Die Wähler in der Freien und Hansestadt Hamburg haben einer Bewerbung ihrer Stadt um die Ausrichtung Olympische und Paralympischer Spiele nach 2015 eine erneute Absage erteilt. Dieses Ergebnis bestätigte am Abend des 31. Mai die Hamburger Senatskanzlei. Der Erste Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher sagte: „Die Hamburgerinnen und Hamburger haben entschieden, dass sich die Freie und Hansestadt Hamburg nicht um Olympische und Paralympische Sommerspiele bewerben soll. Das Votum ist für den Senat verbindlich.”
Die voraussichtliche Abstimmungsbeteiligung betrug gemäß Abstimmungsverzeichnis laut Information der Freien und Hansestadt Hamburg 49,5 Prozent. 291.357 Stimmen gab es für die Olympia-Berwerbung, 354.689 Stimmen dagegen. Das sind 45,1 Prozent Ja-Stimmen gegen 54,9 Prozent Nein-Stimmen. Damit haben sich die Gegner von Olympischen Spielen zwischen Elbe und Alster durchgesetzt.
Dem Votum ließ Dr. Peter Tschentscher auch direkt die angekündigten Taten folgen. Er sagte: “Ich habe dem Präsidenten des DOSB, Thomas Weikert, sowie dem Vertreter Deutschlands beim IOC, Michael Mronz, soeben mitgeteilt, dass Hamburg seine Olympia-Bewerbung zurückzieht. Viele Bürgerinnen und Bürger, die sich auf die Spiele gefreut haben, sind über das Ergebnis des Referendums enttäuscht.”
Auch ich bedaure das Votum sehr, bedanke mich aber bei allen, die das Ziel, die Spiele nach Hamburg zu holen, unterstützt haben.” Dr. Peter Tschentscher
Zu den Hintergründen sagte Dr. Peter Tschentscher, dessen Senat stark für die Bewerbung geworben hatte: “Wir wussten aus dem früheren Referendum, dass die Skepsis gegenüber Olympia in Hamburg größer ist als in vielen anderen Städten. Gleichwohl haben wir uns dafür entschieden, weil Olympische und Paralympische Spiele nach den heutigen Bedingungen eine große Chance für alle sind. Sie hätten vielen Entwicklungen Rückenwind gegeben, die wir auch ohne Olympia für unsere Stadt erreichen wollen.”
Tschentscher versprach nach der Niederlage: “Wir werden vor allem auch eine Active City bleiben, in der Sport und Bewegung einen hohen Stellenwert haben. Der Breiten- und Spitzensport ist in Hamburg fest verankert. Er inspiriert, motiviert und bringt die Menschen zusammen. Wir freuen uns schon jetzt auf die Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer und auf die künftigen großen Sportereignisse, an denen wir uns als Austragungsort oder im Public Viewing beteiligen.“
Auch die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank bezeichnete das “Nein” Hamburgs zu Olympischen und Paralympischen Spielen in der Stadt als “herbe Enttschäuschung” und als “verpasste Chance für unsere Stadt”. Gleichzeitig erkannte sie an: “Die Mehrheit der Menschen in Hamburg hat sich gegen eine Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele ausgesprochen und das repektieren wir selbstverständlich.”
Sportsenator Andy Grothe dankte jenen, die sich für den Traum von Olympia in Hamburg eingesetzt hatten und sagte: “Über 250.000 Hamburgerinnen und Hamburger haben sich von der Idee für ein Festival der Vielfalt und des Sports im Herzen der Stadt begeistern lassen und eine Bewerbung mit ihrer Stimme unterstützt. Aber am Ende hat es nicht gereicht. Eine Mehrheit hat sich gegen eine Bewerbung Hamburgs entschieden. Das ist Demokratie und das Ergebnis ist zu akzeptieren.”
Nach dem Aus für Hamburgs Bewerbung bleiben noch drei Kandidaten im nationalen Rennen um die Rolle als deutscher Kandidat im Ringen um die Austragung Olympischer und Paralympischer Spiele hierzulande. München (66,4 Prozent Zustimmung der Wähler beim Referendum), die Rhein-Ruhr-Region (durchschnittlich 66 Prozent Zustimmung in 16 Städten) und Berlin sind noch an Bord.
Die ersten beiden – München und Köln-Rhein-Ruhr – haben die positiven Bürgerreferenden im Rücken. In Berlin hatte das Abgeordnetenhaus am 21. Mai mehrheitlich beschlossen, sich um die Austragung olympischer Spiele zu bewerben. Dort hatten CDU, SPD und AfD für die Bewerbung gestimmt. Linke und Grüne – letztere anders als in Hamburg – dagegen.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) entscheidet am 26. September, wer von den drei großen nationalen Kandidaten aufs internationale Bewerbungsparkett im Kampf um die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 geschickt wird. Für die Wahl des damit verbundenen Segelreviers bleibt es damit bis in den Herbst hinein spannend. Ihr detailliertes Olympia-Konzept müssen die drei verbliebenen Bewerber schon bis zum 4. Juni beim DOSB in Frankfurt vorlegen.
München hatte sich für Kiel ausgesprochen, wo bereits zweimal eine olympische Segelregatta ausgetragen wurde. Die Kieler hatten den Olympia-Bemühungen ihrer Stadt am 19. April mit 63,5 Prozent Ja-Stimmen klares grünes Licht pro Bewerbung gegeben. Berlin geht mit Rostock-Warnemünde. Die NRW-Kampagne hat sich die Wahl des Segelpartners bislang offengehalten.

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