MeinungHelden zum Anfassen – was die “Sailing City” Kiel bewirken kann

YACHT

 · 24.02.2024

Meinung: Helden zum Anfassen – was die “Sailing City” Kiel bewirken kann
YACHT-Woche – Der Rückblick

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Liebe Leserinnen und Leser,

viel ist passiert in den letzten Tagen: Ein Einhandsegler wurde fernab von Kap Hoorn und Neuseeland beim Golden Globe Race aus Seenot gerettet, bei der Arkea Ultim Challenge versteckten sich einige der besten Segler der Welt auf ihren foilenden Riesentris kurzentschlossen vor einem soliden Biskaya-Sturm im Schutz der Azoren, und es gab gute Neuigkeiten zu einigen sturmflutgeschädigten Häfen an der westlichen Ostseeküste, die zum 1. Mai wieder Boote aufnehmen können. Hipp, hipp, hurra!

Dann sorgte noch eine Nachricht für Furore, die auch ich mit großer Begeisterung verfolgt habe: Kiel wird Starthafen des Ocean Race Europe, das am 10. August 2025 zum zweiten Mal angepfiffen und eine ganze Flotte an Imocas ins Race Village in die Förde locken wird. Hochseesegeln und die Elite unseres Sports hautnah erleben – ein Traum wird wahr!

Die „Sailing City“ Kiel ist für mich aus guten Gründen die schönste Stadt Deutschlands. Das hat nichts mit ihrer Architektur zu tun, sondern mit ihrer Ostseenähe, der überlegenen Segel-Infrastruktur und der Vielfalt an schönen Stränden, die es im nahen Umkreis der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gibt. Hier durfte ich Schiffbau studieren, 470er und Sprinta Sport auf Regattabahnen segeln, unzählige Kitesurfspots kennenlernen und im Jahr 2002 bei einem der eindrücklichsten Ereignisse der deutschen Segelgeschichte live dabei sein: bei der Ankunft und dem Sieg der „Illbruck“ beim Volvo Ocean Race. Die auf Youtube verfügbare NDR-Reportage zu diesem außergewöhnlichen Segel-Spektakel schaue ich mir immer noch gern an und bekomme Gänsehaut.

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Dass Kiel diese Art des Zaubers immer noch beherrscht, konnte die Stadt letztes Jahr beim Fly-by der Ocean-Race-Flotte erneut unter Beweis stellen. An Bord einer kleinen Motoryacht und diesmal mit zwei meiner Kinder im Schlepptau, begleiteten wir das Spektakel vom Kieler Leuchtturm bis in die Innenförde – Wetter, Imocas, Hunderte Begleitboote und eine brechend volle Kiellinie mit Ocean-Race-Fans aus ganz Deutschland spielten perfekt mit und sorgten für Gänsehaut-Feeling. Da war sie wieder, die gefühlt jahrzehntelang vergessene Leidenschaft der Deutschen für den Hochseesegelsport. Insbesondere Boris Herrmann und seinem Team Malizia ist es zu verdanken, dass der Randsport Segeln wieder in den Herzen und der “Tagesschau” angekommen ist. Der 42-jährige Hamburger, der ab 10. November seine zweite Solo-Weltumsegelung Vendée Globe bestreiten wird, sagte zum Kieler Coup im Ocean Race Europe: „Für mich als deutschen Segler und uns als Team Malizia mit starken deutschen Wurzeln ist das natürlich ein Jackpot.“

Auch der Miteigentümer und Veranstalter des Ocean Race Richard Brisius schwärmte bei der Verkündung der frohen Botschaft: „Kiel war zweimal Gastgeber von olympischen Segelregatten und ist als Austragungsort von Europas größter Segelveranstaltung Kieler Woche weltberühmt geworden. Der Start des Ocean Race Europe in Kiel ist eine Chance, die Kraft des Sports zu demonstrieren.“

Geplant ist für den eröffnenden Ocean-Race-Sommergipfel in Kiel ein mehrwöchig aktives Regatta- und Event-Gelände, das sich zwischen Reventlouwiese und Blücherbrücke erstrecken soll. Gesegelt wird die „Kleine Schwester des Ocean Race“ wie auch die kommende Weltumsegelung 2027 ausschließlich auf Imocas. Damit ist die viel kritisierte Zweiklassengesellschaft der vergangenen Edition abgeschafft.

Und für alle Ocean Race- und Malizia-Fans heißt es frühzeitig Hotels buchen, das Boot für die Begleitfahrt am 10. August vorbereiten und auf Wind und gutes Wetter setzen. Wer auf eine Begegnung mit Boris Herrmann hofft, darf sich schon jetzt freuen, denn: „Der Ocean-Race-Europe-Start wird der Öffentlichkeit eine tolle Gelegenheit bieten, unser Team zu treffen, das Boot zu sehen und unser Bildungsprogramm im Jahr 2025 kennenzulernen“, verriet der Ausnahmeathlet, der am 14. März in Hamburg mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wird.

Neben dem Starthafen steht bisher erst ein weiterer der insgesamt sieben Häfen fest: Genua. Ob die italienische Mittelmeer-Metropole allerdings Zielort oder nur ein Zwischenstopp sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt. Klar ist, der Kurs wird über eine Regattadauer von rund sechs Wochen die Ost- und Nordsee, den Ärmelkanal, den Atlantischen Ozean und das Mittelmeer einbeziehen. Die Bekanntgabe der finalen Route des kompakten Sommerrennens ist für dieses Frühjahr geplant.

Ein weiteres Hochseesegel-Highlight liegt mit dem Ocean-Race-Start im Januar 2027 in nicht allzu weiter Ferne. Ob sich dann wieder ein deutscher Hafen für einen Fly-by oder gar einen Zwischenstopp empfiehlt, bleibt abzuwarten. Die Chancen stehen zumindest nicht schlecht, denn wenn Kiel 2002 und 2023 eines bewiesen hat, dann das: Segelparty auf der Förde, das kann sie, die „Sailing City“!

Martin Hager,

Chefredakteur YACHT

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