Propeller-PflegeSo bleiben Drehflügel- und Faltpropeller in Topform

Alexander Worms

 · 13.11.2023

Bling, bling: Ein neuer Drehflügelpropeller ist ein beeindruckendes mechanisches Bauteil
Foto: YACHT/A. Worms
Damit  Drehflügel- und Faltpropeller störungsfrei und lange funktionieren, benötigen sie Pflege. Bewegliche Teile wollen geschmiert und Oberflächen vor Korrosion und Bewuchs geschützt werden

Es ist dieser Moment, den viele Segler lieben: den Hafen verlassen, Segel gesetzt, Motor aus. Der Wind greift in die Segel, das Schiff fährt los. Stille. Herrlich. Leider wird dieser Moment der Ruhe alsbald unterbrochen durch das Surren des Getriebes, der Propeller dreht mit. Das soll zumindest ein Festpropeller auch, wenn es nach den Herstellern von Saildrives geht. Bei Yanmar muss, bei Volvo soll er drehen. Bei mechanischen Getrieben ist das besser.

Kupplung und Zahnräder müssen dann geringere Kräfte aufnehmen; das lastlose Mitdrehen ist weniger schädlich. Dennoch kommt es zu Verschleiß an der Wellendichtung, im Wellenlager und auch im Getriebe sowie bei einer Flexkupplung, falls eine solche eingebaut ist. Kurzum: Es wäre besser, die Welle könnte unter Segeln still stehen bleiben.

Falt- oder Drehflügelpropeller besser für Welle und Getriebe

Damit sie dazu in der Lage ist, ohne das Getriebe oder den Saildrive zu belasten, ist ein Falt- oder Drehflügelpropeller die ideale Lösung. Er stellt sich, wenn die Maschine aus ist, in eine strömungsgünstige Position und reduziert somit Widerstand und Kräfte auf der Welle. Wird nun der Gang eingelegt, leidet das Getriebe nicht, auch der Verschleiß an anderen Komponenten ist nahezu nicht vorhanden. Und es herrscht Ruhe im Schiff.

Weiterer Vorteil: Durch den geringeren Widerstand des Propellers segelt das Schiff schneller. Je nach Propellertyp und Schiff kann das bis zu 1,5 Knoten mehr Speed ausmachen. Das ist eine Menge; üblicherweise wird der Vorteil rund einen Knoten betragen. So werden aus fünf sechs Knoten. Was in der Praxis einen riesigen Unterschied bedeutet: Ein Trip von 60 Seemeilen dauert nicht mehr zwölf, sondern nur zehn Stunden. Womöglich der Unterschied, um ein Ziel noch bei Tageslicht zu erreichen.

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Der Propeller braucht Pflege

Um diese Reihe an Vorteilen genießen zu können, verlangt der Falt- oder Drehflügelpropeller nach ein wenig Zuwendung. Denn im Unterschied zum Festpropeller haben alle anderen Typen bewegliche Teile. Die arbeiten unter Wasser und sind dort eben auch Bewuchs und Abrieb durch Schwebeteilchen im Wasser wie etwa Sand ausgesetzt. Klappt der Propeller zusammen, werden Pocken zermahlen, die sich an den Zähnen festgesetzt haben – das sorgt für weiteres Schmirgeln an den Oberflächen. Da­her: Was sich bewegt, muss geschmiert und gegen Bewuchs geschützt werden.

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Ein weiteres Risiko für die Propeller ist Korrosion. Vor der schützt eine Opferanode. Die haben alle Hersteller in ihren Konstruktionen berücksichtigt. Der Eigner muss sich darum kümmern, dass die Opfermetalle regelmäßig erneuert werden, damit sie ihrer Aufgabe auch nachkommen können. Doch der Reihe nach.

Propeller gründlich reinigen

Das Erste, was geschieht, sobald das Schiff aus dem Wasser kommt, ist ein gründliches Abspritzen des Props. Das kann ruhig mit einem Hochdruckreiniger geschehen. Je mehr Bewuchs noch im feuchten Zustand verschwindet, desto leichter ist die finale Reinigung danach.

Was mit dem Hochdruckreiniger nicht verschwindet, kann mit einem Spachtel abgekratzt werden. Im Anschluss hilft die Wurzelbürste, um weichen Bewuchs zu entfernen. Muschelreste lassen sich so allerdings nicht lösen. Hier hilft nur mehr Nachdruck in Form von Metallbürsten, am besten mit Messingdraht, da dieser keine Rostspuren hinterlässt, oder eben Schleifpapier.

