Propeller schützenSo beugen Skipper Schäden am Antrieb vor

Nico Krauss

 · 07.08.2026

Ein Falt- oder Drehflügelprop muss regelmäßig gewartet und geschmiert werden.
Foto: Nico Krauss
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Nicht jeder Schaden am Propeller entsteht erst im Notfall. Viele Probleme entwickeln sich schleichend, etwa durch Elektrolyse, Bewuchs, offene Verzahnungen, fehlende Wartung oder unsauberes Leinenhandling an Bord.


Mehr zur Pflege von Drehflügeln und Faltpropellern steht in Propeller-Pflege, zum Unterwasserzustand in Propeller-Bewuchsschutz, zu Leinen und Material in Tauwerk und zum sicheren Umgang an Steg und Pier in Richtig festmachen.


Text: Nico Krauss; Aktualisierung: Antonia von Lamezan am 06.08.2026

Neben den selbst oder unverschuldeten Schäden durch Fremdkörper in der Schraube und Wellenanlage gibt es noch einige andere Gründe, warum eine Maschine ihre Leistung nicht mehr für den Vortrieb nutzbar machen kann. Ein großer Feind des Propellers und der Welle kann die Elektrolyse sein. Dabei wandern elektrisch geladene Atombestandteile, Elektronen, von einem metallischen Bestandteil des Antriebsstrangs zum anderen.

Denn die Antriebswelle des Bootes besteht aus Edelstahl. An ihr Ende wird auf einem Konus der Propeller montiert, der wiederum aus Bronzeguss gefertigt ist, einer Legierung verschiedener Metalle. Im Kampf der Elektronen verliert die Bronze, mit dem Ergebnis von Unwucht und Rissen bis hin zum Bruch des Materials bei Volllast.

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​Anoden nicht unterschätzen

Ganz vermeidbar sind die galvanischen Ströme nicht. Die Lösung liegt im Einsatz von Opferanoden auf der Welle und am Propeller selbst, die quasi als schwächstes Glied in der Kette unterschiedlicher Metalle die zerstörerische Energie durch Selbstauflösung eliminieren. Die Notwendigkeit und Wirksamkeit von Anoden werden von Bootseignern oftmals unterschätzt. „Eine fehlende oder zur Hälfte abgenutzte Anode sollte unbedingt ersetzt werden“, erläutert Manuel Keinberger, der Geschäftsführer bei Kiesow Schiffsmotoreninstandsetzung in Kappeln ist. Aus Erfahrung weiß Keinberger, dass hier ein teures Markenprodukt deutlich mehr Effektivität aufweist als ein Schnäppchen aus der No-Name-Abteilung.

​Nicht immer ist Korrosion hausgemacht

In der Flensburger Förde wurde der Eigner einer Stahlyacht vom Hafenbetreiber aufgefordert, seine Yacht zu „erden“, damit es bei den Nachbarliegern nicht zu „galvanischen Problemen“ komme. Bei seinem Stegnachbarn hatte sich in kurzer Folge die Welle destabilisiert und war porös geworden. Verursacher der starken Fremdströme war aber letztlich nicht der Stahlrumpf, sondern eine defekte Elektroanlage am Steg, die elektrische Ströme ins Wasser leitete.

Diese Fremdströme kriechen durch die leitenden Teile der Yacht, Anoden altern schneller und an der Wellenanlage oder am Saildrive wird erhebliche Korrosion mit Folgeschäden angerichtet. In modernen Marinas ist das Szenario nahezu auszuschließen, doch wie das Beispiel zeigt, kann es in veralteten Häfen mit maroder Verkabelung und mangelnder Absicherung durchaus dazu kommen.

​Bewuchs, Verzahnungen, Montagefehler

Laut Propellerhersteller SPW ist neben der Elektrolyse und Fremdeinwirkung durch Treibgut auch der Bewuchs und damit der Effizienzverlust problematisch. Zudem kann bei Faltpropellern die offene Verzahnung beschädigt werden, und zunehmender maritimer Bewuchs beeinträchtigt die Funktion und fördert den Verschleiß. Beim Drehflügelpropeller ist die Mechanik in einem geschlossenen Gehäuse vor Bewuchs geschützt. Hier ist es für eine längere Lebensdauer wichtig, den Drehflügelpropeller regelmäßig zu fetten, um Verschleiß der Verzahnungen zu verringern.

