das Segel hielt, war das ein großartiger Moment. Solche Situationen vergisst man nicht.
Man kann im Voraus Wünsche äußern. Ich hatte bei einem Training jemanden kennengelernt, mit dem ich gerne wieder an Bord sein wollte. Er wollte zu einem bestimmten Skipper, und ich habe mir das dann auch gewünscht. Am Ende hat das für mich sehr gut gepasst.
Die Kosten für das Rennen lagen bei mir bei rund 50.000 Pfund. Dazu kamen noch Versicherung und Ausgaben bei den Stopovern. Ich habe das aber früh geplant und über Jahre zusammengespart. Andere kaufen sich ein Auto. Ich wollte lieber diese Erfahrung, die “experience of a lifetime”.
Ich glaube, man muss eine ruhige, ausgeglichene Person sein – irgendwie tolerant anderen Menschen gegenüber. Dazu eine gewisse körperliche Fitness. Auf so engem Raum über Wochen funktioniert das nur, wenn die Leute miteinander umgehen können.
Eher angefixt. Ich möchte jetzt gerne meinen Yachtmaster machen und auf jeden Fall weitersegeln. Es gibt schon neue Pläne, auf die ich mich sehr freue.
„Life-changing" ist natürlich ein großes Wort. Es hat mich auf jeden Fall verändert. Ob es jetzt mein ganzes Leben geändert hat, weiß ich nicht – aber es ist schon ein unglaubliches Erlebnis.
Mehr zum Clipper Round the World Race und die Teams lesen Sie hier.

Redakteur News & Panorama
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