Vendée GlobeOrganspender von Boris Herrmanns Foils baut neuen Imoca

Jochen Rieker

 · 24.01.2023

The Ocean Race-Special wird präsentiert von
Der frühere Class-40-Weltmeister Phil Sharp steigt in die Imoca-Klasse auf
Foto: OceansLab

Heute Früh hat der erfolgreiche britische Hochsee-Profi Phil Sharp seine Teilnahme an der Vendée Globe 2024 bestätigt. Er wird in einem modifizierten Schwesterschiff von Sam Davies’ “Initiatives Cœur IV” antreten, das derzeit bei Black Pepper Yachts in Frankreich und bei Pauger entsteht. Die Foils dafür sind bereits unterwegs um die Welt – als Ersatz für die delaminierten Tragflügel auf Boris Herrmanns “Malizia – Seaexplorer”

Die Vendée Globe wird im November kommenden Jahres einen neuen Teilnehmerrekord aufstellen, das steht schon jetzt fest. Denn mit Phil Sharps Kampagne, die er auf der boot in Düsseldorf heute publik macht, kommt ein weiterer potenter Neubau an die Startlinie – sofern Boot und Skipper die nötigen Qualifikationen schaffen.

Viel Zeit bleibt dafür nicht. Das Sam-Manuard-Design mit den charakteristischen, leicht C-förmig gebogenen Foils wird wohl erst im Sommer zu Wasser gehen und muss bereits im Herbst das Transat Jacques Vabre sowie die Rückregatta nach Lorient schaffen. Sharp hat aber sowohl die Härte und die Ausdauer als auch die Erfahrung, sein Boot über den Parcours zu bringen und bis zur Vendée Südmeer-tauglich zu machen.

Verlagssonderveröffentlichung

Wozu er imstande ist, hat er eindrucksvoll beim Transat 2016 bewiesen, als er seine Class 40 “Imerys” waidwund ins Ziel vor New York brachte. Das Groß zerfetzt, die Genua ohne die nötige Spannung auf dem Fall, der Motor ausgefallen – so schleppte sich der damals 35-Jährige auf Platz 3 über die Linie. Dem Against-all-odds-Finish war ein tagelanger Notreparatur-Workshop vorausgegangen. Aufgeben? Keine Option!

Allein wegen seines legendären Durchhaltewillens wäre es unangebracht, Sharp abzuschreiben, bevor er überhaupt sein Boot übernommen hat, nur weil es ihm an Vorbereitungszeit mangelt. Die Kampagne des Briten, der seit Jahren in La Rochelle lebt, verdient aber noch in anderer Hinsicht besondere Aufmerksamkeit: Phil Sharp will als Erster die Vendée Globe absolut ohne fossile Brennstoffe bestreiten. Stattdessen setzt er auf eine Brennstoffzelle, die einen E-Motor mit Energie versorgen soll.

OceansLab heißt sein Projekt. Er wird dafür die Imoca-Klasse überzeugen müssen, die eine Mindestreichweite und Mindestgeschwindigkeit unter Maschine fordert, damit die Skipper im Notfall sich und anderen helfen können, etwa bei einem Mastbruch. Weil dafür herkömmliche Stromspeicher allein nicht ausreichen oder wesentlich schwerer wären als ein Dieselmotor samt Tank, setzt Sharp auf eine mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle.

Skipper Phil Sharp mit dem Prototyp seiner Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzelle – dem Hydrogen Power Module (HPM) von Genevos, das er mitentwickelt hatFoto: OceansLab
Skipper Phil Sharp mit dem Prototyp seiner Wasserstoff-betriebenen Brennstoffzelle – dem Hydrogen Power Module (HPM) von Genevos, das er mitentwickelt hat

“Technisch ist das gar kein Problem”, sagte er im Gespräch mit YACHT online. Schon auf seiner Class 40 hatte er 2020 eine erste kompakte Brennstoffzelle im Einsatz, die etwa 10 Kilowatt Spitzenleistung lieferte und darüber die Akkus lud oder direkt den E-Motor versorgte. Für den Imoca 60 wird ein 15-kW-Modul an Bord kommen. Seine Imoca-Kampagne soll ein Leuchtturm-Projekt für die skalierbare Antriebsform sein und die Einsatzfähigkeit der Technologie auch unter härtesten Bedingungen demonstrieren.

Die Basisfinanzierung für seine Kampagne steht; der Start bei der Vendée Globe sei gesichert, sagt Sharp. Doch er sucht noch weitere Partner aus dem Transport-, Technologie- oder dem Finanzsektor, um voll wettbewerbsfähig zu sein. Mittelfristig plant er auch fest mit einer Teilnahme am The Ocean Race, das durch seine Etappenstopps besonders attraktiv für internationale Unternehmen ist.

Indirekt ist er im Crew-Rennen um die Welt schon jetzt mit von der Partie – zumindest in Form seiner Foils, die Boris Herrmanns Rennstart sicherten. Sharp hatte sie dem Deutschen kurzerhand verkauft, weil er – während er noch auf die Vollendung seines Bootes wartet – keine Verwendung für die bereits fertigen Profile hat.

Dass sie auf Etappe 1 so gut funktionierten, überrascht den Briten nicht. “Sam Manuard ist der einzige Designer im Offshore-Bereich, der auch ein hervorragender Soloskipper ist. Er weiß, worauf es ankommt und dass ein paar Prozent mehr Spitzenleistung nichts wert sind, wenn sie sich nicht abrufen lassen.” Deshalb habe er bewusst “fehlerfreundliche” Foils konstruiert, die auch ohne ständige Justage im Anstellwinkel sehr effizient funktionieren.

Sharps nächster Satz, dessen Produktion in Kürze beginnt, wird deshalb absolut identisch sein mit dem, den Boris Herrmanns Crew von morgen an an wieder fordern wird – auf Etappe 2 von den Kapverden nach Kapstadt.


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