MeinungFinger weg vom Feuerwerk – auch bei Orca-Attacken!

YACHT

 · 15.02.2025

Meinung: Finger weg vom Feuerwerk – auch bei Orca-Attacken!
YACHT-Woche – Der Rückblick
yacht/bullseye-yacht-woche-michael-2000x500_46123a68a8fc08bbebebb30e0b7e5723

Liebe Leserinnen und Leser,

Als mein Kollege Lars Bolle Anfang der Woche über Segler schrieb, die sich mit Böllern gegen Orcas rüsten, war ich erst entsetzt und dachte nur: geht’s noch?! Die Kommentare zu dem Artikel bei Facebook und Instagram gingen – wie zu erwarten – in die gleiche Richtung. Eine verständliche erste Reaktion.

Bei genauerer Betrachtung kann ich aber auch Verständnis für die Crews aufbringen. Schließlich geht es ihnen um den Schutz ihres Bootes und die Unversehrtheit der Personen an Bord. Sicherlich sucht keine Crew gezielt den Kontakt mit Killerwalen. Ganz im Gegenteil: Auf der Webseite Orca Ibérica werden Warnstufen für betreffende Küstengebiete angezeigt, sodass sich ein Zusammentreffen von Yachten und Orcas möglichst vermeiden lässt. Zudem können Verhaltensregeln beachtet werden, die vorsehen die Segel zu bergen und unter Motor möglichst schnell in flache Küstengewässer zu verholen. Das wird aber vielleicht auch nicht immer eine Option sein, bedenkt man Tidenstrom und mögliche Legerwallsituationen.

Zudem soll ein Gerät namens Wal-PAL per Schallwellen unter Wasser Wale auf Distanz halten. Die Feuerwerkskörper sind dann nur die letzte Verteidigungslinie, wenn wirklich Gefahr für eine Havarie durch angreifende Wale besteht. Genau wie bei Crews, die nördlich des Polarkreises an Land gehen, etwa auf Spitzbergen und selbstverständlich ein Gewehr, für den Fall eines Eisbärangriffs dabeihaben. Klar kommt dann schnell die Grundsatzfrage auf, was Segler in solchen Revieren überhaupt zu suchen haben. Aber dann ist mir ein viel naheliegenderes Beispiel eingefallen, bei dem Tier und Fahrzeug unheilvoll zusammentreffen: Der Wildunfall.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Laut Deutschen Jagdverband kommen pro Jahr deutlich über 200.000 Paarhufer, also Rehe, Hirsche und Wildschweine unter die Räder. Dabei sind noch keine Katzen, Kaninchen und Waschbären mitgezählt. Jedes Jahr, direkt vor unserer Haustür, schrecklich! Maßnahmen dagegen sind spezielle Wildzäune, Reflektoren und Aufklärung der Verkehrsteilnehmer in der Dämmerung an Gefahrenstellen langsamer zu fahren. Teilweise sehe ich bei der Recherche zu diesen Zahlen sehr unschöne Bilder. Die armen Tiere! Dazu kommt aber noch, dass nicht nur Tiere bei den Unfällen zu Schaden kommen, sondern deutschlandweit jedes Jahr zwischen 2000 und 3000 Menschen verletzt werden. 500 bis 1000 schwer, 10 bis 20 sterben jedes Jahr bei Wildunfällen. Dennoch wäre es absurd zu fordern, einfach nicht mehr mit dem Auto zu fahren.

Jeder Fall ist eine Tragödie und es fühlt sich falsch an, Fallzahlen zu vergleichen. Dennoch sind die Zwischenfälle mit Orcas in absoluten Zahlen gering. Seit 2020 (erster dokumentierter Zwischenfall vor Cadiz) wurden über 800 Interaktionen zwischen Killerwal und Booten aufgezeichnet. Berechnungen zeigen, dass in dem am stärksten betroffenen Seegebiet vor der spanischen Küste etwa jedes 100. Boot von einem Orca berührt wird. Drei Yachten wurden bisher versenkt.

Dennoch ist die eins zu hundert Chance vor der spanischen Küste von Orcas angegriffen zu werden beängstigend und Segler sind gerne vorbereitet. Schließlich wird ein Großteil der Sicherheitsausrüstung für unwahrscheinlichere Szenarien mitgeführt. Bei Rettungsweste, Rettungsinsel und Signalmunition immer in der Hoffnung sie nie benutzen zu müssen. Da ist es nur verständlich, dass auch für Walangriffe Maßnahmen vorbereitet werden. Wenn dann Böller mit an Bord geschafft werden, ist beim deren Einsatz bestimmt auch ein Verletzungsrisiko für die Orcas gegeben. Deswegen sollten alle anderen möglichen Präventionsmaßnahmen vorher ergriffen werden. Zudem scheint mir in der vom Kollegen kolportierten Vorgehensweise, eine Schraubenmutter als Gewicht am Sprengsatz zu befestigen, extrem gefährlich. Schließlich könnte dieses Metallstück zum Schrapnell werden und die Verletzungsfahr für Mensch und Tier erhöhen.

Ich habe keine Statistik zu Unfällen mit Feuerwerk gesucht, die Bilder wären sicher noch schwerer verdaulich als die Recherche zu Wildunfällen. Allerdings ist das Risiko, sich auf einer schaukelnden Yacht beim Hantieren mit Feuerwerk zu verletzen sicher hoch. Deswegen kann von den Böllern nur abgeraten werden. Die meisten Wildunfälle ereignen sich übrigens im Frühjahr. Also aufpassen auf dem Weg ins Winterlager und zum Boot.