Ein 80er-Korn oder feiner ist prima, je nach Bewuchs. Dabei geht es nicht darum, die Oberfläche anzuschleifen, sondern um das Entfernen von Bewuchs. Dazu so behutsam wie möglich vorgehen. Auch die Nabe des Propellers muss gereinigt werden. Während des Schleifens treten immer wieder Wasser und Fett aus. Letzteres immer wieder mit einem Tuch entfernen, bevor das Schleifen fortgesetzt wird, da dann das Fett nicht unnötig auf der Oberfläche verteilt wird.

Bewuchsschutz auftragen

Ist der Prop metallisch blank, geht es an den Bewuchsschutz. Wer sein Boot in einem Süßwasserrevier liegen hat, benötigt wahrscheinlich überhaupt keinen Bewuchsschutz. Bronze, aus der die meisten Props bestehen, schützt sich mehr oder weniger selbst. Zudem sorgen die hohen Geschwindigkeiten, mit denen die Schraube dreht, für eine ordentliche Reinigung beim Fahren.

Auf Gewässern mit problematischen Bewuchsverhältnissen sollte eine Schutz­beschichtung aufgebracht werden. Die Möglichkeiten dafür sind vielfältig. Von nichts machen und in der Saison reinigen über Melkfett bis hin zu Polituren und Antifouling ist alles denkbar.

Wer Probleme mit Bewuchs hat, der kann seine Stegnachbarn oder den Hafenmeister fragen, ob es eine für das jeweilige Revier passende Lösung gibt. Doch Vorsicht: Ist ein Primer samt Antifouling einmal aufgebracht, erfordert es einige Arbeit, dieses wieder vollständig zu entfernen, wenn der Schutz nicht funktioniert hat. Es ist daher sinnvoll, zunächst mit einfachen Mitteln zu beginnen, bevor mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird.

Ein solch einfacher Weg ist eine Politur wie Telfoprop vom Propellerhersteller SPW. Sie wird ebenso aufgebracht, wie man das von ähnlichen Mitteln für den Rumpf und das Deck gewohnt ist – auftragen, einwirken lassen, aufpolieren, fertig. Die Flächen am Propeller sind klein, die Prozedur ist entsprechend schnell erledigt. Da sich die Po­litur abnutzt, muss sie jedes Jahr neu auf­gebracht werden. Wenn die Politur funk­tioniert, ist das ein probater Weg, um mit wenig Aufwand ein gutes Ergebnis zu erzielen.

Wenn die Politur nicht hilft, muss Antifouling auf den Propeller

Der nächste Schritt, wenn Bewuchs trotz Politur ein Problem bleibt, ist ein Antifouling. „Dabei ist weniger das Antifouling das Problem als vielmehr der Primer. Auf der Bronzeoberfläche mit den hohen Geschwindigkeiten im Wasser hält eben fast nichts“, erklärt ein Experte.

„Meistens beginnt die Farbe an den Enden der Blätter abzufallen, da dort die Geschwindigkeiten am höchsten sind“, weiß David Sheppard von Bruntons Propellers, die den Autoprop bauen und vertreiben. Dann, so der Experte, setze sich dort zuerst Bewuchs an. Auch konzentriere sich mögliche Korrosion auf diese Flächen, was dort zu beschleunigtem Lochfraß führen kann.

„Wir haben positive Erfahrungen mit silikonbasierten Produkten gemacht. Das hat gut funktioniert, war aber auch nach zwei bis drei Saisons wieder weg von der Oberfläche. So eine Beschichtung kostet dann einige Hundert Euro. Da ist dann die Frage, ob sich das lohnt“, gibt ein Fachmann zu bedenken.

Antifouling sollte daher die letzte Möglichkeit des Schutzes sein. Lässt sich ein Anstrich nicht umgehen, weil andere Methoden keine Wirkung zeigen, sollte in Absprache mit den Herstellern des Propellers und der Farben sowie mit Infos der Stegnachbarn eine individuell passende Lösung gesucht werden. Ein Patentrezept jedenfalls gibt es nicht. Ist der Propeller ausreichend vor Bewuchs geschützt, wird er geschmiert.

