Die entscheidende Phase beim Mini-Transat hat begonnen, schon morgen Nachmittag wird der Sieger der Proto-Klasse im Ziel erwartet. Auch wenn der Vorsprung des Uruguayers Frederico Waksman wieder auf über 80 Seemeilen angewachsen ist und es kaum Hindernisse oder mögliche Fallen auf den letzten 260 Seemeilen direkten Kurses gibt, ist das Rennen längst noch nicht entschieden – zumindest nicht das um den Gesamtsieg. Denn hinter ihm lauert der Spanier Carlos Manera auf Platz zwei, er muss die Lücke zwischen ihm und Waksman so gering wie möglich halten, um seine Chancen auf den Gesamtsieg zu wahren.
Denn Manera hatte die erste Etappe von Les Sables d’Olonne nach Santa Cruz de La Palma nach 4 Stunden und 14 Minuten vor Waksman beendet. Allerdings hat sein südamerikanischer Kontrahent derzeit einen geschätzten Vorsprung von ungefähr sechs Stunden und würde damit nicht nur die Etappe, sondern die gesamte 24. Ausgabe des Rennens gewinnen. Auch Wetterexperte Christian Dumard hält diesen Ausgang für sehr wahrscheinlich, wird der Uruguayer in den nächsten Stunden zudem in besseren Bedingungen segeln. Waksman würde Pierre Le Roy als Sieger des Mini-Transats (mit demselben Boot) ablösen, wäre damit nicht nur der erste Uruguayer, sondern sogar der erste Südamerikaner, dem dieser Triumph gelingt.
Zwischen die beiden Führenden wird jedoch aller Voraussicht nach kein weiterer Solist stoßen können. Die drittplatzierte Marie Gendron ist weiter südlich positioniert und muss die übrige Strecke häufig mit schlechteren Winkeln absolvieren. Derzeit ist sie ungefähr drei Knoten langsamer als das Duo Waksmann und Manera und ihr Podestplatz auf der zweiten Etappe akut in Gefahr.
Carolin Boule rangiert als zweitbeste Frau mit ihrem vielversprechenden Foiler-Design “Nicomatic” wieder außerhalb der ersten zehn Plätze. Zwischenzeitlich war sie auf Rang neun vorgefahren, jetzt liegt sie an Position 14. Ganz am anderen Ende der Entwicklung in der Proto-Klasse muss auch Uros Krasevac Rückschläge hinnehmen, nachdem er zwischenzeitlich mit einem der ältesten Designs im Feld für Furore gesorgt hatte. Dann kam es zu Bruch und Reparatur des Bugspriets, zu altem Speed reichte das bisher allerdings nicht. Auch taktisch liegt er für die verbleibenden Seemeilen nicht optimal, sondern sehr weit südlich. Er hat bereits einige Schläge nach Norden gesetzt, liegt noch auf dem achten Platz, wird jedoch noch einige Minis hinter sich lassen müssen, die weiter nördlich den besseren Kurs in Richtung Ziel fahren.
Um das Durchrutschen im Norden zu vermeiden, verholt sich auch der Führende in der Serien-Wertung nach Norden, bei aktuell ungefähr 500 Seemeilen bis zum Ziel. Es handelt sich dabei weiterhin um den Italiener Luca Rosetti. Nur einen Platz und 50 Seemeilen dahinter trumpft der Schweizer Felix Oberle weiterhin groß auf. Allerdings ist das Feld unglaublich eng beisammen. Nur 120 Seemeilen trennen Platz eins und zehn – das ist deutlich weniger als der Abstand der ersten drei Plätze bei den Protos.
Weiter hinten im Feld gab es zudem den ersten Ausfall in der Serien-Wertung zu beklagen. Der Franzose Alexis Rochet hatte wegen Problemen mit der Ruderanlage und dem Autopiloten bereits seit dem frühen Dienstagmorgen in Mindelo auf den Kapverden gelegen und heute der Rennleitung offiziell seine Aufgabe mitgeteilt. Anders als für den US-Amerikaner Peter Gibbons, der ebenfalls einen Zwischenstopp einlegen musste, geht es für ihn also nicht weiter. Stattdessen wird ein anderer Skipper den Mini nach Guadeloupe überführen. Dort wurde mittlerweile das Race Village für den Empfang eröffnet.
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