Aegean 600Melwin Fink über “crazy schönes Rennen” und neue Pläne

Tatjana Pokorny

 · 10.07.2026

Skipper Stefan Hümmeke und sein Co-Skipper Melwin Fink im Aegean 600.
Foto: Team Upscale
Das Aegean 600 hat mit seiner 6. Auflage viele neue Segelfans dazugewonnen. Einer ist jetzt Melwin Fink. Der Class40-Stürmer war erstmals beim 605-Seemeilen-Ägäis-Rennen dabei. Fink segelte mit Stefan Hümmeke auf dessen Neo 400 + “Upscale” – und war begeistert. Dazu ein Fink-Update zu Teamplänen, zu Mini-Solist Tom Wehde und ungewöhnliche Schnappschüsse von “Gitana 18”-Skipper Charles Caudrelier.

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An der Spitze des Rekordfeldes von 71 Booten war die sechste Edition des Aegean 600 mit einem packenden Fotofinish im Kampf um die Line Honours zu Ende gegangen. Dahinter fielen die Entscheidungen im Ringen um die Podiumsplätze aber kaum weniger spannend aus. In der Zweihandgruppe verpassten Stefan Hümmeke und Melwin Fink das Podium nur knapp.

Aegean 600: Hümmeke und Fink als Zweite im Ziel

Mit der Neo 400 + “Upscale” waren Hümmeke und Fink als zweitschnellstes Duo ihrer Gruppe nach 3 Tagen, 22 Stunden, 48 Minuten und 9 Sekunden ins Ziel gekommen. In der IRC-Berechnung fehlten der einzigen deutschen Doublehand-Crew auf Platz fünf nur rund fünfeinhalb Minuten zum Sprung aufs Podest.

Gewonnen haben die Zweihand-Wertung die Italiener Massimo Juris und Pietro Luciani mit der JPK 10.80 “Colombre”. Zweit wurde die polnische JPK 10.30 mit Andrej Rozycki und Maciej Marcewski vor der JPK 11.80 “Libertine” mit Marco Paolucci und Giovanni Mengucci. Dem einzigen deutschen Duo fehlten nach der “Gefangenschaft” in einem letzten Flautenfeld vor dem Zieldurchgang ein wenig Fortune zum Sprung in die Top-Drei.

Trotzdem sind Stefan Hümmeke und Melwin Fink neue und begeisterte Fans des vom Hellenic Offshore Racing Club organisierten griechischen Rennens. “Ich hatte gedacht, das Aegean 600 ist wie das Carribbean 600, aber es ist ganz anders!”, erzählt der mit allen Wassern gewaschene Melwin Fink. Selten habe er so eine “krass abwechslungsreiche” Regatta erlebt.

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Caribbean 600 und Aegean 600: ähnlicher Kurs, komplett anderes Rennen

Fink sagt: “Der Kurs mit den vielen Inseln erinnert nur auf den ersten Blick an das Caribbean 600. Ich habe das Rennen echt etwas unterschätzt. Die Bedingungen reichen von starken Fallwinden und 40-Knoten-Prüfungen über coole 25-Knoten-Downwinds bis hin zu Flauten. Man braucht gute Nerven für dieses crazy schöne Rennen. Wir sind ein schnelles Schiff, hatten ein bisschen zu viele Flautenphasen zwischendurch, um unser Rating rauszufahren. Aber es hat totalen Spaß gemacht und wir sind auch zufrieden mit unserer Leistung.”

Dreimal Flaute war ein bisschen viel für unser schnelles Boot. Wir sind trotzdem sehr happy.” Melwin Fink

Über 605 Seemeilen serviert das Ägäis-Rennen 13 Passagen zwischen bekannten und weniger bekannten griechischen Inseln hindurch – ein Bilderbuchkurs. Im vergangenen Jahr hatte Kay-Johannes Wredes “Best Buddies” im Aegean 600 sogar den großen IRC-Hauptpreis abgeräumt. In diesem Jahr gewann die von Sam Manuard entworfene französische Mach 50 3.50 “Paland 4” von Antoine Magre die IRC-Gesamtwertung. Zu den Ergebnissen im Aegean 600 geht es hier.

