Komfort aus der SteckdoseElektrisch kochen an Bord

YACHT-Redaktion

 · 27.08.2022

Komfort aus der Steckdose: elektrisch kochen an BordFoto: Frank Reinecke

Kochen ohne Gas: Wir zeigen, welche Haushaltsgeräte auch an Bord sinnvoll sind und wie groß der Aufwand ist, um sie unabhängig vom Landstrom nutzen zu können.

Was den Komfort an Bord betrifft, hat jeder Eigner seine eigenen Bedürfnisse. Die Pantry auf Serienbooten ist meistens mit einem kardanisch aufgehängten Gaskombigerät bestehend aus Ofen und Herd mit mindestens zwei Flammen ausgestattet. Viele Serienboote sehen die Nutzung der blauen 2,75-Kilogramm-Butangasflaschen („Campingaz“) vor. Wenn die Anlage regelmäßig kontrolliert und gewartet wird, spricht wenig dagegen. Butangas ist eine hocheffiziente Energiequelle, und es kocht sich mit Gas sehr gut. Allerdings sind die Flaschen auch vergleichsweise teuer, bei häufigem Kochen schnell leer und auch nicht überall auf der Welt erhältlich. Daher nutzen viele Segler im Hafen zusätzliche Elektrogeräte mit Landstromanschluss. Das ist vor allem bei Langfahrern üblich, schließlich verbringen sie deutlich weniger als 20 Prozent der Zeit auf Passagen und den weitaus größeren Anteil in Ankerbuchten oder eben Marinas. Die Voraussetzungen dafür sind auf den meisten Serienbooten mit einem Landanschluss und 230-Volt-Bordnetz sowieso vorhanden.

Wenn man den Wasserkocher oder auch Induktionsplatten ohne Landstrom nutzen möchte, werden noch ein leistungsfähiger Inverter, ausreichend Akkukapazität und Energiequellen zum Nachladen benötigt. Der Inverter, auch Wechselrichter genannt, wandelt die Gleichspannung des Bordnetzes in eine 230-Volt-Wechselspannung um. Damit nicht nur simple Wasserkocher fehlerfrei funktionieren, sollte ein Gerät mit sauberem Sinus, oft auch „pure sine“ genannt, gewählt werden. Wichtig für die Nutzung von Haushaltsgeräten ist, zu verstehen, mit welcher elektrischen Leistung diese Geräte arbeiten. Die elektrische Leistung wird mit „P“ bezeichnet und in Watt angegeben. Sie ist das Produkt aus der elektrischen Spannung und dem Strom.

Sauberer Sinus: Der Inverter wandelt den Gleichstrom des Bordnetzes in 230 Volt Wechselspannung um. 
Einfache Modelle erzeugen jedoch einen treppenförmigen Spannungsverlauf, was bei Geräten mit elektronischer Regelung zu Problemen führen kann. Daher sollten Inverter mit dem Zusatz „reiner Sinus“ oder „pure sine“ gewählt werden, sie erzeugen Strom wie aus der LandsteckdoseFoto: Hersteller
Sauberer Sinus: Der Inverter wandelt den Gleichstrom des Bordnetzes in 230 Volt Wechselspannung um. Einfache Modelle erzeugen jedoch einen treppenförmigen Spannungsverlauf, was bei Geräten mit elektronischer Regelung zu Problemen führen kann. Daher sollten Inverter mit dem Zusatz „reiner Sinus“ oder „pure sine“ gewählt werden, sie erzeugen Strom wie aus der Landsteckdose

Wichtiges Kriterium: wie viel Ampere?

