37. America’s CupFoilender Silberpfeil für Sir Ainslies britische Cup-Jäger

Tatjana Pokorny

 · 23.12.2022

37. America’s Cup: foilender Silberpfeil für Sir Ainslies britische Cup-JägerFoto: Ineos Britannia
Die Leq12 der Briten: "T6" fliegt vor Mallorca

Es kommt immer mehr Bewegung in den 37. America’s-Cup-Zyklus: Kurz vor Weihnachten sind auch die Briten mit ihrem Testboot in die heiße Entwicklungsphase gestartet. Die silberne Leq12 mit Namen “T6” soll in Vorbereitung auf den Bau der neuen Cup-Yacht wichtige Test- und Entwicklungsdienste leisten

So kann man die Zeit kurz vor Weihnachten auch verbringen: eine neue “Segelrakete” zünden, mit bis zu 35 Knoten Speed vor Palma aufkreuzen, abheben und genießen. Das tat Sir Ben Ainslies America’s-Cup-Team Ineos Britannia in dieser Vorweihnachtswoche bei zehn bis 14 Knoten Wind mit großem Genuss.

Von einer Schlepp-Plattform zum Test-Racer

Als Ainslie danach wieder an Land kam, war der erfolgreichste Segler der Olympia-Geschichte voll des Lobes für sein gesamtes Team. Das hatte in den vergangenen Monaten unermüdlich daran gearbeitet, “T6” von einer Datenerfassungs-Schlepplattform in eine voll funktionsfähige sogenannte Leq12 umzuwandeln, die fliegen kann. Eine Leq12 entspricht etwa einer AC75-Yacht im Kleinformat, die von den Cup-Teams zu Testzwecken gebaut werden dürfen.

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Hier hängt die britische “T6” noch am Haken und zeigt ihr UnterwasserschiffFoto: C. Gregory / Ineos Britannia
Hier hängt die britische “T6” noch am Haken und zeigt ihr Unterwasserschiff

Zum Hintergrund: Bislang hatten die Briten die Leq12 mit einem kurzen Schleppmast und Sensorik, aber ohne Segel betrieben. Auf diese Weise wollten sie die für Testzwecke limitierten “Segeltage” umgehen, aber dennoch im Schlepp wichtige Daten beim Foilen generieren. Diese Arbeit in der Grauzone hatte das AC-Regelkomitee in der Folge verboten.

Zum nun gelungenen Segeleinsatz und der Kooperation seines Teams mit den Formel-1-Vordenkern vom Mercedes-AMG Petronas F1 Team sagte der viermalige Olympiasieger Ainslie: “Es ist ein großer Schritt, den America’s Cup mit der Formel 1 zu verbinden. Für viele dieser Ingenieure bedeutet es einen großen Schritt, sich darüber klar zu werden, was alles in einem Boot wie diesem steckt. Wie man die Systeme erst zum Laufen und dann zum Fliegen bringt. Es ist ein großer Schritt nach vorn für das Team. Aber es ist noch ein weiter Weg, bis das Boot voll einsatzfähig ist.”

Hier ist die Testplattform noch ohne Mast im Schlepp im EinsatzFoto: Ineos Britannia
Hier ist die Testplattform noch ohne Mast im Schlepp im Einsatz

Ainslie: “Man vergisst leicht, wie komplex diese Boote sind”

Ihren zeitlichen Rückstand auf andere Cup-Teams, die bereits mit Leq12 oder AC40-Booten testen, wollen die Briten im neuen Jahr zügig egalisieren. Gelingen soll das mit den beträchtlichen Ressourcen von Mercedes-AMG Applied Science beim Finetunig der neuen “T6”. Ainslie beurteilt die anstehenden Aufgaben realistisch: “Ich denke, man vergisst leicht, wie komplex diese Boote sind und welche Systeme in ihnen stecken. Wir gehen mit diesem Boot eindeutig einen anderen Weg. Es hat eine Weile gedauert, das zu verarbeiten, aber wir werden es schaffen.”

Gebaut hatte die “T6” die britische Werft Carrington Boats bei Southampton. In Brackley, wo die Design-Denker vom Team Ineos Britannia am Sitz und mit dem Mercedes-AMG Petronas F1 Team arbeiten, bekam “T6” die Systeme. Anschließend wurde das Boot ins Wintertrainingscamp nach Palma de Mallorca gebracht.

Ein guter Schritt, dem viele folgen werden …

Ainslie bestätigte ein aktuell sehr intensives Segelprogramm seines Teams: “Die Einsatzfähigkeit des Bootes ist noch nicht da, wo sie sein müsste, also arbeiten wir daran. Wir haben eine gute Truppe, und wir werden es schaffen, bevor wir mit weiteren Testserien und Protokollen beginnen, die wir bis zum nächsten Sommer abgearbeitet haben wollen. Es ist ein guter Schritt, das Boot auf die Foils und dann ins Testprogramm zu bringen.” Team- und America’s-Cup-Fans in aller Welt sendete Ainslie Weihnachtsgrüße: “Habt schöne Weihnachten! Und nur das Beste für das neue Jahr!”

Der 37. America’s Cup findet im Herbst 2024 in Barcelona statt. Dort wird das Emirates Team New Zealand die wichtigste Trophäe des internationalen Segelsports verteidigen. Herausforderer sind das Team Ineos Britannia, Alinghi Red Bull Racing, Luna Rossa Prada Pirelli und American Magic vom New York Yacht Club.

Vor dem 37. Duell um den America’s Cup findet der Youth America’s Cup statt, für den sich jetzt auch eine deutsche Kampagne mit Kieler Wurzeln formiert hat. Alles über das embRacing Team Germany findet sich hier.

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