20 Prozent Speedgewinn nach Winter-Update für “Upscale”

Melwin Fink schwärmte nicht nur von herausragenden Regattaerlebnis im Revier der hellenischen Inselwelt, sondern auch von der Rennorganisation: “Das war toll gemacht in der Olympic Marina. Die Veranstalter waren sehr gastfreundlich. Man kann das Aegean 600 nur allen Regattaseglern am Mittelmeer empfehlen.” Hümmeke und Fink haben während ihrer Zeit in Athen auf dem eigenen Boot übernachtet. “Es ist tagsüber bei 35 Grad schon heiß, aber nachts erfrischend kühl”, berichtet Fink.

Sein Team von Next Generation Boating betreut das Projekt von Stefan Hümmeke aus Münster seit zwei Jahren. Erst im Winter haben sie auf der Neo 400 + “Upscale” das Single- zum Doppelruder umgebaut. Mit großen Erfolg, wie Melwin Fink erklärt: “Bei mehr Wind hat das einen Speedgewinn von etwa 20 Prozent gebracht.” Die nächste Teststrecke für die “Upscale” wird nach dem Aegean 600 das 21. Palermo-Montecarlo Race vom 18. bis zum 23. August sein.

Derweil schreiten an Land auch die Globe40-Comeback-Pläne von Melwin Fink und Lennart Burke voran. Nach ihrem unglücklichen Aus bei der ersten Weltumseglung mit der Class40 “Meganisi” und dem versöhnlichen Finale in Hamburg bleibt ein erneuter Anlauf das große Ziel der jungen Profis und Werftbetreiber. Gespräche dazu mit potenziellen Partnern laufen schon. “Wir sind sehr hoffnungsfroh”, sagte Melwin Fink in dieser Woche.

Lennart Burke und Melwin Fink: der Class40-Neubau bleibt das Ziel

Ihre Class40 wird über den Winter überholt, steht zum Verkauf oder zur Charter bereit. Lennart Burke und Melwin Fink streben nach wie vor einen eigenen Class40-Neubau an. “Das gehen wir aber nur an, wenn die Verträge wirklich unterschrieben sind”, sagt Melwin Fink. Parallel zum eigenen Rennstall-Projekt haben sich Burke und Fink seit dem versöhnlichen Globe40-Schlussakt und der Feier im Hamburger Hafen auf ihre Werftbetrieben in Hamburg und Kiel konzentriert.

Aktuell machen sie in Kiel unter dem Dach ihrer zweiten Niederlassung Next Generation Yachting zwei Class40ies für die Österreicherin Lisa Berger und einen amerikanischen Kunden fertig. Beide wollen an der Global Solo Challenge teilnehmen, deren kommende Auflage im August 2027 im spanischen Hafen Vigo startet.

“Kiel ist groß geworden”, sagt der 24 Jahre junge Melwin Fink mit Blick auf den im Herbst 2025 mit seinem Co-Skipper und Geschäftspartner Lennart Burke und Rasmus Töpsch gegründeten Servicebetrieb Next Generation Yachting, der sich direkt an der Ostsee auf Refits, Reparaturen und Bootsoptimierungen sowie den Aus- und Umbau von Yachten spezialisiert hat.

Mini-Solist Tom Wehde vor Start ins Azorenrennen

Aktuell aus der Ferne, blicken Lennart Burke und Melwin Fink auch nach Lorient. Dort ging vor zwei Tagen der Mini “Victory” von seinem Stellplatz in Lorients Seglerwiege La Base ins Wasser. Da lag er in guter Nachbarschaft zu Boris Herrmanns neuer “Malizia 4”. Burkes und Finks Teammitglied und Mini-Solist Tom Wehde bereitet sich auf das Azorenrennen vor, das am 22. Juli um 12 Uhr vor Les Sables-d’Olonne startet und seine Herausforderer über 1300 Seemeilen zu den Azoren und zurück führt. Und wer zufällig neben der “Victory” seinem Hobby nachging, zeigen die Schnappschüsse in der Galerie.

“Es war hart, sehr hart.” Das sagten auch die Line-Honours-Gewinner nach dem 6. Aegean 600:

Hochgeschwindigkeitssegeln im Aegean 600:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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