Mit dem Gesamtsieg beim Clipper Round the World Yacht Race hat Otto Kulow gemeinsam mit Skipper Oli Irvine eine der ungewöhnlichsten Offshore-Regatten gewonnen. Im Gespräch schildert der deutsch-britische Segler, wie sich die Rückkehr nach Portsmouth anfühlt, wie aus Einsteigern ein funktionierendes Team wurde und warum ihn gerade das Menschliche an dieser Regatta besonders geprägt hat.
Otto Kulow: Ich bin schon ein bisschen müde. Es waren drei krasse Tage. Das hätte ich mir so nicht erträumt.
Nach elf Monaten wieder in Portsmouth zu sein. Ich war schon ziemlich überrascht über mich selbst, dass ich das überhaupt alles geschafft habe.
Es hat sich nicht echt angefühlt, wieder in dieser Marina zu sein, wo wir einst gestartet sind. Das ist wie ein Traum.
Es ist hauptsächlich die Freude über das Team. Die Ersten haben sich bereits auf den Heimweg gemacht. Tschüss zu sagen, zu wissen, dass das hier ein Ende hat, sich von dem Boot zu trennen: Das ist schon traurig. Dass wir bei alledem sehr erfolgreich gewesen sind, macht es ein bisschen besser. Alles in allem würde ich sagen: Ich bin einfach stolz auf das Team.
Genau, dort haben wir elf Jahre verbracht. Die vergangenen drei Jahre war ich dann unterwegs. Nachdem ich mir etwas Geld verdient habe, bin ich nach Sydney gezogen. Dort habe ich einige Qualifikationen gemacht, bin von Perth aus zu zweit um Australien gesegelt und habe im Yachtbereich gearbeitet. Ich war unter anderem als Segellehrer und Charterskipper beschäftigt. Später habe ich dann in Barcelona gearbeitet.
Meinen Skipper Oli Irvine habe ich in Sydney kennengelernt. Dort sprachen wir schon über das Clipper Race. Ein halbes Jahr später habe ich mich dann als First Mate beworben. Es folgten mehrere Prüfungen in Gosport: Interviews, Tests und so weiter. Wichtig ist vor allem das Persönliche, also der Umgang mit Menschen und die Geduld. Vier Monate später bekam ich eine Zusage. Das war schon unglaublich.
Es ist eine Challenge. Allein die Zusammensetzung auf den Booten ist schon ein soziales Experiment. Man wird zufällig einem Boot zugeordnet. Mit 15 Leuten, die man nicht kennt und mit denen man am Ende des Tages eine Familie bildet.
Es ist viel mehr als ein Segelrennen. Für einige ermöglicht es, den Traum der Ozeanüberquerung zu erfüllen. Unser Job war es, die Leute sicher über den Ozean zu bringen, und Spaß dabei zu haben.
Ich hatte am Anfang des Rennens einen anderen Skipper. Wir haben Wochen miteinander verbracht und uns auf das Rennen vorbereitet. Dann ist er plötzlich ausgestiegen. Das war schon schwierig. Ich habe dann Oli angeschrieben und gesagt, dass sich da eine Chance eröffnet hat.
Ich fragte ihn: Willst du mit mir um die Welt segeln? Es war ein Glück: Er hatte Zeit und war gerade in England. Also entschieden wir uns, es zu tun. Wir sind als Freunde gestartet und glücklicherweise sind wir das immer noch.
Wenn Oli sechs Stunden schlief, war ich sechs Stunden wach und kümmerte mich um die Taktik, war an Deck oder wechselte die Segel, und umgekehrt. Zwischendurch diskutierten wir eine halbe Stunde. Dadurch entwickelte sich ein immenses Vertrauen. Manchmal fühlte es sich an, als wäre er mein großer Bruder. Wir können uns die Meinung sagen, gleichzeitig habe ich größten Respekt vor ihm. Dass das so erfolgreich funktioniert hat, ist schon bemerkenswert.
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Oli’s und meine Erfahrung als Segellehrer machte es ein bisschen einfacher, schließlich haben wir Spaß daran, anderen etwas beizubringen. Uns kam vor allem zugute, dass wir von Anfang an viel Zeit investiert haben, die Crew beim Steuern, Trimmen und allem anderen auszubilden. Wir haben uns viel Mühe gegeben, sodass wir uns schon nach drei, vier Monaten auch zurücknehmen und vieles der Crew überlassen konnten.
Das ist schwierig zu sagen. Aber unterschiedlich ist es allemal. Die Boote hier sind groß und schwer. Sie fühlen sich an wie ein Panzer im Wasser. Das macht es einfacher mit ihnen Ozeane zu überqueren, im Vergleich zum Segeln mit kleinen Booten entlang der Küste. Es ist eine andere Art des Segelns.
Auf jeden Fall einige. Es ist schwierig, elf Monate unterwegs zu sein, ohne das etwas bricht. Nach Kapstadt sind wir weit in den Süden gefahren. Dort hatten wir vier, fünf Tage lang 40 Knoten Wind. Das war tief im Südpolarmeer. Das Wasser war eiskalt und die Wellen haben sich wie Häuser hinter unserem Boot aufgebaut. Das war wahnsinnig und hat einen ziemlich nervös gemacht. Auf dem Boot konnten wir aber ziemlich cool bleiben.
Die Boote sind schon sechs oder siebenmal um die Welt gesegelt. Da kann man sich ziemlich sicher sein, dass man mit ihnen Stürme übersteht. Wir haben 13 verschiedene Segel an Bord, manche für wenig Wind, manche für 40 Knoten und mehr.
Besonders in Erinnerung ist mir gleich das erste Rennen geblieben. Vier Tage, nachdem wir Portsmouth verlassen haben, hatten wir 65 Knoten in der Biskaya. Gleich zu Beginn des Rennens wurden wir enorm getestet. Gut war, dass uns das für die restlichen elf Monate reichlich Vertrauen gegeben hat. Die Crew lernte gleich, mit den Bedingungen umzugehen und in die Boote zu vertrauen.
Das Wichtigste sind aber sicherlich die Leute, mit denen man beim Clipper Race Zeit verbracht, zusammengelebt, Erfolge gefeiert und Konflikte ausgefochten hat.
Dieses Gemeinsamkeitsgefühl ist das, was ich am meisten vermissen werde.
Da bin ich mir gerade nicht sicher. Erstmal mache ich eine Pause, besuche Familie, gehe in den Urlaub und treffe Freunde. Außerdem will ich einen Führerschein machen. Ich kann nämlich noch kein Auto fahren.
Was das Seglerische angeht, würde ich gerne mehr in Richtung Solo-Segeln und Offshore-Racing gehen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich gerne Figaro segeln oder einem Segelteam beitreten und weitere Einblicke in die Branche bekommen. Auf jeden Fall will ich weiter unterrichten. Das macht mir wirklich Spaß.

Redakteur News & Panorama
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