Porto Cervo zeigte sich zum Finale des Maxi Yacht Rolex Cup noch einmal von einer anderen Seite. Nach einem Regattatag mit kräftigen Mistral-Böen jenseits von 28 Knoten wehte am Samstag eine zunächst rund zehn Knoten starke, später nachlassende Nordostbrise. Sie hielt für die abschließende Küstenwettfahrt über etwa 24 Seemeilen an. Die Strecke führte von Porto Cervo zunächst gegen den Wind Richtung Isola dei Monaci, dann raumschots über den Passo delle Bisce zur Insel Soffi und zurück ins Ziel. Die Klassen Maxi 4 und Maxi 5 segelten eine verkürzte Variante. Der Yacht Club Costa Smeralda (YCCS), Rolex und die International Maxi Association (IMA) beendeten damit eine Woche, die von Leichtwind bis Starkwind fast das gesamte sardische Windspektrum bot.
In der Rolex IMA Maxi 1 World Championship setzte sich „Leopard 3“ klar durch. Die Farr 100 von Joost Schuijff hatte vor dem Finaltag vier Punkte Vorsprung. Mehrere direkte Gegner, darunter „V“ und „Galateia“, mussten nach einem Frühstart zurück an die Linie. „Leopard 3“ nutzte die Situation, kontrollierte das Feld und gewann nach berechneter Zeit mit 3:08 Minuten Vorsprung.
Am Ende stehen für „Leopard 3“ 13 Punkte. „V“ folgt mit 20 Punkten, Titelverteidigerin „Galateia“ mit 22 Punkten. Fünf Siege in sieben Wettfahrten, darunter die letzten vier Rennen in Folge, entschieden die WM. Für „Leopard 3“ ist es nach 2024 der zweite Titel in der noch jungen Maxi-1-WM. Der zweite Regattatag in der Bomb Alley hatte das Klassement zunächst eng gehalten. Im Starkwind gelang der Crew dann die entscheidende Serie.
Die Bedingungen spielten dem ursprünglich auf harsche Offshore-Passagen gebauten und massiv weiterentwickelten Boot offenbar in die Karten. Laut IMA erhielt „Leopard 3“ für diese Saison unter anderem ein überarbeitetes Aerodynamik-Paket mit neuem Baum sowie Verbesserungen bei Balance und Leichtwindleistung.
Noch deutlicher fiel die Entscheidung im Rolex IMA Maxi Grand Prix aus. „Northstar III“ von Peter Dubens stand bereits vor dem letzten Rennen als Weltmeisterin fest. Der 76-Fuß-Bolide gewann zum Abschluss dennoch erneut und rundete damit eine bemerkenswerte Premierenwoche ab. Bis auf die beiden Up-and-Down-Rennen am Starkwindtag gewann die von judel/vrolijk entworfene und bei Persico gebaute „Northstar III“ jede Wettfahrt ihrer ersten Maxi Yacht Rolex Cup. Taktiker Nick Rogers und die Crew blieben dabei ohne Materialschaden, Bruch oder gravierenden Manöverfehler. Im Mistral erreichte das Boot nach Angaben des Eigners 27,2 Knoten Topspeed.
Viel Zeit zur Eingewöhnung hatte die „North Star III“-Crew nicht. Persico ließ sie im Juni vom Stapel, damit war die Arbeit aber längst nicht getan. Seitdem gab es ein zweiwöchiges Training in La Ciotat und anschließend in Saint-Tropez mit Eigner-Steuermann Peter Dubens. Auffällig war die Rumpfform von „North Star III“. Mit dem speerspitzenförmigen Vorschiff im Delta-Stil erinnert die Judel/Vrolijk-Konstruktion ein wenig an Binnenracer vom Typ Libera oder den XL-Einrumpfer der Neuseeländer aus dem skurrilen America’s-Cup-Finale von 1988 gegen den US-Kat „Stars and Stripes H 3“.