Eine weitere Gefahr, unter Maschine nicht mehr manövrierfähig zu sein, ist die mangelnde Befestigung des Propellers auf der Welle, was nicht selten den kompletten Verlust der Schiffsschraube zur Folge hat. „Wenn sich beispielsweise die Welle-Propeller-Verbindung löst, dreht die Schiffsschraube frei auf der Welle oder fliegt ganz ab“, resümiert Ragnar von Winterfeld, Sachverständiger für Yachtbau und Schiffstechnik. Mangelnde Wartung der wichtigen Halteelemente, unbemerkter Verschleiß und falsche Montage können zu diesem unerwünschten Ereignis führen. „Die Reparatur und Instandsetzung dieser sensiblen Bereiche sollten Bootseigner ohne technische Vorkenntnisse einem Fachbetrieb überlassen“, findet von Winterfeld und fügt hinzu: „Wartung und Pflege können Segler aber selbst übernehmen.“

​Auch Crew und Schaltung gehören zur Vorbeugung

Auch wenn es technisch wie geschmiert läuft, kann es bei der Crew trotz gebotener Vorsicht, Umsicht und Weitsicht zu Fehlern kommen. Beim An- und Ablegen als Standardmanöver sind unbeabsichtigt im Wasser treibende Leinen seltener. Wird aber beispielsweise an Schären festgemacht oder lange Leinen sollen zusätzlich Landsicherung geben, kann es unübersichtlich werden.

Wenn jetzt noch der Wind dreht und ein nächtliches Ablegemanöver notwendig macht, wird es bunt. Dann ist die Situation komplexer als erwartet, lose Leinen können im Wasser landen und, vom Schraubenwasser angezogen, die Welle blockieren. „Der Steuermann sollte das natürlich im Blick haben, aber in schwierigen Situationen und besonders bei Dunkelheit sollte ein Crewmitglied explizit die Tampenkontrolle übernehmen“, schlägt von Winterfeld vor. „Im Grunde geht es aber um eine Sensibilisierung der gesamten Crew mit folgender Fragestellung: Wie funktioniert die Antriebstechnik, wie vermeide ich Schäden und wie reagiere ich auf ein mögliches Problem?“

Das fängt für von Winterfeld schon bei der Nutzung des Schalthebels an: „Von Vorwärts nach Rückwärts in einem Schlag, autsch! Das tut allen Antriebseinheiten richtig weh und nimmt dem Material die Lebensdauer, wenn es nicht sogar ad hoc zum Schaden führt.“ Auf den direkten Durchmarsch des Hebels reagiert der Sachverständige in seinen Workshops mit der einfachen Erläuterung physikalischer Grundlagen. Das kann Propellerleben retten.

Achtsam am Antriebsstrang

  • Regelmäßige Sichtüberprüfung auf Risse und Korrosion
  • Angelsehne und Tampenreste entfernen
  • Propeller reinigen und fetten
  • Offene Verzahnung reinigen, Bewuchs entfernen
  • Wellenabdichtung alle sechs bis acht Jahre erneuern
  • Wellenendlager prüfen - bei 0,5 - 1,0 mm Spiel an der Welle tauschen
  • Anoden ab halber Abnutzung erneuern
  • Sicherung Propeller je nach Bauart mit Kronenmutter und zusätzlich Splint
  • Schulung und Sensibilisierung der Crew betreffend Gegenstände im Wasser und Nutzung der Schaltung
  • Einhandsegler besondere Konzentration bei Hafenmanövern mit Festmachern

Serie: Propeller-Notfall und Antriebsschutz

Die Serie zeigt, was im akuten Notfall zu tun ist, welche Folgeschäden drohen, wie sich Probleme vermeiden lassen und welche Ausrüstung an Bord sinnvoll ist.


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Nico Krauss

Freier Fotograf

Nico Krauss ist gebürtiger Hamburger, aufgewachsen zwischen Nordsee und Wattenmeer vor Sylt. Dort lernte er auf einer kleinen Jolle segeln. Seit den 1990er-Jahren ist der Fotograf und Texter auf maritime Motive spezialisiert und gehört zu den renommiertesten Wassersportfotografen Europas. Neben Reportagen für YACHT und BOOTE sowie den DK-Buchverlag fotografiert er für seine Galerie. Er hat ein Faible für klassische Yachten und Fahrtensegeln; seine alte Hallberg-Rassy 31 bringt ihn am liebsten nonstop in die schwedischen Schären oder in die norwegischen Fjorde.

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