Beispiel Wasserkocher: Dieser wird mit der üblichen Wechselspannung von 230 Volt betrieben. Auf dem Typenschild stehen die Werte für die Wechselspannung: 220–240V, die Frequenz: 50/60Hz und die Leistung: 1.250–1.500W. Da die Stromnetze mit Schwankungen belegt sind, werden auf vielen Damit ergibt sich für eine Netzspannung Inverter: Wechselstrom aus dem Akku von 230 Volt eine Leistung von 1.375 Watt. Der Strom wird berechnet, indem man die Leistung durch die Spannung teilt, womit sich im Beispiel ein Strom von 5,98 Ampere ergibt. Das bedeutet, unsere Landstromversorgung sollte mindestens sechs Ampere Strom liefern, was in den meisten Häfen inzwischen kein Problem ist.

Außerhalb der Ostsee sind oft sogar 16 Ampere pro Steckdose verfügbar. Will man den Wasserkocher vor Anker verwenden, muss der Wechselrichter die nötige Leistung bewältigen. Dabei gilt es, zwischen zwei Werten zu unterscheiden, denn neben der Dauerleistung wird in der Regel auch die Maximalleistung des Inverters angegeben. Für den Wasserkocher, der ja mehrere Minuten in Betrieb ist, ist die Dauerleistung relevant. Die Maximalleistung liegt oft doppelt so hoch, der Inverter verkraftet sie aber nur ein paar Millisekunden. Gerade lange genug, um die höheren Einschaltströme von Elektrogeräten mit Motor abzupuffern. Beispielsweise ein handelsüblicher Mixer in der Pantry. Er ist mit 400 Watt Dauerleistung angegeben. Beim Einschalten des Gerätes ist mit einer bis zu sechsfachen Leistungsaufnahme zu rechnen. Das bedeutet, für die Inbetriebnahme eines solchen Gerätes muss der Wechselrichter für Sekundenbruchteile 2.400 Watt liefern.

So viel Watt benötigen die einzelnen Geräte beim Kochen an Bord

Empfehlenswert ist eine Dauerleistung von 2.000 Watt oder mehr, damit ist man in der Pantry in der Regel auf der sicheren Seite. Denn es ermöglicht die Nutzung der gängigsten Küchengeräte bis hin zur Induktionskochplatte. Dazu eine Auflistung der typischen Leistungsaufnahmen:

  • einzelne Herdplatte oder ein Induktionsfeld: bis zu 2.000 Watt
  • Doppelte Herdplatten haben meistens ein Feld mit etwa 2.000 Watt und ein zweites Kochfeld mit etwa 1.500 Watt
  • Kombigeräte mit Backofen, Mikrowelle und Grill: etwa 2.000 Watt
  • Wasserkocher, Kaffeeautomat oder Kaffeemaschine: etwa 1.500 Watt
  • Brotbackautomat: etwa 600 Watt
  • Reiskocher, Mixer: etwa 400 Watt

Bei der Neuanschaffung eines Wechselrichters sollte auch über ein Kombigerät nachgedacht werden. Diese vereinen Inverter und Landstromlader in einem Gehäuse, das spart Platz und vereinfacht die Installation. Je nach Modell können damit auch zu schwach abgesicherte Landstromanschlüsse aus dem Akku unterstützt werden. Ursprünglich waren diese Unterstützungsfunktionen dafür gedacht, mit einem Generator als primärer 230-Volt-Stromquelle zu arbeiten, sie funktionieren aber am Landnetz genauso gut. Landstrom und Wechselrichter werden intern parallel geschaltet.

Wandeln und laden: Sitzen Ladegerät und Inverter in einem Gehäuse, spart das Platz und Kabel. Praktisch 
ist eine Netzvorrangschaltung, dann spart man sich im Hafen das Umschalten der Stromversorgung. Um Küchengeräte zu betreiben, sollte der Inverter eine Dauerleistung von mindestens 2.000 Watt besitzen. Markengeräte in dieser Klasse kosten rund 1.100 Euro. Als Kombi mit Lader muss man etwa 1.500 Euro anlegenFoto: Frank Reinecke
Wandeln und laden: Sitzen Ladegerät und Inverter in einem Gehäuse, spart das Platz und Kabel. Praktisch ist eine Netzvorrangschaltung, dann spart man sich im Hafen das Umschalten der Stromversorgung. Um Küchengeräte zu betreiben, sollte der Inverter eine Dauerleistung von mindestens 2.000 Watt besitzen. Markengeräte in dieser Klasse kosten rund 1.100 Euro. Als Kombi mit Lader muss man etwa 1.500 Euro anlegen