Vor dem Maxi-Cup-Finale hatte „Northstar III“ allerdings nicht jede Wettfahrt dominiert. Der Bericht zum ersten Mistral-Tag am Donnerstag zeigt, wie sehr Wind und Seegang die Felder dann doch durcheinanderwirbelten. Am zweiten Starkwindtag gewann „Jolt“ beide Rennen. Die Entscheidungen in den anderen Klassen gingen an „Artemis Bleu“, „Yoru“, „Lunz am Meer“ und den 80-Fuß-Kat „Highland Fling XVIII“, der 34,7 Knoten loggte.
Es gab noch weitere Crews, die sich am Freitag über Druck in der Luft freuten: „Wir hatten 25 bis 26 Knoten – es war ein wirklich schöner Segeltag“, kommentierte Bouwe Bekking von der Maxi 72 „Balthasar“. „Es war äußerst wichtig, dass wir heute gesegelt sind, denn es wäre schade gewesen, nur ein Rennen zu bestreiten und dann nach Hause zu fahren. Ich erinnere mich noch an die 1980er- und 1990er-Jahre, als wir hier bei 40 Knoten gesegelt sind …“
In Maxi 3 gewann „Artemis Bleu“ von James Neville. Die bei Knierim in Kiel gebaute Botin 65 setzte sich vor „Manticore“ und „Twin Soul B“ durch. Für „Twin Soul B“ wog ein Ruderschaden am Donnerstag schwer. Die Mylius 80 FD hatte die Gesamtwertung zuvor angeführt, fiel durch den Ausfall aber zurück.
Die Maxi-4-Wertung ging an „Yoru“. In Maxi 5 war „H2O“ das Maß der Dinge: Die Vallicelli 78 gewann vier der fünf gesegelten Rennen und schloss die Serie mit sechs Punkten ab. „Lunz am Meer“ wurde mit zwölf Punkten Zweite, „Shirlaf“ mit 13,2 Punkten Dritte.
Bei den Multihulls fiel die Entscheidung erst im Tie-Break. „Allegra“ gewann die letzte Wettfahrt vor dem 63-Fuß-Tri „Sophia“ und dem Gunboat 80 „Highland Fling XVIII“. Damit lagen „Allegra“ und „Highland Fling XVIII“ punktgleich. Die drei Tagessiege der „Highland Fling XVIII“ gaben schließlich den Ausschlag für den Gesamtsieg.
Mit dem Maxi Yacht Rolex Cup endete das fünfte Event der IMA Mediterranean Maxi Inshore Challenge 2026. In dieser Gesamtserie führt „V“ vor „Leopard 3“. Das Finale bilden die Les Voiles de Saint-Tropez vom 28. September bis 3. Oktober. Nach dem WM-Sieg vor Sardinien hat „Leopard 3“ dort jedoch wieder eine andere Ausgangsposition: Der Rückstand in der Saisonwertung beträgt laut IMA 54 Punkte.
| Klasse | Platz eins | Platz zwei | Platz drei |
| Rolex IMA Maxi 1 World Championship | „Leopard 3“, 13 Punkte | „V“, 20 Punkte | „Galateia“, 22 Punkte |
| Rolex IMA Maxi Grand Prix World Championship | „Northstar III“, 14 Punkte | „Balthasar“, 25 Punkte | „Jolt“, 28 Punkte |
| Maxi 3 | „Artemis Bleu“, 9 Punkte | „Manticore“, 13 Punkte | „Astra I“, 17 Punkte |
| Maxi 4 | „Yoru“, 11 Punkte | „Fra Diavolo“, 12 Punkte | „Why Not“, 15 Punkte |
| Maxi 5 | „H2O“, 6 Punkte | „Lunz am Meer“, 12 Punkte | „Shirlaf“, 13,2 Punkte |
| Multihull | „Highland Fling XVIII“, 9 Punkte* | „Allegra“, 9 Punkte* | „Sophia“, 13 Punkte |
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Stellvertretender Chefredakteur BOOTE EXCLUSIV
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