America’s Cup: Premiere vor Cagliari – Luna Rossas Silberpfeil ist zurück

Tatjana Pokorny

 · 11.06.2026

Luna Rossa ist die Hoffnungsträgerin der italienischen Herausforderer. Am 10. Juni war sie im laufenden Refit-Prozess erstmals wieder im Einsatz.
Foto: Ivo Rovira/America's Cup
Der 10. Juni wird ein wichtiges Datum in der Teamgeschichte der italienischen Herausforderer vom Team Luna Rossa bleiben: Erstmals haben die Azzurri ihre modifizierte AC75 von der Leine gelassen. Damit ist einer der wichtigsten Meilensteine im siebten America’s-Cup-Anlauf von Patrizio Bertelli und seinem Rennstall gesetzt. Die aktuelle Herausforderung gilt als eine der vielversprechendsten in der Teamgeschichte.

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Es ist nicht lange her, dass Team Luna Rossa im Mai bei der ersten Vorregatta zum America’s Cup vor Cagliari glänzte. Dort gewann das A-Team der Azzurri das erste Kräftemessen von Verteidigern und Herausforderern auf den kleineren AC40-Foilern mit einem starken Auftritt der Steuerleute Peter Burling, Ruggero Tita und ihrer Trimmer. Auch Italiens Nachwuchs glänzte mit Marco Gradoni, Margherita Porro und ihrer Crew, hätte beinahe sogar den Cup-Legenden den Gesamtsieg weggeschnappt. Es war eine imposante Leistungsschau, die Team Luna Rossa Heimatrevier geboten hat.

38. America’s Cup: Luna Rossas Silberpfeil fliegt wieder

Jetzt aber geht es mit der großen AC75-Yacht zur Sache. Team Luna Rossa hat sie am späten Nachmittag und Abend des 10. Juni erstmals im fortlaufenden Refit im Heimatrevier vor Cagliari von der Leine gelassen. Was die neuseeländischen Verteidiger bereits im März taten, als sie ihre Siegeryacht “Taihoro” erstmals wieder fliegen ließen, tun jetzt die Italiener. Als Steuermänner nahmen sich Peter Burling und Ruggero Tita Zeit, sich wieder an die Arbeitsweise auf der AC75 zu gewöhnen.

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Das Recon-Beobachtungsteam, das jedes Team im 38. Louis Vuitton America’s Cup eng begleitet und filmt, notierte dazu seine Beobachtungen: “An den Foils waren die üblichen Kameras angebracht. Am Medienmast waren Antennen sowie ein nach vorne gerichtetes Aufnahmegerät zu sehen. Identische Geräte sind an den Salingen montiert worden, während an den Wanten Schwingungsdämpfer angebracht wurden. Beim Maststellen schien ein kleines Problem aufzutreten.”

Weiter hieß es vom Recon-Team: “Nachdem das Boot segelklar war, wurde es um 17 Uhr mit einem Kran zu Wasser gelassen. Das Team erledigte die verbliebenen Vorbereitungen zügig. Am Kai wurden keine Krängungstests durchgeführt, was darauf hindeutet, dass das Team das FCS zuvor getestet hatte – was möglicherweise durch die modifizierte „Kuppel“-Bootsform zu erklären ist.”

Der erste AC75-Test: vorsichtig, noch etwas instabil, aber schon schnell

​Sobald das Team den Hafen verlassen hatte, beobachtete das Recon-Team dies: “Die Seebrise brach ein. Die Kameras am Steuerbordwing wurden eingeschaltet, das LiDAR-System montiert. Das Boot wurde in Richtung Sella del Diavolo aufs offene Meer geschleppt. Segeldesigner waren an Bord der Begleitboote gegangen und konzentrierten sich auf das neue Großsegel, das um 18 Uhr hochgezogen wurde. Bei der Installation des Großschotsystems sorgte ein defektes Teil für eine Verzögerung. Teammitglieder kehrten zur Basis zurück, um ein Ersatzteil zu holen. Dabei blieb unklar, welches Teil ausgefallen war.”

Der Wind hatte inzwischen auf 14 bis 16 Knoten aufgefrischt. Gegen 19 Uhr begann das Team, auf zwei Boards zu beschleunigen. Am Wind wirkte das Boot laut Recon-Beobachter in Neigung und Fahrhöhe “noch recht instabil”. Eine vorsichtige Halse unter reduzierten Segeln, diverse Trainingsunterbrechungen und immer wieder Einsätze der Techniker demonstrierten das Anfangsstadium der Arbeit mit dem neuen alten Boot. Die Regeln schreiben nach der radikalen Cup-Wende für den 38. America’s Cup vor, dass nur bereits gebaute AC75-Yachten eingesetzt werden dürfen. Die aber haben die Teams maximal optimiert. Und tun es weiter.

