Liebe Leserinnen und Leser,
Der Wind pfeift von links; aufheulende Motorengeräusche werden von lauten Rufen und klappernden Fallen am Mast übertönt. Mit starken Böen von Achtern versucht ein Skipper in einer Boxengasse seine Yacht unter Kontrolle zu bekommen. Er überschätzt seine Geschwindigkeit und vergisst, wie sehr der achterliche Wind schiebt, verpasst mehrfach die anvisierte Box und liefert allen in den Boxen festgemachten Yachtcrews durch hektischen Bedienen seines Motors ein echt spannendes Hafenkino.
Während die Yacht vorwärts, seitwärts und dann wieder rückwärts fährt, steht auf dem Vorschiff ein Crewmitglied, das mit lauten Anweisungen versucht dem Skipper die Richtung zu weisen. Der Wind nimmt zu und die Versuche eine Box am Ende der Boxengasse zu erwischen, erscheinen hoffnungs- und zahllos.
Auch zahllos sind mittlerweile die Hilfsbereiten auf dem Steg.
Jeder hat einen Tipp, eine Meinung, die Ansicht es besser zu können und ein Kopfschütteln parat.
Na, finden Sie sich wieder? Sicher können Sie als guter Stegnachbar von ähnlichen Situationen berichten. Man will freundlich anderen Wassersportlern beim Anlegen helfen, doch oft haben diese ihre Yachten nicht unter Kontrolle, sei es bei Lieschen-Müller-Segelwetter oder – und das ist ja noch nachvollziehbar – bei einsetzendem Schietwetter.
Jeder, der eine Yacht bewegt, kommt einmal an den Punkt, wo es mulmig wird und man sich fragt, wie man ein gutes Manöver ohne laute Worte, mit sauberem Yachhandling und einer am Ende des Törns glücklichen Crew hinbekommt.
Wie soll ich es sagen, ohne dass ich als Klugschnacker oder als Weltverbesserer dastehe…gute und rechtzeitige Vorbereitung sowie ruhige und klare Kommunikation mit der Crew sind dabei schon die halbe Miete. Schreien und lautes Rumgemotze an Bord sind wenig hilfreich und hinterlassen nicht unbedingt den besten Eindruck – schon gar nicht bei den neuen Stegnachbarn.
Was auch hilft ist das Ausbringen von der Yachtgröße angemessen großer Fendern auf der richtigen Höhe und eine sauber aufgeschossene Leine, die gut geworfen wird und auch gern schon mit einem Auge versehen ist, sofern sie nicht auf Slip liegen soll.
Jeder, der einer einlaufenden Yachtcrew in brenzligen Situationen zu Hilfe eilt, freut sich, wenn ihm nicht 15 Meter unaufgeschossener Leine um die Ohren fliegen, während man gleichzeitig versucht, den Bugkorb vom Steg abzuhalten.
Der Zeitpunkt spielt bei all diesen Vorbereitungen eine wichtige Rolle. Ist die Yacht erst in der Box, ist es für Heckleine und Fender zu spät.
Was ist nur los an Bord? Haben wir neben schwindenden Werten in der Gesellschaft nun auch an Bord vergessen, wie man sich verhält?
Dinge wie klappernde Fallen im Hafen, quietschende und ruckende Leinen bei zu stramm angebundenen Yachten, dauernd stehende Nationale auch bei abwesender Crew, Festmacher, die so rücksichtslos über den eigenen Leinen hängen, dass man ernsthaft darüber nachdenkt, dem Knäuel mit einem Messer den Gar auszumachen, verdreckte Fender, die an der eigenen Außenhaut schubbern, die man mühevoll im Winterlager aufpoliert hat.
Das alles lässt mich manchmal etwas sprachlos zurück – ähnlich sprachlos wie in dem Moment, als ich als letzte noch verbliebene – zukünftige Stegnachbarin der rastlosen Yacht auf dem Steg eben jenes nasse schwere Leinenknäuel zugeworfen bekam, das mich fast vom Steg fegte.
Muss das sein? Sicher, stressige Momente an Bord sind für die meisten Wassersportler unter uns nicht unbedingte Sternstunden, aber wäre es nicht besser, kurz innezuhalten und zu überlegen, wie man die emotionale Welle ruhig an Land trägt, ohne andere Personen zu verärgern?
Manchmal würde ich mir wünschen, es gäbe eine Art Verhaltens-TÜV an Bord oder eine strengere Unterweisung in den Segel-Knigge, oder wenigstens mal die Gelegenheit meinem Unmut über schlechtes Bootshandling und fehlenden respektvollen Umgang mit anderen Seglern Luft zu machen. Hiermit geschehen.
YACHT-Autorin
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