Liebe Leserinnen und Leser,
wenn Sie AIS an Bord haben, werden Sie es vermutlich lieben. Informationen wie Position, Kurs und Geschwindigkeit anderer Schiffe in der Nähe auf dem Plotter zu sehen ist unterwegs oft Gold wert.
Vor allem beim Segeln in viel befahrenen Revieren, zum Beispiel im Dreieck zwischen Helgoland, Cuxhaven und Weser auf der Nordsee, ist die Technologie ein Segen. Dort treffen viel befahrene Berufsschifffahrtswege aufeinander und Dutzende dicke Pötte liegen auf Reede. Ihre Fahrt auf der Autobahn der Ozeanriesen verfolgen zu können ist großartig. Funktionen wie CPA und TCPA erlauben es, den eigenen Kurs und die Geschwindigkeit vorausschauend anzupassen.
Das allein würde schon Sicherheit bringen, doch bei der Anschaffung einige Hundert Euro mehr in ein Gerät zu investieren, das auch sendet, macht sich auf See durchaus bezahlt. Immer wieder berichten Segler davon, wie die Besatzung eines Frachters – lange bevor es zu einer sehr knappen Passage kommen könnte – ihren Kurs minimal änderte, sodass alles für beide Seiten entspannt bleibt.
Die Kehrseite der Medaille des aktiven AIS: Auch alle anderen sind live dabei. Online-Dienste wie Marinetraffic oder Vesselfinder übertragen die Daten der sendenden Schiffe nahezu in Echtzeit im Internet. Jeder, der weiß, welchen Bootsnamen er sucht, wird fündig. Er kann sehen, wo der Vereinskollege, der Freund, ein berühmtes Boot oder eine flüchtige Segelbekanntschaft gerade unterwegs ist.
Nicht wenige (Langfahrt-)Segler schaffen einen AIS-Transponder mittlerweile durchaus zu diesem Zweck an: Damit Friends and Family zu Hause virtuell mitreisen können und wissen, wo die Crew ist.
Doch eine Begegnung während eines Törns in den schwedischen Schären zeigte mir im letzten Jahr, dass einem längst nicht nur Menschen folgen, die man selbst kennt: Abends am Ankerplatz paddelte ein Mann in einem kleinen Segeldingi zu unserem Boot, kletterte schnell an Bord und stellte sich mit den Worten vor, dass er uns schon einige Tage lang beobachten würde. Wie denn die Wassertiefe in dem kleinen Hafen sei, in dem wir am Vortag waren.
Wir unterhielten uns und er zog ab. Aber die Erkenntnis blieb, wie gläsern wir uns machen und dass auch völlig Fremde offenbar Interesse an unserer Route hatten. Nun lässt sich streiten, ob man mit aktivem AIS durch die Schären segeln muss, oder ob Sinn und Zweck eben nicht eher in der Benutzung auf Seeschifffahrtswegen liegt. Dann aber auch konsequent. Auf dem Rückweg dieses Törns war in der südlichen Ostsee ein Segler ein paar Meilen vor uns zu beobachten, der immer nur dann sendete, wenn ein dicker Pott auf seiner Kurslinie auftauchte. Dieses On und Off war für die anderen Verkehrsteilnehmer eher irritierend.
Natürlich können Marinetraffic und Co auch sehr nützliche Informationsquellen für die Törnplanung sein: Man kann Ankerplätze entdecken oder bei der Interpretation von Kurs und Geschwindigkeit von Booten auf See erahnen, wie die Bedingungen dort sein könnten.
Allerdings frage ich mich, wann all diejenigen, die ein aktives AIS angeschafft haben, (kommerziellen) Online-Diensten wie Marinetraffic gestattet haben, ihre Position ins Internet zu übertragen und aller Welt verfügbar zu machen. Mit dem eigentlichen Zweck – einer besseren Kollisionsverhütung der Schiffe auf See untereinander – hat das nicht viel zu tun.
YACHT-Redakteurin
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