Nicht zu billig kaufen

Hierfür sollte ein wasserbeständiges Spezial­fett verwendet werden. Meistens enthalten diese Fette Lithium. Die Hersteller geben Spezifikationen vor oder verkaufen gleich das passende Fett. Das ist zwar meist teuer, doch hält eine solche Kartusche auch einige Jahre. Warum also bei einem derart teuren Bauteil wie einem Drehflügelpropeller an dieser Stelle sparen?

Bei Faltpropellern ist die Prozedur denkbar einfach: alle erreichbaren, beweglichen Teile im Inneren der Nabe mit einem Pinsel satt mit Fett einschmieren. Dann die Blätter ein paarmal hin und her bewegen und die Prozedur wiederholen – fertig.

Bei Drehflügelpropellern ist das etwas aufwändiger, wenngleich problemlos machbar. Alle Hersteller haben den Prozess sehr detailliert in ihren Bedienungsanleitungen beschrieben. Die erforderlichen Werkzeuge sind im Lieferumfang enthalten. Beim Kauf eines gebrauchten Bootes mit Drehflügelpropeller also danach fragen, da sonst die Wartung schwierig werden kann.

Zu Beginn zunächst die Schraube des Fettkanals entfernen und die Anode abbauen. Unter der Anode tritt das Fett aus, das durch das neue im Inneren der Nabe verdrängt wird. Um sehen zu können, ob schon genug nachgepresst wurde, muss die Anode also entfernt werden. 
Dann den Schmiernippel einschrauben. Vorsicht: Bronze ist weich, sehr sorgfältig und behutsam vorgehen! Als Nächstes die Fettpresse ansetzen und drücken. Hinten treten dann Fett und Wasser aus. Nach jedem Pumpenhub die Blätter einmal von Anschlag zu Anschlag drehen; diese Prozedur wieder­holen, bis neues Fett austritt. Dann den Nippel entfernen und die Schraube eindrehen. Das ausgetretene Fett entfernen. Das war’s.

Bei Bruntons Autoprop läuft das Ganze ähnlich ab, nur dass zwei Schrauben entfernt werden müssen: Eine, in die der Schmiernippel kommt, und eine andere, aus der das alte Fett austritt. Auch hier so lange weitermachen, bis frisches Fett zu sehen ist.

Keine Angst vor Verschleiß

Eine Besonderheit des Autoprops ist, dass er keine Verzahnungen hat. Durch die Rotation stellt sich automatisch die optimale Steigung ein. Vorteil: Die Zähne können nicht verschleißen. Dafür allerdings müssen die Lager regelmäßig getauscht werden, um die sich die Flügel drehen. Auch das ist dank nachvollziehbarer Anleitung und mit dem entsprechenden Spezialwerkzeug gut machbar. Allerdings sollte der Propeller dafür von der Welle demontiert sein. Der Autoprop ist danach wie neu, so der Hersteller. Die Prozedur lässt sich beliebig oft wiederholen.

Was bei Drehflügelpropellern wie dem Variprop von SPW möglich ist: Die Steigung und sogar die Drehrichtung lassen sich verstellen. Wird also ein neuer Motor eingebaut, und dreht dieser andersherum als sein Vorgänger, muss kein neuer Propeller an­geschafft werden. Auch wenn ein Schiff für eine Saison auf Langfahrt geht und dann deutlich schwerer ist als zuvor, kann es sinnvoll sein, die Steigung vorübergehend entsprechend anzupassen. Diese Vor­gehens­weisen sind in den Manuals der Hersteller genau beschrieben.

Ein Faltpropeller bekommt im Laufe seines Lebens unweigerlich Spiel in den Zahnkränzen sowie an den Laufflächen zwischen den Blättern und der Nabe. Wird das Spiel zu groß, beginnt der Prop zu klappern. „Das spürt man deutlich“, so ein Experte. „Ist aber kein Problem: Den Propeller dann an einen Fachhändler schicken, und der kümmert sich darum, dass er mit Unterlegscheiben repariert wird. Dann hält er wieder eine Weile“, so der Fachmann weiter.

Dreh- und Faltpropeller bringen eine Menge Vorteile mit sich: schnelleres und ruhigeres Segeln, weniger Verschleiß am Antriebsstrang und Flexibilität in der Steigung. Etwas Zuwendung jedes Jahr ist dafür sicher nicht zu viel verlangt.


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