Fabian Boerger
· 29.07.2026
Was die Regatta bis heute auszeichnet, ist für Mead die ungewöhnliche Mischung aus Stadtnähe, anspruchsvollem Revier und gelebter Geselligkeit. Im Interview spricht er über den Corinthian-Geist der Veranstaltung, die Rolle digitaler Steuerung per App und darüber, warum sich die Cowes Week trotz sinkender Teilnehmerzahlen treu bleibt.
Die Cowes Week ist ein echtes Stadtereignis. In Kiel, ich habe dort auch gesegelt, liegt der seglerische Teil ein gutes Stück außerhalb. In Cowes passiert alles mitten in der Stadt. Die Startlinie liegt vor der Royal Yacht Squadron nur 80 Meter von der Hauptstraße entfernt. Es ist eine Woche voller Spaß, großartiger Partys, großartiger Geselligkeit und sehr hartem Segeln – schließlich ist es ein anspruchsvoller Ort dafür.
Die Bedingungen sind vorhersehbar. Wir wissen, in welche Richtung die Tide läuft, und mit den Wettervorhersagen von heute können wir einschätzen, was passieren wird. Zudem schützen manche Bereiche im Solent besser vor Wind als andere.
Das andere, was die Cowes Week in moderner Form möglich macht, ist die Cowes-Week- App.
Ob Regattaleitung oder Segler – alle nutzen sie. Die Boote werden so getrackt. Den Usern zeigt sie den Kurs, die Entfernung zur nächsten Tonne und alle Startzeiten. Das ist sehr fortschrittlich und wichtig für die Umsetzung einer flexiblen Regatta. Früher hatten wir Kurstafeln und Flaggensystem, um die Kurse zu vermitteln. Ein Irrsinn! Das ist vorbei, dadurch ist die Regatta so viel besser geworden.
Das ist Spitzentechnologie. Ich kenne keine andere Regattaveranstaltung, bei der etwas so Ausgereiftes verwendet wird. Sie ist darauf ausgelegt, den gesamten Ablauf der Regatta für den Teilnehmer einfacher zu machen.
Nicht wirklich. Unser Ziel ist erstklassiges Regattasegeln. SailGP ist eine Show, kein echtes Rennen. Alles ist entweder fürs Fernsehen oder für eine Tribüne ausgerichtet. Sinkt die Qualität des Rennens, müssen die Segler das akzeptieren. Hier ist es genau umgekehrt. Diese Veranstaltung ist ein Corinthian-Event – für Segler, die ihren Sport genießen wollen.
Damit sind Menschen gemeint, die den Sport ausüben, weil sie ihn lieben, damit aber kein Geld verdienen.
Nicht ganz. Eines ist gleich geblieben: Wir lassen nur Kielboote zu. Die Bedingungen im Solent sind zu windig, und wir haben nicht die Mittel, um mit Jollen umzugehen. Auch für foilende Boote ist der Solent einfach nicht geeignet. Wir beobachten die Entwicklung im Bootsbau, aber die Cowes Week ist nach wie vor sehr traditionell in Bezug auf die Bootstypen.
Ich glaube nicht. Das liegt auch an den Winkeln, die zum Beispiel foilende Boote segeln – sie sind schwer vereinbar mit den platt vorm Wind segelnden Booten. Schon jetzt sind die spitzeren Vorwind-Kurse der J70 mit ihren asymmetrischen Spinnakern eine Herausforderung. Hätten wir nun Foiler, die drei- bis viermal so schnell sind, wäre das ein Problem.
Einer der größten Einschnitte war sicherlich Covid. Ich war zu der Zeit Race Director, und wir mussten die Cowes Week absagen. Das ist in ihrer 200-jährigen Geschichte nur sechsmal der Fall gewesen – wegen Weltkriegen und wegen Covid. Darüber hinaus hat sich nicht so viel verändert.
Das ist sicherlich einer der Gründe, warum die Segler sie so sehr lieben. Es ist eine gesellige Atmosphäre, man trifft Segler, trifft Freunde, die man lange nicht gesehen hat.
Die Cowes Week ist der Ort, an den alle gerne zurückkehren.
Das war schon so, als ich im Jahr 1982 das erste Mal dabei war.
Das Segeln leidet weltweit unter sinkenden Teilnehmerzahlen. Das zeichnet sich auch bei der Cowes Week ab. Wir hatten mal über 1.000 Boote. Das waren allerdings zu viele. Jetzt hat es sich auf 500, 600 Boote eingependelt. Das ist genau richtig. Das Großartige ist allerdings nicht die Menge, sondern die Vielfalt an Booten. Eine Contessa 32 segelt neben einer TP52 um die Tonne – und beide Crews genießen es. Eine großartige Interaktion.
Gute Frage, kann ich so aber nicht beantworten. Im Englischen sagt man: „If it ain’t broke, don’t fix it“ – wenn es nicht kaputt ist, repariere es nicht. Und die Cowes Week funktioniert wirklich gut. Eine Debatte ist, ob man es von sieben auf fünf Tage verkürzt. Andere wollen die Regatta in zwei Teile aufteilen.
Aber dann verliert man die Karneval-Atmosphäre – dabei ist es das, was sie ausmacht. Wenn es aus dem Kreis der Segler Anliegen gibt, hört die Rennleitung genau hin und passt die Dinge an. Das findet aber kontinuierlich statt. Wir wollen, dass in erster Linie die Segler zufrieden sind. Hinzu kommen guter Wind und hoffentlich nicht zu viel Regen – sehr britisch eben.
Mehr Infos finden Sie hier auf der offiziellen Webseite der Cowes Week.

Redakteur News & Panorama
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