Fünf Tage lang waren die Segler der 24. Auflage des La Boulangère Mini Transat mit Nordostwind gesegelt, bevor es gestern Nacht zu einem radikalen Dreher kam. Von der jetzt herrschenden südöstlichen Strömung profitieren vor allem die Solisten weiter nördlich im Feld. Sie machen bei direktem Kurs auf Guadeloupe mit einem besseren Winkel deutlich mehr Speed. Die Spannung im Klassement bleibt damit weiter hoch, war doch zuvor die Süd-Route im Vorteil gewesen.
Die ersten, die von dieser Windumstellung profitierten, waren Federico Waksman als Führender bei den Protos und Carlos Manera, derzeit an zweiter Position und auf Kurs Gesamtsieg. Mit der drittplatzierten Französin Marie Gendron, die als erste und einzige Frau in den Top Ten ein sehr starkes Rennen segelt, ist die nächste Konkurrenz jedoch über 150 Meilen südlich von ihnen positioniert. Durch den strategischen Vorteil der Nord-Gruppe wird sich ihr derzeitiger Rückstand von 94 Seemeilen auf Platz eins daher voraussichtlich weiter ausweiten.
Auch aufgrund von technischen Problemen wird es für viele schwer, die Spitze nochmals anzugreifen. Die Bedingungen mit mehreren Squalls täglich sind anspruchsvoll und beanspruchen das Material. Unter anderem kommt es dabei häufiger zu Sonnenschüssen. Im besten Fall bleibt alles unbeschadet, es kann allerdings auch der Bugspriet brechen und das Tuch reißen. Unter anderem hat auch Uros Krusevac, der mit einem sehr alten Design weit nach vorn gestürmt war, seinen Bugspriet verloren. Auch der Franzose Gaby Bucau auf Platz sieben ist nicht nur durch einen Ruderbruch gehandicapt, auch ihm ist der Bugspriet gebrochen. Das gleiche Schicksal ereilte auch den jetzt zehntplatzierten Victor Mathieu.
„In der unmittelbaren Zukunft besteht das Ziel des Spiels vor allem darin, schnell voranzukommen und das Beste aus diesem schönen Passatwind zu machen, der gut etabliert ist“, vermutet Christian Dumard, der Wetterberater der Veranstaltung. Er spricht zudem von beinahe perfekten Bedingungen. Von diesen profitiert derzeit auch Carolin Boule mit dem einzigen Voll-Foiler im Feld. Sie ist die aktuell Schnellste im Feld – seit mehr als vier Stunden loggt sie über 13 Knoten Bootsgeschwindigkeit. Damit holt sie nach ihren technischen Problemen kurz nach dem Start derzeit gut auf, bleibt mit Platz 13 jedoch weiter hinter den Erwartungen zurück.
Ähnlich wie Waksman und Manera bei den Protos, ist auch der Anführer der Serien-Wertung, Luca Rosetti, für die verbleibenden 1.000 Meilen nahezu ideal positioniert. Auch er wird voraussichtlich weiter Boden gutmachen, allerdings liegt das Feld hier deutlich kompakter beisammen. Unter anderem hat der Schweizer Felix Oberle weiterhin Chancen auf den Etappensieg, derzeit ist er Dritter. Hoffnung bleibt der Konkurrenz in beiden Klassen allerdings vor allem für den Schlussspurt bei der Annäherung ans Ziel, wenn sich die Karten noch mal neu mischen könnten. Wie bereits auf der ersten Etappe weiterhin nicht in Fahrt kommt derweil die Österreicherin Lisa Berger, sie liegt auf Rang 49.
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Social Media Redakteur