In Deutschland ist eine Überwachung vorgeschrieben

Der Pferdefuß dabei: Zumindest in Deutschland verstößt man gegen die Vorschriften: Da das System prinzipiell ins Landnetz speist, ist eine sogenannte ENS (Einrichtung zur Netzüberwachung mit zugeordneten Schaltorganen) vorgeschrieben, welche die Einspeisung unterbricht, falls das Landnetz ausfällt. Ohne automatische Unterbrechung wird die Yacht zum E-Werk und versorgt den Hafen trotz ausgelöster Hauptsicherung quasi rückwärts mit 230 Volt. Die Wechselrichter besitzen zwar eine automatische Netzüberwachung, diese ist aber im Allgemeinen nicht als ENS zugelassen. Der Vorteil ist, dass diese Geräte beim Ausfall des Landstromes eine unterbrechungsfreie Spannungsversorgung mit 230 Volt zur Verfügung stellen. Einer Reihe weiterer Vorteile steht ein Nachteil entgegen: Wenn das Gerät ausfällt, stehen sowohl Ladegerät als auch Inverter an Bord nicht zur Verfügung.

Ein solcher Lader-Inverter ist zum Beispiel der CombiMaster 12/3000-100 von Mastervolt. Er liefert maximal 5.200 Watt und auf Dauer 2.600 Watt und kann die Bordakkus mit einem Strom von bis zu 100 Ampere füllen. Rund 1.700 Euro muss man für das 9,3 Kilogramm schwere Gerät anlegen. Wer mehr Leistung benötigt, dem stehen Geräte wie der Mass Combi Ultra von Mastervolt zur Verfügung. Hauptmerkmal ist die Möglichkeit, diese Geräte in einer Parallelschaltung zu betreiben. Das bedeutet, es lassen sich sowohl Ladestrom als auch die Inverter-Leistung erhöhen, indem mehrere Geräte gekoppelt werden. Außerdem arbeiten die parallel geschalteten Geräte redundant. Beim Ausfall eines Inverters kann zumindest mit der halben Leistung weiter gekocht werden. Das kleinste Gerät der Ultra-Serie liefert bereits 3.000 Watt, kostet aber auch schon über 3.000 Euro

Lithium-Akkus sind ein Teil der Lösung: Das oben gezeigte Paket aus Winston-Zellen hat eine Kapazität von 700 Amperestunden und verkraftet auch sehr leistungsfähige Inverter. Damit sind auch ausgiebige Kocheinlagen unterwegs oder vor Anker kein Problem. Trotzdem sollte die Energiebilanz ausgeglichen sein, sprich: Zwischen den warmen Mahlzeiten muss ausreichend nachgeladen werdenFoto: Frank Reinecke
Lithium-Akkus sind ein Teil der Lösung: Das oben gezeigte Paket aus Winston-Zellen hat eine Kapazität von 700 Amperestunden und verkraftet auch sehr leistungsfähige Inverter. Damit sind auch ausgiebige Kocheinlagen unterwegs oder vor Anker kein Problem. Trotzdem sollte die Energiebilanz ausgeglichen sein, sprich: Zwischen den warmen Mahlzeiten muss ausreichend nachgeladen werden

