Andreas Fritsch
· 18.01.2024
Im Kursverlauf ist die Kollision nur durch einen kurzen Schlenker zu erkennen, danach segelte Laperche wieder wie zuvor weiter, jetzt aber “nur” noch mit knapp 14 Knoten. Nach Angaben des Teams wurde der Schwertkasten beschädigt, und es tritt eine größere Menge Wasser ein. Die Situation ist aber offensichtlich kontrollierbar. Ob das Foil beschädigt wurde oder in seiner Bedienung eingeschränkt ist, gab das Team nicht bekannt. Es arbeitet nun an den nächsten Schritten. Da die Schwimmer der Ultims sehr schlecht zugänglich sind, besonders im Southern Ocean bei derzeit etwa 30 Knoten Wind und einem heranziehenden Tief, ist davon auszugehen, dass Laperche Kapstadt anlaufen wird.
Alle Teams haben vor dem Rennen Logistik-Pläne erstellt, wo und wann Reparaturstopps möglich sind. Kapstadt spielte da eine zentrale Rolle. Ist allerdings das Foil defekt oder der Schwertkasten stärker beschädigt, dürfte das Rennen zu Ende sein, da Reparaturen lange dauern und für die großen Foils ein Ersatzteil nicht schnell genug vor Ort zu bringen ist. Zudem haben auch nicht alle Teams überhaupt ein Ersatzfoil. Da Laperche 35 Knoten bei der Havarie auf der Logge hatte, dürften die Chancen eher schlecht stehen.
Derweil enteilt der Führende Charles Caudrelier mit Riesenschritten. Heute Nacht segelte er 835 Meilen in 24 Stunden, nur 15 Meilen unter dem bestehenden Rekord von François Gabart von 2017 mit “Macif”. Der Drittplatzierte Thomas Coville mit “Sodebo Ultim 3” wird mittlerweile etwas langsamer, fällt nun doch hinter die Front des Tiefs zurück, auf dessen östlicher Vorderseite Caudrelier seine “Edmond de Rothschild” ideal hält. Er könnte in den nächsten Stunden und Tagen die Lücke zu den Verfolgern schnell vergrößern.
Dahinter folgen Anthony Marchands “Actual Ultim 3” und Armel Le Cléac’hs “Banque Populaire XI” mit etwa 150 Meilen Rückstand. Beide segeln heute in eine Zone mit leichterem Wind und dann sogar dem Gegenwind eines Hochs, das den direkten Weg in den Süden blockiert. Marchand ist bereits nur noch mit 15 Knoten Speed unterwegs. Klar ist schon jetzt, dass sie einen deutlichen Umweg im Vergleich zu den drei führenden Booten fahren müssen, die von Recife praktisch direkt auf der Idealroute segeln konnten. Der Rückstand des Duos von etwa 1.900 Seemeilen dürfte also in den nächsten Tagen eher noch deutlich größer werden.
Am Ende des Feldes hat Éric Péron mittlerweile mit seinem Non-Foiler “Adagio” den Äquator passiert. Sein Abstand ist mittlerweile auf 2.800 Meilen angewachsen. Aber für ihn zählt als Rookie der Klasse mit einem alten Boot nur das Ankommen, das hatte er schon vor dem Rennen klar gesagt.

Freier Autor