​An Speed mangelte es der Azzurri-Rakete beim ersten Testlauf nicht. Der Silberpfeil erreichte zügige geschätzte 40 bis 42 Knoten Geschwindigkeit. Das Team dürfte mit den bisherigen Arbeiten zur Anpassung an die neuen Regeln zum Auftakt zufrieden sein. Neben Burling und Tita waren auch die Trimmer Umberto Molineris und Vittorio Bissaro sowie Maria Giubilei (Backbord) und Marco Gradoni (Steuerbord) auf den Positionen der 5. Person an Bord im Einsatz. Damit waren während der gesamten Einheit immer fünf Segler und eine Seglerin dabei.

Im siebten America’s-Cup-Anlauf: erste AC75-Checkliste auf dem Wasser abgearbeitet

​Im Anschluss zog Luna Rossas CEO eine erste Bilanz. Max Sirena sagte nach der Premiere für die umgerüstete italienische AC75: „Es ist doch immer wieder ein Vergnügen! Jedes Mal, wenn man diese Dame zu Wasser lässt, ist die Begeisterung im Team riesig. Das gehört wohl einfach dazu, wenn man an diesem Ort ist. Jedes Mal, wenn wir dieses Boot zum ersten Mal zu Wasser lassen, weht am ersten Tag ein Wind von über 20 Knoten, aber das ist gut! Ich denke, wir sind ziemlich zufrieden mit dem Tag und dem, was wir erreicht haben. Wir haben alles geschafft, was auf der Checkliste stand.“

Max Sirena sagte auch: „Natürlich wissen wir alle, dass es nicht dasselbe Boot wie in Barcelona ist, oder? Und ich denke, dass jedes Team, sobald es das Boot zu Wasser lässt, wie die Kiwis, sicher neue Dinge zu prüfen und zu testen hat. Der erste Tag ist immer ein wichtiger Tag, oder? Weil man sofort Feedback und Antworten bekommt. Ich denke also, es reicht, heute Abend die Gesichter der Leute rund um die Basis zu sehen. Das ist gut.”

Jedes Mal, wenn wir diese Dame ins Wasser bringen, schlagen die Emotionen im Team hoch.” Max Sirena

​Auf die Frage, was die wichtigsten Entwicklungen in diesem 38. America’s-Cup-Zyklus sein werden, antwortete Max Sirena zurückhaltend, sagte: „Das ist schwer zu sagen. Es ist natürlich der dritte Zyklus dieser Bootsklasse, und wie immer in der Vergangenheit wird der Abstand zwischen den Booten nach vielen Saisons in derselben Klasse immer geringer. Das ist großartig, denn es bedeutet, dass alle ziemlich hart an ihre Grenzen gehen, sowohl in technischer Hinsicht als auch was die Segelmannschaften und die Taktik angeht.”

Ein spannender America’s Cup: Segel-Können hoch im Kurs

Sirena ist davon überzeugt, dass es in der Herausfordererrunde um den Louis Vuitton Cup und im America’s Cup eng und damit spannend zur Sache gehen wird. Den Segelqualitäten der Crews dürfte beim technisch dichteren Zusammenrücken der optimierten AC75-Yachten eine höhere Bedeutung zukommen. Sirena sagte: “Ich denke, es wird ein interessanter Cup werden, der nächste in Neapel. Ich glaube, wir werden wirklich gute Match-Racing-Manöver vor dem Start sehen. Und ich bin ziemlich zuversichtlich, dass jeder auf diesem Gebiet sein Spiel spielen wird.“

Da wird sich sein Team Luna Rossa mit “Neu-Italiener” Peter Burling, der den America’s Cup dreimal in Folge mit dem Emirates Team New Zealand gewann, bevor er zu Luna Rossa wechselte, nicht verstecken müssen. Luna Rossas nächster Segeltag im Heimatrevier von Cagliari ist für den 12. Juni geplant.

Sie segelt wieder! “Luna Rossas” erster Einsatz im neuen Cup-Zyklus. Der Song zum Clip heißt “Where it begins” und ist von Macaron. Passt gut:

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Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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