Installation nur von Profis

Egal für welche Lösung man sich entscheidet: Derartig leistungsfähige Inverter erfordern eine professionellen Installation. Dabei geht es insbesondere um den Einbauort und den Kabelquerschnitt zwischen dem Akku und dem Inverter. Beide Geräte sollten möglichst nah zueinander installiert sein. Denn um die für die Küchengeräte nötige Leistung auf der 230-Volt-Seite zur Verfügung zu stellen, sind im Bordnetz enorme Ströme nötig. Geht man von einer Bordspannung von 12,8 Volt und den 1.375 Watt des Wasserkochers aus, so ergibt sich bei einem Wirkungsgrad von 76 Prozent ein Strom von rund 140 Ampere. Schon bei einem Abstand von zwei Metern bedeutet das, es müssen Kabel mit einem Querschnitt von 35 Quadratmillimetern verlegt werden. In der Realität ist für die Auslegung der Kabel die maximale Leistung des Inverters entscheidend. In der Regel gibt der Gerätehersteller die nötigen Querschnitte in der Anleitung vor. Dass sich derart dicke Kabel nicht per Lüsterklemme anschließen lassen, versteht sich von selbst, will sagen: Auch beim Konfektionieren der Leitungen sind professionelle Kabelschuhe und die entsprechenden Presswerkzeuge nötig.

Die hohen Ströme können auch für die Bordakkus problematisch sein, zumindest wenn die Energiespeicher noch mit Blei und Säure arbeiten. Die maximale Dauerstromabgabe hängt stark von der Größe des Akkus ab. Bei Bleiakkus sind es in der Regel 30 bis 50 Prozent der Nennkapazität. Für die 127 Ampere des Wasserkochers wären also mindestens 250 Amperestunden nötig. Deutlich besser sieht es bei Lithiumakkus aus. Selbst günstige Modelle liefern problemlos Dauerströme, die der Akku­kapazität entsprechen. Wobei hier das Batteriemanagement der Engpass ist. Aufwändigere Systeme kommen auf zweifache Kapazitätswerte, sprich ein 100-Amperestunden-Akku verkraftet eine Entladung mit 200 Ampere.

Einzelgeräte funktionieren im Hafen und auch unterwegs: Haushaltsübliche Induktionsplatten und Wasserkocher sind günstig und nehmen nicht viel Platz ein. So lange Landstrom vorhanden ist, lässt sich mit diesen Geräten viel Gas sparen. Wenn Akkus und Inverter entsprechend ausgelegt sind, auch am Ankerplatz. Als Back-up und für längere Seestrecken sollte ein Gaskocher mit kardanischer Aufhängung vorsichtshalber an 
Bord bleibenFoto: Frank Reinecke
Einzelgeräte funktionieren im Hafen und auch unterwegs: Haushaltsübliche Induktionsplatten und Wasserkocher sind günstig und nehmen nicht viel Platz ein. So lange Landstrom vorhanden ist, lässt sich mit diesen Geräten viel Gas sparen. Wenn Akkus und Inverter entsprechend ausgelegt sind, auch am Ankerplatz. Als Back-up und für längere Seestrecken sollte ein Gaskocher mit kardanischer Aufhängung vorsichtshalber an Bord bleiben

So hoch ist der Stromverbrauch beim Kochen an Bord

Die Kapazität der Bordakkus ist also kein K.-o.-Kriterium mehr. Trotzdem stellt sich die Frage, wie viel Energie konkret benötigt wird, um elektrische Küchengeräte zu betreiben. Dabei gehen wir vom gegenwärtig größten, fertig konfektionierten Lithiumakku aus. Der Block von Liontron beispielsweise bietet eine nutzbare Kapazität von 300 Amperestunden, wiegt rund 35 Kilogramm und kostet etwa 3.000 Euro. Die Stromstärke wurde während des Kochvorgangs am Batteriemonitor gemessen und die Akkukapazität mittels Batteriemonitor vor und nach dem Kochen ermittelt.

