Als Boris Herrmann bei der Vendée Globe 2020/21 seine erste Vendée Globe segelte, war Konstantin neun Jahre alt – und verfolgte das Rennen vor dem Bildschirm. Ein Moment, der alles veränderte. Nicht irgendwann, nicht vielleicht: Er will Offshore-Segler werden. Aus dem Traum wurde schnell ein konkreter Plan. Inzwischen hat er einen Mini 6.50 von Team Next Generation erworben, stellt eine Kampagne auf die Beine und hat das große Ziel fest im Blick. Was einen heute 14-Jährigen in die Kinderstube künftiger Offshore-Profis treibt – ein Gespräch.
Konstantin Kurzeja: Schon immer war ich sehr sportlich – Radfahren, Laufen, Skifahren und Skitouren sind feste Bestandteile meines Alltags. Aber während Corona hat Segeln für mich einen ganz anderen Stellenwert eingenommen. Ich erfuhr über YouTube von der Vendée Globe – und dass mit Boris Herrmann auch ein Deutscher dabei ist.
Fasziniert berichtete ich meinen Eltern davon. Mein Vater und er kennen sich noch vom 505er-Segeln. Daraufhin verfolgten wir das Rennen gemeinsam, rund um die Uhr – inklusive des tragischen Crashs kurz vor dem Ziel.
Das war der Moment, in dem es mich wirklich gepackt hat.”
Meine Segelkarriere startete ich danach im Opti im Bayerischen Yacht-Club (BYC). Anschließend stiegen mein Partner Julius Loesti und ich in den 29er um. 2025 konnten wir die Saison bei den Euro-Cups als Vierter der U17-Wertung abschließen und wurden 3. bei dem Euro-Cup in Koper – eine starke Saison, auf die wir beide stolz sind.
Im Winter 2024/25, als Charlie Dalin bei der Vendée Globe allen davonfuhr. Da stellten wir uns die Frage: Wo haben die großen Offshore-Segler angefangen, was braucht es als nächstes? Die Antwort war fast immer dieselbe – in der Mini 6.50-Klasse. Also: Wie kommt man an so ein Boot?
Wir nahmen Kontakt zu Melwin Fink und Lennart Burke auf und trafen uns auf der boot Düsseldorf. Schließlich übernahmen wir einen ihrer Vektoren – Baujahr 2024, Baunummer 1125. Ende April 2025 bekamen wir das Boot. Es fand zunächst seinen Liegeplatz in meinem Heimatclub, dem BYC am Starnberger See.
Um das Boot wirklich kennenzulernen, startete ich mein erstes fünf-wöchiges Training in Griechenland – allein und gemeinsam mit meinem Co-Skipper Max Seydl. Bei teilweise sehr viel Wind und Welle konnten wir schon viele wertvolle Erfahrungen mit der 1125 sammeln.
Melwin hat uns schon seit 2024 von dem Projekt überzeugt. Nach vielen persönlichen Gesprächen – und nachdem ich sein Buch gelesen hatte – gab es für mich kein Zurück mehr. Ich möchte die Mini Transat segeln. Das Team Next Generation ist für uns weit mehr als ein Bootslieferant. Tom Wehde, Steuermann des Schwesterschiffes 1124, gehört ebenfalls dazu. Gemeinsam unterstützen sie uns in allen Fragen – Technik, Organisation, aber auch im Persönlichen. Melwin, Lennart und Tom sind für mich seglerisch wie menschlich echte Vorbilder.
Als Einstieg. Das große Ziel ist weitergedacht. Der Wunsch ist da, nach dem Mini die Class 40 zu segeln. Die technischen Eigenschaften sind absolut faszinierend und herausfordernd – und die Tatsache, diese Klasse zu zweit zu segeln, ist für mich besonders wichtig. Mit einem Partner zusammen eine so anspruchsvolle Klasse zu erschließen – das fasziniert mich zusätzlich.
Boris Herrmann ist definitiv ein großes Vorbild – er war der Auslöser für alles.
Aber auch Melwin, Lennart und Tom sind für mich seglerisch wie menschlich sehr wichtige Menschen. Der Traum ist die Vendée Globe – irgendwann.
Es ist das größte Rennen der Welt. Es ist der Traum. Deswegen habe ich das Ganze überhaupt angefangen. Das ist wie mit dem Mini-Segeln: Hat man einmal damit angefangen, möchte man gar nicht mehr aufhören.
Ein wichtiger Baustein ist die Community. Auf unserem Stand auf der boot Düsseldorf 2026 konnte ich die deutsche Mini-Gruppe schon gut kennenlernen. Auch wenn jeder für sich segelt – der Zusammenhalt und das gegenseitige Unterstützen sind essenziell.
