MeinungWie sicher ist Ihre Sicherheitsausrüstung?

YACHT

 · 11.07.2026

Meinung: Wie sicher ist Ihre Sicherheitsausrüstung?
YACHT-Woche – Der Rückblick
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Liebe Leserinnen und Leser,

​zugegeben, als ich die Schlagzeile las, musste ich reflexartig lachen: Direkt an der Festmeile der Kieler Woche, im Reventlou-Hafen, war während der Kieler Woche eine Rettungsinsel explodiert.

Doch das Lachen blieb mir im Hals stecken, als ich weiterlas. „Knall im Hafen, Trümmerregen auf den Stegen…“ Zum Glück des Eigners war das Ding an Deck gestaut, denn die Wucht der Explosion reichte so schon dafür aus, ganze Teile der Segelyacht durch die Luft zu jagen. Einige Budenbetreiber auf der Promenade neben dem Steg meldeten später Schäden an ihren Dächern.

Feuerwehr und Wasserschutzpolizei hatten die Lage schnell im Griff, doch die Yacht war erheblich beschädigt und auch die Nachbarlieger, auf die das aufgewirbelte Material niederprasselte, wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Der Liegeplatznachbar äußerte sich anschließend zu dem Vorgang. Unter anderem beschrieb er den Zustand er Insel als uralt: „ein gutes Vierteljahrhundert über der Wartung“.

Tatsächlich sagten Experten anschließend, dass eine solche Explosion zwar ein absolutes Ausnahmeereignis sei – häufiger komme es vor, dass eine Rettungsinsel aufgrund von Alterung gar nicht erst auslöse – doch sei beides durch die turnusgemäße Wartung auszuschließen.

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In Gedanken ging ich meine Sicherheitsausrüstung durch. Eine Insel gehört zwar nicht dazu, wohl aber Rettungswesten, Feuerlöscher, Signalmunition und dergleichen mehr.

Und wie immer, wenn ich mich mit dem Thema beschäftige, spürte ich auch diesmal jenen unterbewussten Verdrängungsmechanismus, eine innere Stimme, die sagt: „das ist schon alles in Ordnung“. Ein unfreiwilliger Selbstbetrug, der wohl vor horrenden Ausgaben schützen soll – denn Eines ist sicher: wenn es ums Thema Sicherheit geht, kann man immer mehr machen, muss dafür aber auch entsprechend in die Tasche greifen. Viel Geld ausgeben für Ausrüstung, die man im Regelfall gar nicht braucht.

In Maßen ist das verständlich. Welche Maße das sind, ist einzelfallabhängig. Für Daysailing vor der Haustür muss keine Rettungsinsel an Bord, die leichte Regattaweste ist aber selbst hier bei entsprechenden Bedingungen kein Ersatz für ein automatisch auslösendes Exemplar mit ohnmachtsicherem Kragen.

Natürlich gibt es in Deutschland gesetzliche Vorschriften darüber, was aus Sicherheitsgründen zwingend an Bord sein muss. Sie ergeben sich im Seebereich etwa aus den Kollisionsverhütungsregeln und der Seeschiffahrtsstraßenordnung. Etwa, weil eine bestimmte Beleuchtung vorgeschrieben ist, wenn es dunkel wird oder schlechte Sichtverhältnisse herrschen. Oder, weil es unter Umständen Pflicht ist, Signale zeigen und geben zu können.

Einen in Gesetzestext gegossenen Katalog für Sicherheitsausrüstung wie Rettungswesten oder Feuerlöscher – die auf privat genutzten Sportbooten aus Sicht des Gesetzgebers natürlich auch vorhanden sein müssen, um die im Verkehr erforderliche Sorgfalt walten zu lassen – gibt es hingegen nicht.

Ich persönlich finde das auch gut und richtig so, denn: in Ländern, wo es solche Aufzählungen im Gesetz gibt, findet sich an Bord oft Sicherheitsausrüstung, die nur eine Aufgabe hat: der Pflicht zu genügen. Und daher erfüllen dann Rettungswesten und Co. auch oft nur den Mindeststandard und gaukeln schlimmstenfalls sogar Sicherheit nur vor.