  • Einen Topf Nudeln auf einer Induktionsplatte kochen: Mit Vorheizen benötigte der Kochvorgang etwa 15 Minuten, dabei wurden 124 Ampere Strom aus dem Lithiumakku gezogen. Dies entspricht einer Kapazität von 31 Amperestunden.
  • Bolognese für etwa zwei Stunden einköcheln lassen: Köcheln verlangt der Induktionsplatte rund 500 Watt Leistung ab. Aus dem Akku fließen dabei 39 Ampere. Das entspricht einer Entnahme von 78 Amperestunden.
  • Steaks in einer gusseisernen Pfanne braten: Dazu wird der Induktionsplatte die maximale Leistung von 2.000 Watt abverlangt. Der Bratvorgang inklusive Aufheizen dauert zehn Minuten, dabei zieht der Inverter 200 Ampere und verbraucht 33 Amperestunden.
  • Einen Liter Wasser im Wasserkocher zum Sieden bringen: Dieser Vorgang dauert 4,5 Minuten, während dieser Zeit wird der Bordakku mit 140 Ampere belastet. Das entspricht einer Entnahme von 12 Amperestunden.

In Abhängigkeit von den an Bord zur Verfügung stehenden Energiequellen ist ausgedehntes Kochen mit elektrischen Geräten also auch in einer Ankerbucht möglich. Wichtig ist, bei regelmäßigem elektrischen Kochen den Verbrauch in der Energiebilanz zu berücksichtigen. Schließlich muss die entnommene Energie auch wieder in den Akku fließen, entweder per Landstrom oder auf See mittels Windgenerator, Solaranlage oder Lichtmaschine.

Mit nur einer Energiequelle wird es schwierig, die durch das Kochen verbrauchte Kapazität wieder in die Akkus zu bekommen. Das schaffen im Grunde erst ein Dieselgenerator oder der LandstromanschlussFoto: YACHT/M. Amme
Mit nur einer Energiequelle wird es schwierig, die durch das Kochen verbrauchte Kapazität wieder in die Akkus zu bekommen. Das schaffen im Grunde erst ein Dieselgenerator oder der Landstromanschluss
Mit einem Verbund aus Solarzellen, dem Windgenerator und der Lichtmaschine bleibt die Yacht auch langfristig autark und die Küche warmFoto: YACHT
Mit einem Verbund aus Solarzellen, dem Windgenerator und der Lichtmaschine bleibt die Yacht auch langfristig autark und die Küche warm

Neben der Energiebilanz stellt sich die Frage der Praktikabilität. Einige Mehrrumpfyacht-Hersteller bieten werftseitig die Ausrüstung der Pantry mit einem Induktionsfeld und elektrischen Backofen an. Auf Mehrrumpfbooten sind solche Lösungen auch ohne kardanische Aufhängung möglich, da die Boote kaum krängen. Beispielsweise lässt sich der dänische Dragonfly-40-Tri mit einem Induktionskochfeld ordern. Damit die Töpfe auch bei ruppigem Wetter auf dem Herd bleiben, wird eine Silikonmatte untergelegt. Deutlich schwieriger ist es für Eigner von Einrumpfbooten, zumindest wenn unterwegs gekocht werden soll. In der Ankerbucht oder im Hafen könnte wegen fehlender Krängung auch ein mobiler Elektroherd zum Einsatz kommen. Einfache Modelle gibt es bereits ab 90 Euro, und selbst eine mobile 2.000-Watt-Induktionsplatte vom Discounter lässt sich nutzen.

Einbaufelder sind ideal für Multihulls: Wer ohne Krängung segelt, kann Einbaukochfelder verwenden. Die Auswahl ist groß. Kenyon bietet spezielle Marine-Modelle mit geringer Leistungsaufnahme und Antirutschmatten aus Silikon an. Beim Dragonfly-40-Tri von Quorning Boats kann man das System ab Werft bestellenFoto: YACHT/K. Andrews
Einbaufelder sind ideal für Multihulls: Wer ohne Krängung segelt, kann Einbaukochfelder verwenden. Die Auswahl ist groß. Kenyon bietet spezielle Marine-Modelle mit geringer Leistungsaufnahme und Antirutschmatten aus Silikon an. Beim Dragonfly-40-Tri von Quorning Boats kann man das System ab Werft bestellen

