Zahnräder und SperrklinkenSo warten Sie Ihre Winschen

Michael Rinck

 · 02.01.2023

Dekoration: Bei Kohlhoff im Laden stehen zwei Regale voll mit Winschen aus vergangenen Jahrzehnten
Foto: YACHT/N. Krauss

Die  Winschen an Bord tragen auch große Lasten ohne Probleme. Trotzdem sollten sie regelmäßig  gewartet werden. Wir zeigen die wichtigsten Schritte in der Anleitung in unserer Bildergalerie!

Ein großer Teil der Kraft, die in Segeln wirkt, wird von Winschen gebändigt. Werden Code Zero oder Spi gefahren, sind das schnell viele Hundert Kilogramm Zug auf der Winde. Trotzdem kommt ihr häufig wenig Beachtung zu. Auch die Wartungsintervalle der Hersteller sind sehr unterschiedlich und reichen von mehrmals pro Saison bis zu alle zwei Jahre. Da die Winschen meistens auch klaglos ihren Dienst tun, ist ein versäumter Wartungstermin oft kein Problem, zumal der Einsatz auf einer Fahrtenyacht die Technik in der Regel auch nicht überfordert.

Verlagssonderveröffentlichung

Als Minimallösung sollte der Eigner jedoch ab und an einmal die Trommel ohne Last drehen und lauschen: Erklingt das Klicken der Sperrklinken schön regelmäßig, dürfte alles gut sein. Ist ein Doppelklicken oder nichts zu hören, muss dagegen gehandelt werden, und zwar rasch, da dies auf eine oder mehrere nicht einrastende Klinken hindeutet. Das ist der schlimmste Fall, denn so dreht die Winsch unter Last rückwärts. Sie erfüllt dann nicht mehr ihren Zweck und droht zudem mit der wirbelnden Kurbel Crewmitglieder zu verletzen.

Schleif- statt Schmiermittel

Die Fehlfunktion einer Sperrklinke kann mehrere Ursachen haben: eine gebrochene Feder zum Beispiel oder altes, verharztes Fett, das die Klinke verklebt. Verliert das Fett seine schmierende Wirkung, läuft auch die ganze Winsch schwergängig. Zusammen mit im Fett gelösten Dreck wirkt der Schmierfilm dann eher wie eine Schleifpaste, und der Verschleiß an den Lagern steigt.

Dagegen hilft eine Wartung. Im Wesentlichen wird dabei geputzt und gefettet. Dazu wird die Winde in ihre Bestandteile zerlegt. Am einfachsten gelingt das mit einer Bedienungsanleitung. An die kommt man online oder auf Nachfrage beim Hersteller oder Händler. So auch im Fall der hier gezeigten Wavegrip von Lewmar. Diese wurde ab Mitte der achtziger Jahre produziert; bei Sailtec, dem deutschen Händler in Hamburg, gibt es das passende Wartungskit und Tipps. Als Schmutzlöser wird hier Diesel empfohlen.

Händler Peter Kohlhoff, der Andersen-Winschen vertreibt, empfiehlt Bremsenreiniger, weil der sich besser dosieren lässt. Beim Fett kann mit dem Produkt im Wartungskit aber nichts falsch gemacht werden.

Auch das Winschfett von Liqui Moly ist geeignet, es ist zum Beispiel in Baumärkten erhältlich. Wichtig ist, dass keine Mineral­ölbestandteile enthalten sind, die mit Seewasser verseifen. Hersteller Lewmar empfiehlt, die Sperrklinken nicht zu fetten, sondern zu ölen, so können sie nicht verkleben.

Beim Auftragen des Fettes eher sparsam sein, zu viel Schmiermittel kann Drainagen etwa im Ratschenzahnrad verstopfen, und dann läuft Wasser nicht mehr ab. Während des Auseinanderbauens kann ein Karton helfen, dass nichts verloren geht. Beim Zusammensetzen ist er dagegen hinderlich, dann hält Papier das Süll fettfrei.

Frische Klinken und Ersatzfedern sollten vorrätig sein

Wenn die Winde schon einmal zerlegt ist, sollten auch gleich die Federn der Sperr­klinken getauscht werden. Ratsam ist die vorsorgliche Beschaffung von Ersatz, da die Federn beim Demontieren gern wegspringen. Auch wenn die Winde auf See versagt, ist es gut, Ersatzfedern im Werkzeugkasten vorzuhalten. Frische Klinken gehören ebenfalls an Bord. Für besonders harten Einsatz beispielsweise auf größeren Regattabooten gibt es von Lewmar die sogenannten Super Pawl. Sie sind mit einem S gekennzeichnet und widerstandsfähiger.

Auf einem Fahrtenboot reicht ein Tausch alle ein oder zwei Jahre. Schäden an der Winsch kann durch richtige Bedienung vorgebeugt werden: Liegen zu wenige Wicklungen Schot auf der Trommel, geht die ganze Last auf den Abweiser am Selftailer. Wird die Kraft zu groß, bricht der Stripperring, und die Winde arbeitet schwergängiger. Das Teil kann getauscht werden. Selbst für alte Winschen gibt es häufig noch Ersatz.

Die Winsch-Wartung Schritt für Schritt im Video:


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