Da ist es mir lieber, wenn die Verantwortlichen dazu genötigt sind, sich mit dem Thema eigenverantwortlich auseinanderzusetzen und eine für ihren Anwendungsbereich – Revier, Crew, übliche Nutzung des Bootes – angemessene Lösung zu finden, was die Ausrüstungsgegenstände und ihre Beschaffenheit angeht.

An Orientierung mangelt es hierzulande dabei nicht. Die Broschüre Sicherheit auf dem Wasser etwa wird seit 1978 vom Bundesverkehrsministerium herausgegeben, mittlerweile in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). Das Heft ist kostenlos, sowohl als Download, als auch gedruckt – man kann es bestellen und sich schicken lassen. Die Lektüre ist sehr zu empfehlen, neben der Sicherheit in all ihren Facetten (Boot, Ausrüstung, Vorbereitung, Verhalten etc.) geht es um viele Themen mehr, die den seemännischen Sorgfaltsmaßstab betreffen.

Was die Sicherheit betrifft, empfehlen die Autoren in Kapitel 3 eine dem Fahrtgebiet und der Länge der Reise angemessene Ausrüstung. Für den Seebereich wird ein expliziter Katalog für die empfohlene Mindestausrüstung aufgeführt. Wer diesen Ratschlägen folgt, hält den seemännischen Sorgfaltsmaßstab aus Sicht von Ministerium, BSH und WSV ein, was nicht nur im Ernstfall, sondern auch in Versicherungsfällen oder gar vor Gericht eine große Hilfe sein kann.

Im Gesetz findet sich eine Orientierung durch die klar geregelten Ausrüstungspflichten für gewerblich genutzte Sportboote. Sie unterliegen der Schiffssicherheitsverordnung und der See-Sportbootverordnung. Diese Vorschriften setzen die Solas (Internationales Übereinkommen zum Schutz des menschlichen Lebens auf See) in deutsches Recht um. In Anlage 1 zu § 5 der See-Sportbootverordnung befindet sich ein Ausrüstungskatalog für gewerblich genutzte „große Sportboote“ – das sind „Sportboote mit Kajüte und Übernachtungsmöglichkeiten, die für Fahrten seewärts der Basislinie (Küstenmeer, küstennahe Seegewässer, Hohe See) geeignet und bestimmt sind, insbesondere Segel- und Motoryachten“. Wer also diesen Ausrüstungskatalog zur Grundlage nimmt, wird sich im Ernstfall zumindest von offiziellen Stellen nichts vorwerfen lassen können.

Der Fall aus Kiel zeigt aber, dass die beste Ausrüstung nicht nur nicht der Sicherheit dient, sondern gar selbst zum Risiko für Leib und Leben werden kann, wenn man sich jahrelang nicht um sie kümmert. Das sollte also zur Routine gehören. Vieles kann man dabei selber machen, oft genügt eine Sichtkontrolle oder ein eigenhändiger Funktionstest. Auch wir haben regelmäßig Anleitungen hierzu veröffentlicht. Und über Wartungsintervalle der Rettungsmittel schließlich informiert der Fachverband Seenot-Rettungsmittel e.V. auf seiner Internetseite.

Ich persönlich habe die Nachricht über die explodierte Rettungsinsel zum Anlass genommen, mich gegen die innere Stimme durchzusetzen und vor dem Sommertörn noch einmal alles durchzugehen, was an Bord ist. Und dabei war ich froh, diese Orientierung zur Hand zu haben.

Lasse Johannsen

stellv. YACHT-Chefredakteur

Wie regelmäßig überprüfen Sie Ihre Sicherheitsausrüstung an Bord?
Vor jeder Saison gründlich.
Nur einzelne Teile bei Bedarf.
Erst, wenn etwas auffällt.
Ehrlich gesagt: viel zu selten.

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