Pascal Schürmann
· 13.02.2026
Heute, am 13. Februar, wird weltweit der World Radio Day begangen. Er ist der Bedeutung des Radios als Kommunikationsmittel gewidmet. Der Tag wurde 2011 von der UNESCO proklamiert und 2012 von der United Nations-Generalversammlung offiziell anerkannt. Erinnert werden soll damit an die Gründung des United Nations Radio am 13. Februar 1946.
Ziel ist es, die Rolle des Radios als Medium der Information, Bildung und des Dialogs zu würdigen und den freien Zugang zu Funkkommunikation weltweit zu fördern.
Die Geschichte des Radios reicht mehr als ein Jahrhundert zurück und ist eng mit der Entwicklung der drahtlosen Kommunikation verknüpft. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gelang es dem italienischen Ingenieur Guglielmo Marconi, drahtlose Signale über weite Distanzen zuverlässig zu übertragen. Für die Schifffahrt war das eine technische Revolution: Erstmals konnten Schiffe außerhalb der Sichtweite miteinander und mit Landstationen kommunizieren.
Marconis Erfolg, der sich zu seiner Zeit mit unzähligen Skeptikern auseinandersetzen musste, setzte ein, als 1899 ein Funkruf eines gestrandeten Schiffs Erste Hilfe signalisierte – ein Meilenstein der Funkgeschichte und ein erster Beleg für den lebensrettenden Einsatz der Funktechnik auf See.
Ein dramatischer Wendepunkt war dann 1912 der Untergang der „Titanic“. Deren per Funk gesendeten Notrufe führten dazu, dass rasch Rettungsschiffe Kurs auf den Havaristen nahmen und viele Menschen gerettet werden konnten. Dieses Ereignis beschleunigte internationale Vorschriften zur Funkpflicht an Bord erheblich und machte den Seefunk zu einem festen Bestandteil maritimer Sicherheitssysteme.
Für die Seefahrt wurde Radio mithin unverzichtbar: Funkwellen ermöglichen eine Kommunikation über die Sichtweite hinaus. Die frühen maritimen Funkdienste nutzten dazu unter anderem den internationalen Notrufkanal 500 kHz, der über viele Jahrzehnte standardmäßig für Morse-Code-Notsignale gedient hat.
Bis Ende des 20. Jahrhunderts dominierten große Küstenfunkstellen – etwa die berühmte Station Portishead Radio in England oder hierzulande Norddeich Radio – die weltweite maritime Kommunikation. Von den 1920ern bis zum Jahr 2000 sorgten solche Sender für rundfunk- und seefunkbasierte Verbindungen zwischen Schiff und Land.
Mit der Zunahme des Schiffverkehrs und der technischen Möglichkeiten wurde die Funkkommunikation zunehmend international strukturiert und reguliert. Ein wesentlicher Fortschritt war die Einführung des Global Maritime Distress and Safety System (GMDSS), das 1999 vollständig in Kraft trat.
Dieses System ersetzte traditionelle Morse-Seefunkverfahren durch ein modernes, digital unterstütztes Verfahren, das nicht mehr auf kontinuierliches manuelles Abhören angewiesen ist, sondern zum Beispiel über Digital Selective Calling (DSC) automatische Notrufe mit Positionsdaten ermöglichen kann.
DSC lässt ein Funkgerät automatisch standardisierte Nachrichten versenden, wie eben etwa Not- oder Sicherheitsanrufe, ohne lange Sprachverbindungen aufbauen zu müssen. Diese digitale Funktion ist heute Standard in den meisten VHF-Funkgeräten und stark in die internationalen Sicherheits- und Rettungssysteme integriert.
Für Berufsschiffe aller Größen und für Schiffe auf internationalen Fahrten ist eine Seefunkausrüstung mit GMDSS-fähigem Funkgerät vorgeschrieben. Doch auch im Bereich der Sportboot- und Freizeitschifffahrt spielt der Seefunk heute eine bedeutende Rolle. In vielen Revieren, insbesondere auf Seegebieten wie der Nord- und Ostsee, sind UKW-Seefunkgeräte mit DSC-Funktion längst Standardausrüstung auf Segel- und Motorjachten.
Im Freizeitbereich ist der Seefunk damit nicht nur ein Sicherheitsinstrument, sondern auch ein verbindendes Medium, das hilft, Situationen zu koordinieren, Gefahren zu minimieren und den Alltag auf dem Wasser einfacher und sicherer zu gestalten.
Gerade am World Radio Day wird deutlich: Funk ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten. Er ist ein hochmodernes, robustes und lebensrettendes Kommunikationssystem. Während Smartphones unseren Alltag dominieren, bleibt der Seefunk auf See oft das verlässlichere Mittel.

Textchef YACHT
Pascal Schürmann hat 2001 bei der YACHT in Hamburg als Textchef angeheuert. Den Umgang mit Pinne und Schot lernte er als Jugendlicher in der Wanderjolle auf dem Sneeker Meer sowie auf dem Dickschiff auf dem IJsselmeer. Während und nach dem Studium folgten Törns auf der Ostsee und im Mittelmeer. Als gelernter Wirtschaftsjournalist kümmert er sich zudem um Bootsfinanzierungs- und Yachtversicherungsberichte, hegt aber auch ein Faible für Blauwasserthemen.