Was als 48 Stunden Rennen ausgeschrieben war, verwandelte Sieger Sam Goodchild mit nur 39 Stunden in eine wahre Machtdemonstration. Der Skipper gewann die ca. 550 Seemeilen lange Regatta mit einem Vorsprung von über zwei Stunden. Ambrogia Beccaria wurde mit seiner “Allagrande Mapei” zweiter, eine Stunde vor dem drittplatzierten Jérémie Begou. Ein Drittel des Feldes gab das Rennen frühzeitig auf.
Bereits nach dem Start am 17. September legte Goodchild mit seiner “Macif Santé Prévoyance” das Tempo vor. Der Skipper brachte sich mit einem guten Start in die Führungsposition und konnte das Feld frühzeitig kontrollieren. Seine “Macif” zeigte auf den Am-Wind-Kursen nach dem Start die höchste Geschwindigkeit, welche es dem Rest des Feldes schwer machte ihm zu folgen. Für imposante Bilder sorgte ein Frachter, der wenige Minuten nach dem Start das Feld kreuzte, und einige Skipper zu zusätzlichen Manövern zwang.
Der erste Abschnitt führte die Skipper nach dem Start in Richtung Süden, nördlich vorbei an der Insel Groix. Nach 150 Seemeilen folgte der Wendepunkt an der BXA-Boje vor Gironde. Die Spitze brauchte bis zum ersten Wendepunkt sieben Stunden und segelte auf einem schnellen Halb- bis Vorwindkurs einen Schnitt von über 21 Knoten. Gleich nach dem Start näherte sich von Nordwest eine Front mit 18-20 Knoten, dahinter wurde der Wind unregelmäßiger. Einige Skipper verpassten durch die Front den Anschluss und mussten die Spitzengruppe um Goodchild früh ziehen lassen. Das Feld wurde infolgedessen weit auseinander gezogen. Während Beccaria und Goodchild die Tonne mit nur einer Minute Abstand umrundeten kam der letzte IMOCA mit bereits über 6 Stunden Rückstand an der ersten Marke an.
Nach der Rundung der BXA-Marke am Eingang zur Gironde begann für die Skipper der längste und taktisch anspruchsvollste Abschnitt des Hauptrennens der Défi Azimut. Auf dem Weg zum virtuellen Wegpunkt Azimut 1, rund 110 Seemeilen westlich von Penmarc’h, mussten die IMOCA gegen die Restdünung des durchgezogenen Frontsystems aufkreuzen. Gleichzeitig ließ der Wind nach, während sich eine Hochdruckbrücke über dem Kurs aufbaute.
Für die Führenden wurde dieser Abschnitt zur Entscheidung. Sam Goodchild konnte mit seinem IMOCA die hohe Am-Wind-Geschwindigkeit ausspielen und seine Route präzise an die wechselnden Druckzonen anpassen. Aus dem engen Duell mit Ambrogio Beccaria an der BXA-Marke wurde im Laufe der Nacht ein klarer Vorsprung. Goodchild führte am Freitagmorgen mit mehr als zwölf Seemeilen und baute diesen Abstand auf dem Rückweg nach Lorient weiter aus.
Hinter den beiden schnellen Foilern von Goodchild und Beccaria ging es bei dem Kampf um den letzten Podiumsplatz deutlich enger zu. Jérémie Beyou hielt sich mit der neuen Rumpfform seiner “Charal” im Spitzenfeld und brachte den IMOCA nach 1 Tag, 18 Stunden und 19 Minuten auf Rang drei ins Ziel.
Corentin Horeau folgte mit nur 18 Minuten Rückstand. Der vierte Platz ist für Horeau dennoch ein starkes Signal. Der Skipper hielt über die gesamte Distanz Anschluss an die etablierte Spitze und dürfte mit dem Ergebnis dennoch zufrieden sein. Violette Dorange wurde mit Rang fünf die beste Frau im Feld und bestätigt ihre Entwicklung im IMOCA-Feld. Nach ihr folgte Élodie Bonafous auf der “Association Petits Princes-Quéguiner”.