Bei der Auswahl der Geräte empfiehlt sich ein Blick Richtung Wohnmobil. Unter Campern liegt elektrisches Kochen im Trend. Schwieriger wird es, wenn das System bei Lage funktionieren soll. Denn es gibt derzeit kaum einbaufertige Induktionsherde mit kardanischer Aufhängung. Das Modell Ocean Chef 3 wird von GN-Espace aus England produziert und besitzt drei Kochfelder und einen elektrischen Backofen nebst Grill. Um alle Funktionen gleichzeitig zu nutzen, sind fast fünf Kilowatt nötig. Ob der Herd in die vorhandene Mulde des Gasherds passt, muss genau geprüft werden, denn aufgrund der aufwändigen Aufhängung baut er etwas breiter als die üblichen Gas-Modelle. Ebenfalls ein Hindernis dürfte der Preis von rund 5.600 Euro sein.

Selbstbau als Alternative

Beim italienischen Hersteller Techimpex gibt es marinetaugliche elektrische Geräte zum Kochen in unterschiedlichen Ausführungen, darunter auch den Horizon3 genannten Herd mit drei Induktionsfeldern nebst Backofen, sowie den Horizon4 mit vier Induktionsfeldern und einer Kombination aus Backofen, Grill und Mikrowelle. Alle Geräte verfügen über eine kardanische Aufhängung. Werte zur Stromaufnahme und Preise sind noch nicht bekannt.

Alternativen können Selbstbau-Lösungen aus Einbaukochfeldern und Elektrobackofen sein, auch dazu kursieren im Internet diverse Videos und Blogeinträge. Teilweise wurden einfach die Gehäuse des alten Gasherds weiterverwendet. Bei derartigen Konstruktionen gibt es allerdings keine Garantie, dass sie auch betriebssicher sind. Unsachgemäß installiert, besitzt ein 230-Volt-Küchengerät ein ähnliches Gefahrenpotenzial wie eine fehlerhafte Gasanlage. Bei einer professionellen 230-Volt-Installation und dem vom Hersteller vorgesehenen Betrieb sind der Kreativität, elektrische Geräte in der Pantry nutzbar zu machen, dagegen kaum Grenzen gesetzt. Moderne Serienyachten halten bereits Plätze für Kaffeeautomaten oder eingebaute Mikrowellen vor. Auch ein ständiger Platz eines Brotbackautomaten wäre denkbar, diese Geräte arbeiten selbst bei Krängung. Auch ein Thermomix oder andere Multifunktionskocher finden zunehmend ihren Weg an Bord.

Kardanischer Induktionsherd als Luxuslösung: Wenn auf See gekocht werden soll, muss der Herd auch bei Krängung funktionieren. Der Ocean Chef 3 ist einer der wenigen E-Herde mit Induktion und Kardanik. Er passt aber meist nicht direkt in die für Gasherde vorgesehenen Einbaumulden. Der Preis liegt bei 5.600 EuroFoto: Hersteller
Kardanischer Induktionsherd als Luxuslösung: Wenn auf See gekocht werden soll, muss der Herd auch bei Krängung funktionieren. Der Ocean Chef 3 ist einer der wenigen E-Herde mit Induktion und Kardanik. Er passt aber meist nicht direkt in die für Gasherde vorgesehenen Einbaumulden. Der Preis liegt bei 5.600 Euro

Wenn es die Energiebilanz zulässt, zum Beispiel, wenn ein Dieselgenerator vorhanden ist, stehen dem Komplettumstieg nur die kaum vorhandenen seetüchtigen Einbauherde im Wege. Aber auch eine nur im Hafen genutzte Induktionskochplatte und ein Wasserkocher können den Gasverbrauch deutlich senken. Das richtige Maß zwischen Minimalismus und hohem Komfort muss jeder Eigner für sich selbst finden. In der Praxis hat sich der Einsatz elektrischer Haushaltsgeräte bewährt. Dank Lithiumakkus und effektiver Wind- und Solargeneratoren sind die technischen Voraussetzungen an Bord inzwischen relativ einfach zu erfüllen.#

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