Tatjana Pokorny
· 06.11.2023
Unter grauen Wolken und begleitet von kaltem Novemberregen, sind die beiden Klassen Ocean Fifty und Class 40 am Montagmorgen in Runde zwei ihrer Transat-Herausforderung gestartet. 40 Class-40-Duos, sechs Ocean-50-Mehrrumpf-Racer und damit insgesamt 92 Segler und Seglerinnen eröffneten in zweieinhalb Meter Welle und Winden um 20 Knoten aus West-Südwest den Hauptteil ihres Rennens. In der Auftaktphase fielen nach dem Start immer wieder auch Böen mit bis zu 40 Knoten über die Crews her.
Für die Ocean Fifties stehen auf dem Kurs von Lorient in den Zielhafen Fort-de-France auf Martinique theoretische 4.200 Seemeilen auf dem Programm. Dabei wird die Kapverden-Insel Sal an Steuerbord gelassen. Die Class-40-Flotte hat 3.750 Seemeilen zu meistern und lässt Madeira an Steuerbord. Beiden Feldern steht eine ruppige erste Woche bevor.
Unter den Class-40-Yachten ist mit dem “Sign for Com”-Duo Lennart Burke/Melwin Fink auch das einzige rein deutsche Trio dieser 16. Transat-Edition. Ganz optimal kamen die Jungprofis nicht ins Rennen. Vom zwischenzeitlichen 34. Platz hatte sich das Duo zweieinhalb Stunden nach dem Start um 10.45 Uhr aber schon wieder auf Platz 24 vorgearbeitet. Tendenz: weiter steigend. Die Neu-Hamburger haben sich mehr vorgenommen und dürften auf ihrem etwa zweieinhalb Wochen währenden Ritt auch mehr zeigen.
Die Führung im Class-40-Feld übernahm zunächst die nach ihrer unverschuldeten Kollision und dem Ausscheiden auf der Sprintetappe von Le Havre nach Lorient erfolgreich reparierte “Seafrigo-Sogestran” mit Cédric Chateau und Guillaume Pirouelle. In ihrem Fall hat die Jury ein interessantes Urteil gefällt: Weil die Franzosen die Sprint-Etappe nicht hatten beenden können, wurden sie zunächst mit der gesegelten Zeit des letzten Bootes im Sprint plus sechs Stunden wieder ins Klassement gesetzt.
Eine weitere Wiedergutmachung wird nach Rennende erfolgen. Dann wird die Zeit der “Seafrigo-Sogestran” für den Sprint ersetzt durch die Zeit, die das Team mit der gleichen Platzierung im Sprint erzielt hatte, die Chateau/Pirouelle nun auf Etappe zwei erreichen. Zum besseren Verständnis: Sollte “Seafrigo-Sogestran” die zweite, große Etappe des Transat Jacques Vabre gewinnen, würde man ihr für die erste Sprintetappe die Zeit gutschreiben, die Ambrogio Beccaria und Nicolas Andrieu als Sprint-Sieger erzielt hatten. Sollten “Seafrigo-Sogestran” auf Etappe 2 beispielsweise Fünfte werden, würde man ihnen für den Sprint die Zeit des Bootes gutschreiben, das auf dem Auftakt-Abschnitt Platz fünf belegt hatte.
Während die Ocean Fifties etwa um den 18. November herum im karibischen Zielhafen Fort-de-France erwartet werden, wird mit der Ankunft des Class-40-Feldes um den 22. November herum, also mit einer Renndauer von rund 16 Tagen gerechnet.
In Le Havre erwarten indessen die Imoca-Crews ihren Start am Dienstagmorgen. Der NDR wird die englischsprachige Originalsendung am 7. November ab 9 Uhr im Livestream seines Online-Sportangebots zeigen.
Boris Herrmann sagte kurz vor dem Start: “Die Wetteraussichten sind zurzeit deutlich kommoder als zur Zeit, als der Start vor einer guten Woche verschoben wurde. Sie sind aber trotzdem nicht ganz ohne. Wir werden noch ein, zwei Wetterfronten mit Böen bis 50 Knoten passieren. Und dann ist da vor allem die große Frage der Strategie: Nordroute oder Südroute? Die Passatwinde werden deutlich kommoder sein, die Nordroute könnte schneller sein. So sieht es im Moment im Modell aus.”
Das ist die große Crux des Rennens: Wir müssen uns beim Westausgang des Kanals zumindest vorentscheiden. Da wird sich die Flotte wahrscheinlich an Tag drei der Regatta teilen.” (Boris Herrmann)
Genauso weiß Boris Herrmann: “Es gibt auch eine große Ungewissheit. Momentan ist eine Reisezeit von 15 Tagen absehbar. So langfristige Wettermodelle sind natürlich sehr ungewiss. Das ist die große Crux dieses Rennens: Wir müssen uns beim Westausgang des Kanals zumindest vorentscheiden. Da wird sich die Flotte wahrscheinlich an Tag drei der Regatta teilen. Mit einem Teil, der nach Westen segelt und quasi angreift durch die harten und rauen Bedingungen des Nordatlantiks, und einem Teil, der die sichere Südroute wählt.
Wir werden erst in gut zehn Tagen wissen, welcher Weg der richtige sein wird beziehungsweise gewesen sein wird. Wir haben noch überhaupt keine Idee, wo es uns dann hinverschlagen wird.”
Bei den Ultims, die als einzige Klasse schon seit gut einer Woche im Rennen sind, verteidigten Armel Le Cléac’h und Sébastien Josse ihre Führung auch an Tag acht. Mit 40 Seemeilen Vorsprung vor “SVR Lazartigue” und 50 Seemeilen vor Titelverteidigerin “Edmond de Rothschild” hatten sowohl die Spitzenreiter als auch alle vier Verfolger den Äquator bereits gekreuzt und die Südhalbkugel erreicht.
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