Die Hochdruckzone im zweiten Teil des Rennens traf vor allem die bereits zurückgefallenen Boote. Die Skipper mussten einsehen, dass eine Zielankunft innerhalb des vorgesehenen Zeit Fensters kaum noch möglich war. Masa Suzuki meldete zusätzlich kleinere technische Probleme und entschied sich am Freitagabend zur direkten Rückkehr nach Lorient.
Auch Manuel Cousin (Coup de Pouce), Armel Tripon (Les P’tits Doudous), Pierre-Louis Attwell (Résilient) und Sébastien Marsset (Foussier) brachen das Rennen ab. Die fünf Skipper kehrten auf direktem Kurs nach Lorient zurück, um ihr Material zu schonen und an der abschließenden Tour de Groix teilnehmen zu können. Die Ausfälle waren damit überwiegend eine Folge des frühzeitigen hohen Rückstands und des engen Ziel-Zeitfensters.
| Platz | Skipper / Boot | Zeit |
| 1 | Sam Goodchild / MACIF Santé Prévoyance | 1 Tag, 14:48:21 |
| 2 | Ambrogio Beccaria / Allagrande Mapei | 1 Tag, 17:05:37 |
| 3 | Jérémie Beyou / Charal | 1 Tag, 18:19:25 |
| 4 | Corentin Horeau / MACSF | 1 Tag, 18:37:20 |
| 5 | Violette Dorange / Initiatives-Cœur | 1 Tag, 20:54:05 |
| 6 | Élodie Bonafous / Association Petits Princes-Quéguiner | 1 Tag, 22:26:55 |
| 7 | Sébastien Simon / Groupe Dubreuil-Air Caraïbes | 2 Tage, 00:07:35 |
| 8 | Davy Beaudart / Bureau Vallée | 2 Tage, 09:33:22 |
| 9 | Nico d’Estais / Café Joyeux | 2 Tage, 14:14:17 |
Die Défi Azimut war der letzte große Formabgelich vor der Route du Rhum 2026, bei der auch Boris Herrmann mit seiner neuen “Malizia 4” teilnehmen wird. Goodchild und seine “MACIF Santé Prévoyance” reisen als Mannschaft mit dem stärksten Formnachweis nach Saint-Malo. Durch seinen Sieg bei den Speed-Runs, seinen Sieg bei dem Hauptrennen und einer überzeugende Geschwindigkeit auf allen Kursen dürfte es schwer werden ihn zu schlagen.
Nichts desto trotz haben auch die anderen Skipper mit Ihren IMOCAS auf sich aufmerksam gemacht. Ambrogio Beccaria hat gezeigt, dass er über lange Zeit mit dem Sieger mithalten konnte. Jérémie Beyou setzte mit der umgebauten “Charal” ein Ausrufezeichen an die Konkurrenz und für die übrigen Teams waren die 48 Stunden vor allem ein Material- und Belastungstest unter realen Solo-Bedingungen. Mit vielen gesammelten Erkenntnissen gehen die Skipper in die Vorbereitung auf die Atlantikregatta, welche am 01. November in Saint-Malo beginnt.
Boris Herrmann seaexplorer führt in die Welt des professionellen Einhand-Hochseesegelns und begleitet Boris Herrmann bei der Vendée Globe. Der Bildband vermittelt, was eine Soloregatta auf offenem Ozean für Skipper und Boot bedeutet: lange Belastungsphasen, Entscheidungen unter Zeitdruck sowie der Umgang mit Einsamkeit und Naturgewalten. Damit ergänzt er die IMOCA-Perspektive der Route du Rhum um persönliche Erfahrungen aus dem Regattaalltag.
Regatten gewinnen auf Jollen und Yachten erklärt die Grundlagen erfolgreicher Wettfahrt: Segeltrimm, Material, Wind und Strom, taktische Entscheidungen sowie die psychologische Seite des Rennens. Im Unterschied zum persönlichen Hochseebericht liefert der Titel konkrete technische und taktische Zusammenhänge. Leser können damit besser nachvollziehen, weshalb sich IMOCA-Skipper auf der Route du Rhum für bestimmte Routen, Manöver und Risikostufen entscheiden.
Ist Sam Goodchild für Sie nach diesem Auftritt bereits der klare Favorit für die Route du Rhum – oder kann die Konkurrenz in Saint-Malo noch aufschließen?

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