Während in Kiel die weltgrößte neuntägige Segelwoche mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeister, Boris Herrmann, der traditionellen Aalregatta und den Olympioniken eingeläutet wurde, waren am Wochenende auch in der Wismarer Bucht die Segler los. 65 Boote und ihre Crews sind in die elfte Edition der Agora direct MidsummerSail gestartet.
Die längste Ostseeregatta führt ihre Herausforderer von Wismar nach Töre, vom südlichsten zum nördlichsten Punkt der Ostsee. Zu parieren gilt es unterschiedlichste Bedingungen in einem abwechslungsreichen Segelrevier. Eine der Eigenschaften der MidsummerSail genießen die Starter besonders gerne: Während die Gezeiten bei diesem Segelmarathon kaum eine Rolle spielen, herrscht auf dem Kurs im Sommer fast ständig Tageslicht.
Der Blick auf die Karte zeigt es direkt: Die Nord-Süd-Strecke über fast 900 Seemeilen bietet eine schöne Balance zwischen einem Urlaubsausflug und Hochseeregatta. Die Wetterbedingungen bestimmen jedes Jahr aufs Neue, wo der Schwerpunkt liegt. In vier Gruppen wurden die Starter in diesem Jahr am 21. Juni auf die XL-Bahn ins schedische Töre geschickt. Wie sonst auch, sind Familien- und Freundescrews, ambitionierte Teams und Rekordjäger im Einsatz.
Die Yachten kommen in diesem Sommer aus sechs europäischen Ländern. Ihr Ziel ist das gleiche wie in jedem Jahr: die Ostsee in ihrer gesamten Länge von Süd nach Nord zu überqueren. Die rund 250 Segler wurden vom Wismarer Schützenverein Hanse e.V. 1990, in den vier Startgruppen, mit einem Abstand von 15 Minuten ins Rennen geschossen. Abgefeuert wurden die Startschüsse von den Schützen in historischen Uniformen aus klassischen Musketen von der Seebrücke Wendorf.
Im Einsatz sind volle Manschaften, aber auch Solosegler und Zweihandcrews. Ob sich für die Schnellsten eine Chance bietet, den Streckenrekord von Mathias Müller von Blumencrons früherer Class40 “Red” aus dem Jahr 2022 zu brechen, müssen die kommenden Renntage erweisen. Die Bestmarke steht bei 4 Tagen, 19 Stunden, 7 Minuten und 46 Sekunden.
Der Mehrheit der Teilnehmenden geht es aber nicht um Rekorde, sondern um die endlosen Mittsommernächte im Norden Europas und auch das große Finale mit Erinnerungsfotos von ihrer Crew auf der berühmten gelben Tonne im Zielhafen Töre. Diese Bilder erzählen auch Jahre später noch die Geschichten von den bestandenen Abenteuer im Ostseerennen. So auch das Foto, das von Mathias Müller von Blumencrons Crew vor vier Jahren nach dem bislang schnellsten Ostseeritt entstanden war (siee Galerie).
Wer nach der ersten Nacht am Montag einen Blick auf den Tracker geworfen hat, konnte es gut sehen: Die schnellen Racer lagen vorne. Rasend weit gekommen waren sie aber noch nicht. Im Gegensatz zum Knüppelwetter im vergangenen Jahr, in dem es sogar zum Seenotfall gekommen war, ging es in diesem Jahr sanft los. Am Montag zählten die bei der MidsummerSail schon erfahrene “Flaneur” mit Solosegler André Bätz ebenso zu den führenden Booten wie “Red66” und Gorm Gondesens “Nica”, der eine neue Rekordzeit zuzutrauen ist. Wenn da nicht die flauen Winde wären…
“Wir haben in der ersten Nacht sechs Stunden geparkt. Da bin ich mir mit dem Rekord nicht so sicher. Im Moment haben wir Wind aus West mit zwölf Knoten. Nettes Segeln unter Groß und A2”, wusste Crew-Mitglied Michael Höfgen am Montagmittag zu berichten. Zum Tracker für die MidsummerSail geht es hier. Ihren Rekordhunger stillten die Ostseesegler zunächst mit Hilfe des Bordgrills und der Kochkünste von Knierim-Yachtbau-Partner Steffen Müller und weiteren Seglern an Bord, wie die Bilder in der Galerie zeigen.

Freie Reporterin Sport
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