Auch in meiner Trainingsbasis in Barcelona sind wir eine starke Gruppe, die sportlich wie menschlich sehr gut zusammenarbeitet. Barcelona ist übrigens eine von nur zwei anerkannten Mini-Trainingsbasen weltweit – neben der französischen Atlantikküste. Wer die Mini-Transat ernsthaft vorbereiten will, kommt an diesen Orten nicht vorbei.
Ich denke, mein Alter ist kein Nachteil. Meine Trainer aus dem 29er unterstützen mich auch im Mini 6.50, und ich kann vieles an Taktik und Wissen direkt anwenden. Am Ende zählen die Wasserstunden und der Einsatz, sich wirklich mit der Materie zu beschäftigen. Die Klasse ist sehr französisch geprägt – ich spreche die Sprache noch nicht gut, aber ich freue mich sehr darauf, sie zu lernen.
Die Community ist toll. Was mich am meisten beeindruckt: Jeder hilft jedem. Ohne diese Einstellung würde es in dieser Sportart nicht gehen. Seemannschaft ist für mich ein sehr wichtiger Teil dieses Vorhabens. Außerdem finde ich die unterschiedlichen Segler sehr spannend – ihren Antrieb, ihre Vision, ihre Geschichten. Wir sind alle sehr verschieden, und doch eint uns alle dieselbe Leidenschaft.
Wir suchen noch Sponsoren. Im letzten Jahr hatten wir für den Anschub bereits eine Förderung, dieses Jahr werden wir aktiv von einer Privatperson unterstützt und wir sind mit Herstellern im Kontakt, die zugesagt haben. Was wir jetzt suchen, ist ein Partner — ein Unternehmen, das an unserer Geschichte mitschreiben möchte.
Bestimmt. Die wird es immer geben – aber das ist für mich kein Problem. Kritik bringt einen weiter. Ich muss lernen, damit umzugehen, Dinge zu reflektieren und dann gemeinsam mit meinem Team, meinem Co-Skipper Max und meinen Trainern daran zu arbeiten. Das gehört dazu.
Von meiner Familie werde ich sehr unterstützt. Wir sind gemeinsam auf einer Reise, die für uns alle ganz neue Anforderungen bringt – das ist manchmal anstrengend, aber die positiven Momente überwiegen definitiv.
Besonders wichtig ist der Rückhalt meiner Schule, denn ohne diesen wäre es allein zeitlich nicht möglich, meine Ziele zu verfolgen. In meiner Segelclique denken vielleicht manche: „Der Konsti ist ganz schön verrückt" – aber ich weiß: Wenn ich Hilfe brauche, kann ich auf meine Freunde zählen.
Einige Menschen verstehen vielleicht nicht, warum ich das so angehe, oder finden mich zu jung dafür. Aber ich kann nicht anders. Es ist meine absolute Leidenschaft.
Ich segle weiterhin 29er – das ist für mich nach wie vor sehr wichtig. Beim Mini plane ich, in diesem Jahr 1.000 Regattameilen oder mehr zu sammeln. Ein großer Teil davon wird aus Doppelhand-Regatten bestehen. Das Gute: Ich kann schon jetzt Meilen für 2029 sammeln. Die Qualifikationsregatten möchte ich 2027/28 segeln, damit ich genug Meilen zusammen habe. Das ist auch deshalb wichtig, weil ich das Rennen noch unter 18 Jahren segeln will.
Ich bin mit meinem Projekt Hoffnungsträger der gleichnamigen Stiftung, die bedürftige Kinder unterstützt. Mit unserem Engagement möchten wir der Stiftung etwas zurückgeben – weil es mir gut geht und ich die Möglichkeit habe, etwas zu tun.
Es gab eine Charity-Gala mit einer stillen Auktion, bei der verschiedene Projekte ersteigert werden konnten. Auch wir waren vertreten und boten dem Meistbietenden an, die Regatta „La Ruta de la Sal" von Barcelona nach Ibiza gemeinsam mitzusegeln. Am Ende waren wir das Projekt mit dem höchsten Gebot und konnten 26.000 Euro für die Projekte der Hoffnungsträger erzielen. Das hat mich unglaublich glücklich und stolz gemacht.
Das große Ziel bleibt die Vendée Globe. Aber bis dahin ist jede Meile, jede Regatta, jede Nacht auf dem Wasser ein Schritt dorthin. Wenn ich durchs Ziel beim Mini Transat fahre und alle jubeln – das wäre schon ein Wahnsinnsgefühl. Und dann geht es weiter.
Mehr Infos zu Konstantin Kurzeja und seinem Projekt finden Sie hier.

Redakteur News & Panorama
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.