Michael Rinck

YACHT-Redakteur


Draufklicken zum Durchblicken:

Die Woche in Bildern

Norwegen im Winter – klingt nach Abenteuer! Mit einer geführten Charterflottille ging es zu Walen, Polarlichtern und schneebedeckten Bergen
Foto: YACHT/Andreas Fritsch

Lese-Empfehlungen der Redaktion

yacht/Myproject-122_588dd1e2bf08c53ce7f0b81757956597

Nord- und Ostsee

Bund sichert Millionen für Munitionsbergung zu

boot/100090294_245f4c7714ddb292fdd212954092db05

Minen, Patronen und Torpedos – in Nord- und Ostsee lagern Hunderttausende Tonnen alte Weltkriegsmunition. Nach erfolgreichen Testbergungen in der westlichen Ostsee geht das Mammutprojekt nun in eine neue Phase: Für die kommenden sechs Jahre stellt der Bund jährlich 50 Millionen Euro bereit, und in Rostock soll ein neues Bundeskompetenzzentrum die großflächige Räumung koordinieren. Die geplante Entsorgungsplattform soll 2028 in Betrieb gehen.


Neue Podcast-Folge

Gebrauchtbootkauf - Schnäppchen oder Kostenfalle?

yacht/boote-mit-blauem-yacht-banner-1_c877b8516038054d74e55b9f271db404

Nach dem Boom der Corona-Jahre hat sich der Gebrauchtbootmarkt deutlich verändert: Mehr Angebote und sinkende Preise wecken Hoffnungen bei Kaufinteressenten. In Episode 80 von “YACHT – Der Segelpodcast” spricht Sportbootsachverständiger Uwe Gräfer darüber, worauf Käufer achten sollten, wo echte Chancen liegen und wann ein vermeintliches Schnäppchen teuer werden kann.


“Bubu 3”

Wie ein Eigner seine Bavaria 26 komplett neu dachte

yacht/100218885_f22e6d24d1217924172be5a5bfecf867

Eine Bavaria 26 vom Bodensee wurde zum schwimmenden Unikat. Badeplattform, Bugspriet und Umbauten unter Deck zeigen, wie weit sich ein kleiner Kleinkreuzer neu denken lässt.


Sicherheit

Leckagen sekundenschnell abdichten mit der Leak Stop Gun

yacht/lsg-s-002_9d22fbfbf3e4bbf453861410173f3ba8

Die neue Leak Stop Gun S verspricht schnelle Hilfe bei Wassereinbruch. Ein CO₂-betriebener Ballon dichtet Lecks auf Yachten selbst unter Wasser ab.


Warnemünder Woche

„Skendata-Illbruck“ siegt bei der 88. Rund Bornholm

yacht/2026-07-06-kai-brueckner-start-rund-bornholm-2_c165e4a21b5c426ef7dc2520e7c79ca7

In diesem Jahr musste der Kurs wegen eines Sturms kurzfristig von rund 250 auf etwa 120 Seemeilen verkürzt werden. Auch bei halber Distanz lieferten sich zwei große Regattayachten ein enges Rennen um die schnellste Zeit. Am Ende gewinnt die „Skendata-Illbruck“. Auch in den anderen Wertungsgruppen stehen die Sieger fest.


Rolls-Royce

Phantom Regatta feiert englische Segelkultur

yacht/p90648606-highres-rolls-royce-presents_1e1948b286abfcb4c73a08200ec74c87

Rolls-Royce präsentiert beim Goodwood Festival of Speed im Juli ein Einzelstück: Der Phantom Regatta verbindet Automobilbau mit der Segelkultur der englischen Südküste. Das Extended-Modell zeigt handgemalte Galeriekunst, einen Sternenhimmel nach Gezeitenströmen und Picknicktische in Yacht-Optik.


Oyster 515 bringt Beach-Club-Feeling auf 50 Fuß

yacht/oyster-515-aerial-view_efe15eb62d40473d7d5ffaab260c4e4b

Oyster Yachts präsentiert die Oyster 515 als Nachfolgerin der preisgekrönten 495 und will damit neue Maßstäbe in der 50-Fuß-Klasse setzen.


Team Malizia

“So werdet Ihr sie nie wieder sehen!”

yacht/whatsapp-image-2026-07-07-at-131125_b4e6e60b64c5235402ec5e747ab9fce4

"Malizia 4" hat ihren 90-Grad-Krängungstest bestanden. Team Malizias neue Imoca machte auch dabei einen starken Eindruck. Die Crew freute sich darüber.


Untergang der „Bayesian"

Millionenpoker um Konstruktionsfehler oder Crewversagen

yacht/100195309_59b8bc1ebc1dec1d7e7acd41887cd959

War die „Bayesian" eine Todesfalle – oder hat die Crew versagt? Zwei Untersuchungen, widersprüchliche Befunde und eine Millionenklage im Hintergrund.


Team Malizia

Leichter, schmaler, schneller – Boris Herrmanns neue Imoca-Rakete

yacht/dsc07409_727a59487722a683e96c43f498770b7b

Boris Herrmanns neue Imoca-Rakete in ihrem Element. "Malizia 4" lief am Montagmorgen in Lorients La Base vom Stapel. Noch am Montag wird der Mast gestellt.



Newsletter: YACHT-Woche

Der Yacht Newsletter fasst die wichtigsten Themen der Woche zusammen, alle Top-Themen kompakt und direkt in deiner Mail-Box. Einfach anmelden:

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Meistgelesen in der Rubrik Allgemeiner Service